Full text : Unser Schönes Samland

Schaaken, Blick von Nord-Ost auf das alte Burggebäude

Der Oberhof liegt etwa 3 m höher als
die übrige Landschaft rings umher. Kam
man von der Landstraße von Osten zum
Hof, dann passierte man die sauber
gepflasterte, mit Birken gesäumte Auffahrt
 und sah rechts hinter Zaun und
Hecke „Ochens Garten“ und links den
„Burggarten“. Oben angekommen, steht
rechts das alte Burggebäude, unser Wohnhaus,
 mit dem Vorbau. Im östlichen Teil
dieses Gebäudes hatte unsere
 Großmutter, Käthe
Riebensahm, genannt
„Ochen“ ihre Wohnung in
zwei Etagen, alles andere
bewohnten wir.
Das Gebäude, dessen
Ursprung auf das 13. Jahrhundert
 zurückgeht, war
im Jahre 1606 einem
Brand zum Opfer gefallen
und danach wieder aufgebaut
 worden. Ein weiterer
Aus- und Umbau erfolgte
im frühen 19. Jahrhundert
mit einem neuen Vorbau
vor dem alten Burggebäude.

 Über dem 3.
Stock des Hauptgebäudes
 hatte man ein Pultdach
 mit schwacher Neigung
 nach Norden konstruiert,
 während auf
seiner West/Süd- und
Ostseite, ebenso auf
dem Vorbau, Ecktürmchen
 und Zinnen errichtet
 worden waren. Dadurch
 hatte die Ordensburg
 äußerlich ihren
mittelalterlichen Baustil
 verloren. Nur im Inneren
 zeugten noch zwei
Meter dicke Mauern, die insbesondere in
den Fensternischen des Erdgeschosses erkennbar
 waren, sowie das Kellergewölbe
vom ursprünglichen Bau.
Schaute man am Haus vorbei nach
Westen, so sah man rechts - weiß angestrichen-
 das ehemalige „Knappenhaus“,
dann das markante Tor in der Feldsteinmauer,
 welches den Blick in den Unterhof
 freigab. Etwa 20 Meter südlich davon

Burghof, Blick nach Westen auif das markante Tor in der Mauer. Im
Hintergrund das Dach des Kuhstalles mit Storchennestern, ca. um
1930

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Burghof, Blick vom Tor auf das Burggebäude nach Osten.

stand ein Backsteingebäude,
ein Stall für Mastschweine. Ich
hatte mich manchmal gefragt,
warum es dort nicht stank. Es
lag daran, dass das Gebäude
mit auf der Mauer errichtet
worden war und alle „Entsorgung“
 durch die Öffnung nach
Westen zum Unterhof hin erfolgte.
 Auf der Südseite, dem
Burggebäude gegenüber, stand
das Speichergebäude und
daneben eine Garage. Daran
schlossen sich die Wagenremise
 und der Stall für die
Kutsch- und Reitpferde an.
Ein Holzschuppen daneben wurde später,
 etwa 1940, abgerissen. Unter diesem
befand sich ein Keller, der, im Winter
mit Eisblöcken befällt, für eine lange
Aufbewahrung von Obst und Gemüse
geeignet war. Eine große Rasenfläche
mitten auf dem Oberhof war durch eine
niedrige Quittenhecke eingezäunt.
Im Unterhof sah man links den großen
 Kuhstall für ca. 160 Herdbuch-Milchkühe
 und vier Bullen. Auf jeder
Giebelseite stand ein rundes Hochsilo. Vor
dem Stall hatte man eine tiefe Kuhle für
den Mist angelegt. Auf den Lüftungskaminen
 des Stalles hatten stets mehrere
Storchenpaare ihre Nester bezogen.
Westlich des Kuhstalles, etwas zurück,
stand ein neu gebauter, großer Stall für
Zuchtschweine mit einem Auslauf nach
Süden. Nördlich davon schlossen sich
eine Scheune, dann der Kälberstall und
eine weitere Scheune an. Kuhstall, Kälberstall
 und das Schmiedegebäude mit
Stellmacherei umschlossen den ungepflasterten
 Hofplatz, der Wagen und
Ackergerät aufnahm. Hinter der Schmiede
 lag der „Schmiedeteich“ und östlich

davon der große Pferdestall für 12 Gespanne
 zu je vier Pferden. Der „Pferdeteich“
 vor dem Pferdestall diente dazu,
die Tiere abends zur Tränke zu führen.
Jungvieh, Schafe und Fohlen waren in
Ställen außerhalb des eigentlichen Hofes
 untergebracht.
Jenseits der Landstraße, östlich des
Oberhofes, stand ein moderner Hühnerstall
 für etwa 250 Hühner innerhalb einer
 großen „Streuobstwiese“. Die einzelnen
 Legeboxen waren so eingerichtet,
dass jedes Huhn nach dem Eilegen warten
 musste, bis es herausgelassen wurde
und dabei seine Nummer registriert werden
 konnte. Auf diese Weise hatte man
die Kontrolle über den „Fleiß“ der Hühner.
 Jenseits dieser Straße, nördlich des
Hofes, standen die Häuser mit den Wohnungen
 für die etwa 30 Familien der Mitarbeiter.
 Zu jedem Haus gehörten Gartenflächen
 und Ställe für Kühe, Schweine
und Federvieh. Die Mitarbeiter hatten
ihre eigene Weide für ihre Kühe, die direkt
 hinter ihren Häusern lag.
Rings um die Burgmauer lagen die Gärten
 der Domäne, im Osten und Norden

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