Reise nach Heiligenkreutz
/^^ach langem Überlegen möchte ich
3 1 § über unsere Reise im August
Ä-/ ^2004 berichten. Obwohl ich nicht
in Heiligenkreutz, sondern in Königsberg
geboren bin, besteht eine enge Beziehung
zu diesem ehemaligen Kirchdorf. Jedes
Jahr in den Sommerferien war ich (Jahrgang
1930) bei den Verwandten auf dem
Bauernhof Gustav Liedtke. Dort erlebten
meine Mutter, der kleine Bruder und
ich auch den Einmarsch der Roten Armee.
Zwangsweise lebten wir nun bis Dezember
1947 in Heiligenkreutz, in jener
Zeit aber mit anderen Flüchtlingen im
weißen Haus vom Schweizer Stolze.
Zwei Mädchen und ich waren Tag für
Tag zur Feldarbeit in Bersnicken eingeteilt,
wir waren froh und dankbar endlich
ausgewiesen zu werden, denn dieses
Feben war unerträglich.
Nach all den vielen Jahren konnte ich
jetzt im Jahr 2004 meinem Mann Königsberg,
Heiligenkreutz und Umgebung zeigen.
Die Tochter von Erna Fiedtke (später
Gregoreck) und ihr Mann begleiteten
uns. Ich war mit meiner Tochter 2001
schon einmal in der Heimat gewesen.
In Rauschen besorgte uns die Reiseleitung
ein Taxi mit deutschsprachigem
Fahrer und dann ging es über Klycken
nach Heiligenkreutz. Wir besuchten als
erstes das Pfarrhaus Henckys, meine
Cousine Erna Fiedtke war dort früher in
Stellung. Die Kirche selbst und den
Friedhof gibt es schon lange nicht mehr.
Unser Fahrer Viktor kannte eine Russin
namens Anastasia, sie wohnt in der ehemaligen
Post. Diese sehr liebe Frau lud
uns in ihre Wohnung ein, zeigte uns Fotos
von der Familie Henckys und bewirtete
uns mit Tomaten, Speck und Salz.
Dann ging es weiter durch das Dorf bis
zu dem Haus Fiedtke. Anastasia begleitete
uns, dadurch kamen wir auch in das
Innere des Gebäudes. Dort lebt jetzt eine
Alkoholikerin, man kann sich vielleicht
vorstellen, wie es darin aussieht. Die
Tochter meiner Cousine wollte doch sehen,
wo ihre Vorfahren gelebt haben. Wir
waren sehr traurig, weil alles so verkommt.
Aus der Erinnerung heraus konnte
ich meinem Mann und den Verwandten
zeigen, wo einmal die Stallungen und
die Scheune standen und wo sich früher
der riesige Obst - und Gemüsegarten befand.
Jetzt ist dort überall nur noch Gestrüpp
und Urwald. Den Teich hinter
Liedtkes Hof gibt es noch, dort konnten
wir sogar ein paar Gänse bewundern.
In Heiligenkreutz stehen noch viele
Häuser, allerdings durchweg in einem
schlechten Zustand. Das Haus der Familie
Pflug sieht von der Straße her ganz
ordentlich aus. Im Krug (früher Kösling)
ist wieder ein Lebensmittelgeschäft.
Leider ist von der Schule (Kantor Hoffnann)
nichts mehr vorhanden.
Unsere Fahrt ging dann weiter über
Bersnicken, dort wäre ich gern ausgestiegen,
um das Umfeld meiner ehemaligen
Arbeitsstätte zu betrachten, doch auf der
Straße standen etliche betrunkene Männer,
so dass wir lieber zur Gedenkstätte
der Gefallenen nach Germau weiter fuhren.
Über Palmnicken fuhren wir weiter
nach Bieskobnicken, dort musste ich nach
dem Krieg auch etliche Monate arbeiten.
Wohnen konnte ich während dieser Zeit
bei der Familie Mischei. Heute ist das
Haus fast zugewachsen, kaum noch zu
erkennen. In Bieskobnicken lebten früher
auch Verwandte von uns (Familie
Schleger), das Haus steht jetzt noch. Zum
Schluss dieser Tagesfahrt stand mein
Geburtsort Königsberg auf dem Plan. Im
Stadtteil Amalienau stehen noch viele alte
Häuser. Es ging die Hagenstraße entlang,
in die Kraussallee, Stägemannstraße und
in die Jahnstraße, in der ich aufgewachsen
bin. Die Häuser wurden beim Einmarsch
der Russen angeblich in Brand
gesteckt, denn die einzelnen Etagen sind
jetzt anders aufgeteilt. Meine Eltern
wohnten im Haus Nr. 8 in der 2. Etage.
Innen steht das Haus vor Schmutz und
in die Wohnung durfte ich nicht hinein,
obwohl unser Fahrer Viktor alles versuchte.
Nun gingen wir über die Straße zu meiner
Schule. Dort hatten wir Glück! Dank
unseres wunderbaren Fahrers Viktor
durften wir die Hippel- und die Krauss-Schule
auch von innen besichtigen. Es
war für mich als ehemalige Schülerin ein
unbeschreibliches Erlebnis, dieses gut
erhaltene Gebäude nach so vielen Jahren
wieder zu betreten.
Ein ereignisreicher Tag war zu Ende
und wir fuhren nach Rauschen zur Reisegruppe
zurück.
Lieselotte Golz, geb. Fermer
Lärchenweg 13
64807 Dieburg
Liebe Pobethener,
Kirchspiel-Bewohner, Drebnauer, Nautzauer und Schlakalker!
nzwischen ist es drei Jahre her, dass
ich begann, mich um die
Aufarbeitung der Bewohnerlisten
und Ortspläne aller Kirchspielorte zu
bemühen. Ständig erhalte ich neue Hinweise
und Erkenntnisse. Es macht mir
immer noch viel Spaß und Freude, denn
die Heimatarbeit ist mittlerweile zu meinem
Hobby geworden, welches viel Zeit
und Geld in Anspruch nimmt. Auf diese
Weise lerne ich erst heutzutage das Samland
gründlich kennen.
Dabei fiel mir immer wieder auf, dass
Fragen nach ehemaligen Bewohnern oft
nicht zügig beantwortet werden können,
weil es trotz des „Computerzeitalters“
keine zentrale Datenbank für den Kreis
Fischhausen gibt. Glücklicherweise war
der neue Vorstand schnell zu überzeugen,
dass eine solche Aufarbeitung der Einwohnerlisten
in eine Zentraldatei notwendig
sei und stellte deshalb seine Unterstützung
sicher. So habe ich mich auch
diesem Aufgabenfeld zugewandt, alle
schriftlich vorhandenen Daten mit dem
Computer zu erfassen. Für meine Recherchen
ist mein Telefonanschluß 04532-400910
so eingerichtet, dass ich an Wochenenden
und abends ab 18 Uhr fast
kostenlos telefoniere.
Ganz nebenbei ermittele ich dabei dann
frühere Samländer, die - weil jetzt fast
alle im Rentenalter sind - mehr Zeit und
auch Interesse für die Besinnung auf die
Geburtsheimat haben. Vielleicht werden
auch neue Bezieher des Heimatbriefes
dadurch gewonnen.
Wenn ich also dadurch meine Geburtstagsgrüße
etwas vernachlässige, bitte ich
um Nachsicht. Ich bin für jede Nachfrage
und jeden Hinweis sehr dankbar, hilft
es doch, eine umfassende aussagekräftige
Datei zu erstellen, der sich die Kreisgemeinschaft
Königsberg Land auch an- 69