ten zu und hörte, was sie untereinander
besprachen, zumal das auch noch in der
Sommerzeit draußen geschah. Das merkte
auch die Baronin, darum versuchte sie
mir Mut zu machen, wollte sie doch auf
diese recht einfache Art in den Genuss
von Bienenhonig gelangen. Die notwendige
Ausstattung, wie Bienenstand, Bienenhäuser,
Waben-Rähmchen und andere
Dinge, würde der Stellmachermeister
Possekel anfertigen. Er würde mir darüber
hinaus auch praktische Ratschläge
erteilen.
Da mein Junggesellendasein auch
ohne Bienenstöcke gut ausgelastet war,
winkte ich vorerst ab und so wurde aus
der gutseigenen Imkerei nichts.
Für schweres Ackergerät hatten wir in
Kallen einen Diesel-Raupenschlepper.
Dieser sollte nun an den Staat abgeliefert
werden, um in der Ukraine eingesetzt
zu können. Als Ersatz wurde uns
ein Raupenschlepper mit Holzgasgenerator
als Antrieb - fabrikneu - angeboten,
der jedoch erst in einiger Zeit geliefert
werden konnte. Nun wurde sofort
mit der dafür notwendigen Energiebevorratung
begonnen. Es wurden die
vorgegebenen Hölzer geschlagen, entsprechend
zerkleinert und in einem einseitig
mit Lattenrost verkleideten Schuppen
gelagert. Erlen sollten hervorragend
sein, dann Birke und anderes Laubholz,
weniger geeignet sei Nadelholz wegen
der vielen Harzanteile. Die mit diesem
Holz erzielten Gas- (also Energie-) Leistungen
waren sehr gut. Sie ermöglichten
die weitere Verwendung der schweren
Arbeitsgeräte auch mit der Holzgasgenerator-Raupe.
Werner Nagel
Berliner Ring 10
24594 Hohenwestedt
Tel.: 04871 - 25 58
— Mutters Einkäufe in Königsberg
/W^%eistens war es einmal im Mo-S
111 nat, dass unsere Mutter in die
-•V ▼'Stadt fuhr, um zusätzliche Einkäufe
zu tätigen. Es fehlten häufig Textilien,
Schuhe, Strümpfe, Gewürze und
so manche Dinge, die sie in unseren ländlichen
Läden nicht fand. Bis Königsberg
waren es etwa 35 Kilometer mit der Bahn.
Wir waren fünf Jungs im Alter von zwölf,
neun, sechs, vier und einem Jahr. Mutter
brachte uns immer Bonbons mit, in
durchsichtigem Papier, die mit Fruchtgeschmack
oder nach Schokolade, Karamell
schmeckten. Alfred, der älteste
Bruder, bekam die Verantwortung für uns
alle.
In unserem Alter hatten wir mehr Appetit
auf süße Sachen, als wir bekamen.
Alfred verstand es sehr gut, Bonbons zu
kochen. Es gab da verschiedene Varianten
von Sahnebonbons, mit und ohne
Haferflocken. Dann kochte er knallharte,
schwarze Bonbons mit einem Schuss
Essig drin, die man nicht mit dem Messer
aufteilen konnte, sondern tatsächlich
einen kleinen Hammer brauchte, um eine
gerechte Teilung zu vollziehen.
Der beste Tag für das Bonbonkochen
war Mutters Einkaufstag. Der Vorratsschrank
ließ sich auch ohne Schlüssel
gut mit einem Messer öffnen. Es lief alles
sehr gut ab. Alfred schärfte uns allen
ein, nichts der Mutter zu erzählen, weil
es doch verboten war.
Mutter kam gegen Abend mit vollen
Taschen heim. Als erstes fragte sie, ob
alles in Ordnung sei. Bevor noch jemand
antworten konnte, stand Horstchen (4)
vor ihr, die Hände auf dem Rücken verschränkt
und sagte, indem er sie treuherzig
anschaute: „Nein, nein, Mama, der
Alfred hat heute keine Bonbons gekocht.“
Sie wusste Bescheid.
Es sind häufig kleine Geschichten, die
ein Leben lang im Kopf bleiben, obwohl
das eigentliche Bild meines Bruders Horst
schon seit 60 Jahren verblichen ist.
Rudi Jonischkeit
72663 Großbettlingen
vtN»
Nicht meine Heimat?
von Anette Naumann
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Warum zieht es mich so fort, heute noch, am liebsten gleich
in den Norden an die Küste, wo der Bernstein leuchtet reich.
r. *' ^ -
Vom Gold der Ostsee hab ich besessen so manches Kinderstück
hab's geliebt, .Jahr um Jahr, sollt’mir bringen Glück.
* v- Bp
Geblieben ist der Mutter Kette, hab sii
’7"
fühlt sich warm, fast heilend an ,
e manchmal in der Hand
'ange her, als man ihn fand.
Ob Palmnicken, ob Jantarriy , Welten weg und doch so nah,
war nie da, doch meine Mutter liebte es so unsagbar.
Hat erzählt mit feuchten Augen von dem Leben, das oft schwer
„ Grube Anna Kaddigbeeren, Flundern und so vieles mehr.
Als die große Flucht begann, war die Mutter schon weit weg
hatte Angst um ihre Eltern, gewesen auf dem langen Treck.
Und sie kamen halb verhungert, meinten nur: „Marjell, min Glöck‘
ohne Peerdkes, Flinsen, Schlorren - Verlorenes kehrt nicht zurück.
Sind schon alle längst gegangen, ihren allerletzten Weg
heut möcht' ich die Küste sehen, aufspüren was Großvater gebaut
und gesät.
Werd ’ bestimmt die Reise machen, Mutter hätt ’s so gern gewollt -
helle Birken, Meeresrauschen , weißer Strand und braunes Gold.