Full text : Unser Schönes Samland

Doch dann kam der Krieg. Was würde
der Kriegsausbruch bringen? „Am Kulten“
 konnten wir das Strandleben noch
in unbeschwerter Weise genießen. Aus
Zehdenick kam ein Soldat an die Ostfront
 und ins Lazarett, wir erhielten
Besuch. Aber bald wurde es trauriger,
dem Krieg fielen auch die ersten Pobether
Soldaten zum Opfer. Die Front rückte
näher und näher. Am 2.02.1945 flohen
wir über Danzig nach Rothenburg/Bremen.
 Wir mussten - wie alle anderen
auch - alles zurücklassen und konnten
nur mitnehmen, was wir tragen konnten.
Von dort siedelten wir zurück nach

Um

steuerliche Belastungen zu senken,
 die nicht immer notwendigen
Investitionen doch noch dem Betriebsvermögen
 zufließen zu lassen, wurden
alle möglichen und in der Kriegszeit
machbaren Reparaturen durchgeführt. So
wurde in dieser Zeit das Dach des Schweinestalles
 mit Vorratsraumanbau völlig
erneuert. Das Bauholz dazu war im eigenen
 Wald geschlagen, der Stallmachermeister
 Possekel hatte es passgerecht zugeschnitten.
 Er hatte vor der Stellmacherei
 eine Sägevorrichtung mit Kreissäge
und Horizontalgatter. Ein Zimmerermeister
 aus dem Braunsberger Raum
wurde engagiert und rückte mit seinen
verfügbaren Gesellen an. Nun wollte
derselbe auch persönliche Vorteile aus
diesem Auftrag in der Landwirtschaft (in
Kriegszeiten) ziehen - gedacht hatte er
an Eier - und sprach mich daraufhin an.
Da ich jedoch über die Lebensmittel des

Zehdenick, meinem Geburtsort und jetzt
wieder meine neue Heimat.
Gern denk’ ich zurück an die Jugendjahre
 in Pobethen! Verwandte, Freunde
und Nachbarn von damals haben schon
für immer Abschied genommen. Ein kleiner
 Kreis Ehemaliger hält aber noch zusammen
 und telefoniert ständig
miteinander, denn die Besuchswege werden
 auch für uns immer beschwerlicher.

Erika Glagau
Wesendorfer Weg 53
16792 Zehdenick

Gutshauses keine Verfügungsgewalt hatte,
 verwies ich ihn an die Baronin. Nach
einem Gespräch, das er mit der Baronin
geführt hatte, kam diese zu mir und fragte,
 da der Meister um eine Mandel Eier
bat, wie viel das sind. Als ich sagte:
„Fünfzehn Stück“, war sie hocherfreut
und sagte: „Die soll er haben“, denn sie
hatte an 60 Stück gedacht, das jedoch
sind ja ein Schock! „Immerhin“, so sagte
 ich, „falls er von einer ,Bauernmandel’
 gesprochen hätte, wären das 16
Stück.“
Eine andere Reparaturmaßnahme war
die Einzäunung des Obstgartens innerhalb
 des Parkgeländes. Auch dieses geschah
 im Sommer 1943. Im Gespräch mit
einem der Monteure „erhandelte“ ich mir
ein Radio, das er jedoch nur gegen eine
Mastgans hergeben wollte und ich große
Mühe hatte, mir eine solche zu verschaffen!


Beim Rübenhacken wurden in diesem
Sommer auf dem Feld kurz nacheinander
zwei Stück fossiles Holz gefunden - etwa
25 bis 30 cm lang, ca. 4 x 4 cm stark und
mir im Büro übergeben. Ein Stück davon
gab ich der Baronin für die private
Sammlung, während ich das andere
Stück im Geologischen Institut, das sich
in Königsberg/Pr. auf dem Steindamm
befand, abgeliefert habe. Dort nahm man
es gerne an, nachdem ich die genaue
Fundstätte angeben hatte.
Ich war bereits einige Jahre in Kallen,
 als der Chef bei einem seiner
Heimaturlaube mich fragte, ob ich an der
Jagd interessiert sei. Wenn dies der Fall
wäre, sollte ich den Jagdschein machen,
er gäbe mir sofort die Niederwildjagd
frei. Kallen hatte eine
Eigenjagd mit allerlei jagdbarem
 Wild bis hin zum
Elch - erlaubt war da nur
der Abschuss eines Stangenelches!
 Weil mir dieser Vorschlag
 sehr gelegen kam,
setzte ich mich sofort mit
dem Kreisjägermeister, das
war Herr Ullmer, Quanditten,
 in Verbindung und
holte entsprechende Informationen
 ein. Herr Ullmer
empfahl mir ein bestimmtes
 Fachbuch zu erwerben
und es gut zu studieren!
Erhältlich sei es in einer
Königsberger Waffenhandlung - und die
nannte er mir. Leider war das Buch vergriffen
 und wurde im Krieg nicht mehr
neu aufgelegt. Als ich deswegen mit
Herrn Ullmer telefonierte, schickte er mir
umgehend sein eigenes Fachbuch (!) in
dem viele Prüfungsfragen blau oder rot
oder sogar blau/rot unterstrichen waren.

Daraus konnte ich erkennen, worauf ich
mich konzentrieren musste. Dieses Buch
gehörte nun zu meiner Lieblingslektüre.
Als mich dann im Sommer 1944 Herr
Ullmer anrief und fragte, ob ich an der
nächsten Jägerprüfung teilnehmen wollte,
 war ich der Meinung, dass ich noch
nicht genug wüsste und meldete meine
Bedenken an. Woraufhin Herr Ullmer
sagte: „Kommen sie nur, Herr Nagel, so
schwierig ist das nicht.“ Trotz dieser ermunternden
 Aufforderung bin ich nicht
hingefahren. (Warum eigentlich nicht?)
In Kallen wurde Imkerei als privates
Hobby von verschiedenen Landsleuten
betrieben. Es waren dieses der Oberinspektor
 Fritz Beitat, der Stellmachermeister
 Heinrich Possekel, der Schäfermeister

 August Grzanna und der Lehrer
Willi Wikswat, die mächtig untereinander
 wetteiferten. Das Gut Kallen selbst
hatte keine Bienenvölker. Es war auch
niemand da, der sie hätte betreuen können.
 Bei mir war schon Interesse vorhanden,
 sah ich doch oft genug den Hobby-Imkem
 bei den verschiedenen Arbei-Aus

 meiner „Kallen-Zeit" (1942 - 1945)

Ein Qutsrendant erzählt..... (5)

Auffahrt zum Qut Kallen - das Qutshaus liegt geradeaus hinter
den hohen Bäumen Fotorpriv.

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