Vorbeifahrt des Segelschulschiffs „KrusensterrTvor Cranz
Foto: Lunau
mondscheinhellen Sommernächte genießen.
Ein „Fest besonderer Art“ konnten wir
am 31. August erleben. Schon sehr früh
am Vormittag bewegten sich große Besucherströme
- vor allem vom Bahnhof
- in Richtung Promenade und bevölkerten
diese, wie an einem Wochenende zu
unseren Zeiten. Angesagt war das Erscheinen
des russischen Segelschulschiffes
„Krusenstern“. Musikkapellen
und Diskjockeys sowie Sing- und Tanzgruppen
unterhielten die Zuschauer mit
einem bunten Programm. Dann endlich,
gegen Mittag, erschien das Schiff an der
Rantauer Spitze und nahm Kurs auf
Cranz. Langsam segelte es, leider in recht
großer Entfernung am Ort vorbei, verhielt
kurz, etwa in Höhe Sarkau und verschwand
dann - ohne ein von vielen erwartetes
Ausbooten - wieder hinter der
Rantauer Spitze. Das Ausbooten erfolgte
anschließend in Rauschen, wo sich die
Prominenz des Bezirkes versammelt hatte
und dort den Besuch gebührend feierte.
Am 10. August feierte die Stadt - wie
angekündigt - ihr sogenanntes „750-jähriges
Bestehen“ mit einem prächtigen
Fest. Ein „Aufmarsch“ von kostümierten
Akteuren (einschließlich Ritterspielen)
am neuen „Roten
Platz“ (so benannt wegen der
roten Pflastersteine, neben Frisör
Säger, s. Foto rechts unten)
sowie ein Großfeuerwerk bildeten
den Höhepunkt der Veranstaltung,
zu der - neben russischen
und ausländischen Ehrengästen
- von deutscher Seite der
Kreispräsident vom Kreis Pinneberg
mit einer kleinen Delegation
geladen waren. Zur Vervollständigung
des Bildes fehlte eigentlich
eine Delegation von den ehemaligen
Bewohnern von Cranz! Als „Ersatz“!??)
wurde aber eine sehr liebevoll
zusammengestellte Festschrift mit den
alten Fotos unseres „Cranzche“ und einem
Abriss der deutschen Geschichte von
Cranz ausgegeben. Allerdings sucht man
auch in ihr das historische Datum, als
Grundlage für die Feier, vergeblich. Sollte
man die Errichtung des ersten „Kruges“
als „Gründungszeitpunkt“ genommen
haben, dann käme als Datum nur
das des vom Ritterorden errichteten
„Kranta-Krug“ (später Kranz-Krug), also
das Jahr 1282 in Frage. Das aber bedeutet,
die Feier war - wie ich schon immer
gesagt habe - 30 Jahre zu früh! Der Orden
konnte, wie wir wissen, nämlich erst
in den Jahren 1265 - 70 im Raum Cranz
Fuß fassen und dort zunächst lediglich
eine Falknerei (Raum Kl. Thüringen /
Försterei Grenz) errichten. Vorher standen
hier höchstens einige Schilfhütten von
pruzzischen Jägern und Vogelfängern!
Allerdings müssen im Raum Cranz, wie
ich in meinem Bericht vor 6 Monaten
beschrieben habe, schon in der Steinzeit
Menschen gehaust haben. Dann läge der
„Gründungszeitpunkt“ jedoch in etwa im
54
3. Jahrtausend v.u.Z., d.h. nach Entstehung
der Ostsee in der etwa heutigen
Form.
In Höhe des ehern. Rettungsschuppens
ragen, wie ich bereits berichtete, die Reste
und Wurzeln von alten Bäumen aus dem
Wasser. Es sind die Überreste des einst
dort stehenden Waldes. Meines Erachtens
wurde dieser Wald vor ca. 400 bis 500
Jahren von der See vernichtet. Um eine
möglichst genauere Zeitbestimmung zu
erfahren, habe ich Proben aus dem eisenharten
Holz entnommen und warte
gespannt auf das Ergebnis der chemischen
Untersuchungen.
Neue Erkenntnisse über unsere Vorfahren
werden auch die Auswertungen der
neuen Ausgrabungen von Prof. Dr. Kulakow
im Raum Dollkeim (7 km südwestlich
von Cranz) bringen, ln diesem Sommer
hat Kulakow Verstärkung von Studenten
der Uni Kiel bekommen. Auf dem
Foto auf der nächsten Seite sieht man die
Grabstelle vermutlich eines Pruzzen, der
auf seinem Pferd sitzend begraben wurde.
Leider sind schon sehr viele Gräber
dieser Grabungsstelle von Grabräubern
geplündert worden, was einen nicht zu
ersetzenden Verlust für die Geschichte unserer
Gegend bedeutet. Es ist deshalb
für die Fortsetzung der Ausgrabungen
größte Eile geboten.
Prof. Kulakow benötigt für seine
Arbeiten, die er zurzeit mit
einfachsten Mitteln durchführen
muss, Ausrüstungsgegenstände
und Werkzeug, u.a. auch dringend
Westen mit vielen Taschen (Anglerwesten).
Wer also eine solche
Weste erübrigen kann oder anderweitig
die so wichtige Arbeit unterstützen
möchte, der möge sich
bitte an mich wenden.
Anlässlich des Stadtfestes hatte die Stadt
das Aussehen (wie ich im letzten Bericht
angedeutet hatte) etwas verändert! Das
Haus Frisör Sager wurde schön gestrichen
und davor, wie auch auf dem „Roten
Platz“ wurden neue Laternen aufgestellt
(s.u.), die Neubauten daneben erhielten
auch bereits ihren Anstrich, die
Restaurierung des Gästehaus Schütz (neben
der Apotheke) wurde tatsächlich
beendet (allerdings wurde ein viel zu
dunkles, schreckliches Blau gewählt und
entspricht so nicht dem Originalaussehen),
das Apothekengebäude erhielt einen
neuen (hellgrünen) Anstrich und auch
der Neuanstrich des Ostseehospiz (Altersheim)
wurde abgeschlossen. Am Haus
Königsberger Str. 9 (Sattlermeister Fischer/
Milch. Funke neben Kaiser’s Kaffee
Geschäft) wird die linke Veranda neu
aus Steinen vorgebaut. Der westliche Teil
der Kirchenstraße wurde mit einer dünnen
Asphaltdecke versehen und ab Höhe
Schmiedegang wenigstens die meisten
Schlaglöcher zugemacht. Auch das alte
Gebäude des Bahnhofshotels/ Gesch.
Pottien wird derzeit restauriert. Die
Bahnhofsgaststätte wird total überholt und
hat bereits ein neues Dach erhalten.
Haus Frisör Säger und ein Teil vom „Roten Platz" (wg.
roter Pflasterung) in Cranz Foto:Lunau