Palmnicken - Bernsteinanhänger -Treffen
„Heil aller Schäden“; es stimuliert den
gesamten Stoffwechsel, beeinflusst positiv
die Seele, wirkt stärkend auf den
ganzen Menschen! Wer auszieht, in Köln
Begegnungen zu finden, tief zu den Wurzeln
zurückzudringen, wird meistens
reich belohnt. So war es auch diesmal.
Wir trafen uns am 6/7. April 2002
nun schon zum 23. Male im Kolpinghaus
zu Köln, gingen durch die „Pforte“ bei
Hannelore Krause zur Anmeldung, empfingen
die Plakette mit dem Motiv des
Sorgenauer Stausees und zählten
letztendlich rund 60 Teilnehmer. Alle,
die nicht kommen konnten, waren
hoffentlich in Gedanken bei uns, und die
Verstorbenen - derer wir auch in einer
stillen Minute gedachten - waren sowieso
unter uns. In der Antike schon war das
ein Maßstab für Menschlichkeit, wie ein
Volk mit seinen Toten umgeht.
An beiden Tagen unserer Zusammenkunft
goss die Sonne ihre Wärme auf die
Erde, ließ alles grünen und blühen, die
Liebenswürdigkeit des Himmels war
grenzenlos. So, als hätten wir ein Stück
davon verschluckt, sah es auch in uns
selber aus. Zusätzlich zu diesem guten
Auftakt hatten wir noch die Freude, dass
wir mit Nicht-Palmnickem als Gäste beehrt
wurden. Drei Damen vom Ostpreußischen
Frauenkreis (ca. 100 Zugehörige),
dem auch Lisa Rockel angehört,
Herr Dieter Möckel mit Frau aus Hessen.
Er war 1940/41 im Zuge der
Kinderlandverschickung aus Berlin nach
Palmnicken gebracht worden und wohnte
bei Familie Kowalewski, Palmn. Nord.
Seine glücklichen und tiefen Erinnerungen
an jene Zeit bei uns und auch Fragen
nach Personen und Örtlichkeiten
waren die Triebfeder für seinen Besuch
unseres Treffens. Zu aller Zufriedenheit
und Freude konnten wir seinen Wissensdurst
stillen. Ein anderer Gast, aus Königsberg
stammend, war Herr G. Bombien,
der ein dickes Fotoalbum mit alten
Königsberger Bildern mitgebracht hatte.
Der 92-jährige Herr Willi Rogalski,
der schon fast ganz zu uns gehört, war
wieder in alter Frische zu seinen Palmnickern
gekommen. Hanni Wittke wie
auch Siegfried Zigann hießen also die
ganze Mannschaft willkommen und wir
bekräftigten ihre Begrüßungsworte mit
einem Lied und dem 7-strophigen Gedicht
„Glöck op“ von Eva Pultke-Sradnick,
das sie uns geschickt hatte; sie
war leider verhindert, ich durfte es vorlesen:
z. B. „Wie scheen, dat ju trotz
Naaschjebräk jekoame sönd in disse Wäk,
damött wie schabbre undplachandre von
Palwnecke on manchet andre. “ Vielen
Dank, Evchen!
Auch manch anderer trug zum Gelingen
des Tages bei; so erzählte uns Walter
Laukien aus Marscheiten, der ja auch seit
vielen Jahren die Palmnicken-Plaketten
herstellt, in gutem Platt etwas über „de
Schömmerstund“. Auch Kurt Schaak aus
Rothenen - selbstverständlich bei ihm in
Platt - erzählte von to Huus, hatte Aussprüche
und witzige Redensarten parat.
Seine Enkelin Mona brachte zwei klassische
Musikstücke auf der Querflöte
perfekt zu Gehör. Trudi Haase - die letzte
Bernsteinkönigin - setzte ihre schöne
Stimme für uns ein und sang ein Liedchen.
Edith Hillmann geb. Gehrau (Fam.
Morr aus Bardau) deklamierte ein Gedicht
von Agnes Miegel und nicht zu
vergessen unser festverankertes Akkordeon-Duo
Hanni Wittke und Gerda Claaßen.
Sie sorgten immer zwischendurch
für musikalische Streicheleinheiten, für
Unterhaltung und Begleitung.
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Diese Musik kommt den Melodien entgegen,
die in uns selber sind, und wer
gern tanzt, dem ist auch leicht gegeigt.
Dafür gebührt den beiden fleißigen Damen
ganz besonderer Dank, denn schließlich
arbeiten sie, während wir anderen
uns unterhalten und vergnügen bei Spiel
und Tanz. Auch die gebastelte Tischdekoration
kam wieder von Gerda Claaßen.
Viele Menschen trugen dazu bei, dass
auch hier das Ganze mehr als die Summe
seiner Teile ausmacht und nur in diesem
Zusammenspiel entwickelt sich auch
die segensreiche Kraft unserer Treffen.
Viele Fotos von früher gingen wieder
von Hand zu Hand, stumme Hinterlassenschaft
einer versunkenen Kultur.
„Dann legte Gott, der Herr, im Osten von
Eden, einen Garten an und setzte dorthin
den Menschen, den er geformt hatte. Ein
Ort, an dem sich Himmel und Erde berühren,
die Stelle, die Gott uns zugewiesen
hat, wo wir geboren sind - Heimat! “
Nun hat ein neues zudringliches Leben
alles verwandelt und alte, liebgewordene
Pfade bedeckt und unkenntlich gemacht;
es sind verlorene Wege und auch verlorene
Bauten.
Doch was wir in der Vergangenheit geliebt
haben, besitzen wir auch. E. Geibel
sagte: „ Wenn etwas gewaltiger ist als
das Schicksal, so ist es der Mut, der es
unerschüttert trägt. “ Wir sind nun alle
schon weit im Alter fortgeschritten, doch
unsere Gefühle gehen nicht in Rente. Die
Erinnerungen unseres Lebenssommers,
die wir in den „Herbst“ mitnehmen, sind
dann die Rosen des „Winters“. Und die
Erinnerung erst offenbart uns den Segen,
den das Geschick uns verlieh.
Mitten im Trommelfeuer dieses Tages
nun und im lustvollen Verweilen, wurde
die neue Bernsteinkönigin ermittelt und
vorgestellt. Sie heißt Maria Eggert, ist
die Frau von Jürgen Eggert, Palmn.-Süd.
Trudi Haase übergab die Bemsteinkrone
und Lisa Rockel einen dicken Blumenstrauß
von der Gemeinschaft. Außerdem
wurde ihr von Siegfried Zigann eine sehr
hübsche Bernsteinkette um den Hals gelegt.
Bei Kaffee und Torte sangen wir gemeinsam
nach der Melodie „Ode an die
Freude“ von L. v. Beethoven, „Freu dich
über jede Stunde, die du lebst auf dieser
Welt....“ und später noch einige altbekannte
Schlager wie „Spiel mir eine
alte Melodie“ - „Herz, Schmerz und dies
und das“ - „La Paloma“ usw.
Ein Jegliches hat seine Zeit und so erklang
zur Abendstunde noch einmal die
Flöte von Mona und ich las ein plattdeutsches
Gedicht von Frida Jung vor:
„Schloap seet, mien leewet Lenke“.
Das erste Verabschieden begann, entweder
bis zum nächsten Jahr oder bis
zum nächsten Tag. Einige „wetterfeste“
Naturen hielten stand bis weit nach Mitternacht
und ergaben sich der magischen
Kräfte der Heimat. Noch einmal schwelgten
sie in einem Meer von Emotionen
und aufbrausenden Gefühlen, bis es auch
für sie hieß: „Ab in die Posen“.
Der nächste Tag, im schon kleinen
Kreis und einem Nebenraum des Hotels,
hatte zum Mittelpunkt den Gottesdienst,
der wieder von Ernst von Gerlach zelebriert
wurde. Sein Thema war an diesem
1. Sonntag nach Ostern, dem weißen
Sonntag, der da auch heißt Quasimodogeniti
- der Neugeborene - die Auferstehung
Christi und der ,ungläubige
Thomas4. Mit unseren schwachen Stimmen
und Hannis Akkordeon-Begleitung
gelangen auch einige Lieder. Ernst bekam
den Dank von uns allen darge- 35