Segelflug im Samland
Wenn
man vom Segelflug in Ostpreußen
spricht, denkt jedermann
an Rossitten auf der Kurischen Nehrung.
Unbestreitbar war Rossitten der Ursprung
des Segelflugs in Ostpreußen. Doch
bereits Ende der 20er Jahre des vorigen
Jahrhunderts weitete sich dieser Sport im
Lande so aus, dass die Segelflieger weitere
Stellen für ihren Sport suchten. Dies
wurde dann in der vormilitärischen Ausbildung
von Piloten in den 30er Jahren
weiter ausgebaut. In diesem Bericht werden
neben Rossitten auch zahlreiche Orte
des Samlands genannt, ohne Anspruch
auf Vollständigkeit.
Der Umfang des Themas zwingt zur
Aufteilung: In diesem ersten Teil werden
die Anfänge in Rossitten mit dem
weltbekannten Segelflieger Ferdinand
Schulz geschildert. Die weitere Entwicklung
in Rossitten folgt in einem 2. Teil
und der Segelflug an anderen Orte des
Samlands ist dann der 3. Teil in den
nächsten Heimatbriefen.
1. Teil:
Es begann vor 80 Jahren in Rossitten
Zur Vorgeschichte
Das Fliegen war wohl schon in früher
Zeit ein Traum der Menschheit. Angefangen
in der griechischen Mythologie
bei Dädalus und Ikarus mit den Federschwingen,
über die Brüder Montgolfier
mit dem ersten Heißluftballon 1783, war
es dann Otto Lilienthal, der ab 1891 die
ersten Gleitflüge über mehrere hundert
Meter ausführte. 1900 begannen die
Zeppelinfahrten und fast gleichzeitig die
ersten Flüge mit Motorflugzeugen.
Beides fand im 1. Weltkrieg verstärkten
Einsatz und erforderte die Ausbildung
von Piloten.
Durch das alliierte Verbot des Motorfluges
in Deutschland nach dem verlorenen
Krieg versuchten nun diese Piloten
eine Alternative zu finden. Sie lag im
motorlosen, dem Segelflug. Bereits 1911
war auf der Wasserkuppe ein geeignetes
Segelfluggelände entdeckt worden. Oskar
Ursinus griff nach dem Ersten Weltkrieg
dies wieder auf und lud 1920 zum 1.
Rhön-Wettbewerb ein. 1921 wurde von
„Rhönvater“ Ursinus der 2. Rhön-Wettbewerb
ausgeschrieben. Hieran nahm
auch der aus dem Ermland/Ostpr. stammende
Ferdinand Schulz mit seinem
Eigenbau FS 2, einem Hängegleiter, teil.
Ferdinand Schulz
Ferdinand Schulz wurde am 18. Dezember
1892 in Pissau, später umbenannt in
Waldenburg (Kr. Rössel) als Sohn des
dortigen Lehrers geboren und ergriff
ebenfalls den Beruf des Lehrers. Im 1.
Weltkrieg wurde er beim Militär Flugzeugführer
und schied 1918 als Fliegerieutnant
aus dem Militärdienst aus. Die
Fliegerei ließ ihn nicht los und er bastelte
nun an Segelflugzeugen. Mit seinem
Eigenbau FS 1 übte er im Herbst 1920
auf den heimatlichen Hügeln von Waldenburg.
Mit der verbesserten Ausführung
dieses Hängegleiters, der FS 2, ging
es nun zur weit entfernten Rhön. Von den
Seglern der 33 Teilnehmer wurden 10
wegen mangelnder Flugsicherheit, darunter
auch die FS 2 von Schulz, nicht
zum Start zugelassen. Doch Schulz wollte
nicht aufgeben und startete außer Konkurrenz.
Seine äußerst beachtlichen Erfolge
dabei veranlassten die Kommission
ihm einen Trostpreis zuzuerkennen.
Ähnlich erging es ihm 1922 beim 3.
Rhön-Wettbewerb mit der FS 3, der berühmten
„Besenstielkiste“. Wieder wurde
er vom Wettbewerb ausgeschlossen
O S T S E E
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und erhielt danach für seine hervorragenden,
außer Konkurrenz durchgeführten
Flüge einen Sonderpreis.
Doch seine Beharrlichkeit und Ausdau-Ferdinand
Schulz mit FS 3 (Samml. Klemm)
er sowie seine fliegerischen Kenntnisse
führten ihn später in Rossitten und auch
anderswo zu Welterfolgen im Segelflug
und verhalfen Rossitten zur Reichssegelflugschule.
Der Ostpreußische Verein für Luftfahrt
e.V. besaß in Königsberg eine Werkstatt
zum Bau von Modellflugzeugen, in der
nun Schulz auch den Bau von Segelflugzeugen
aufnahm. Dort fanden sich auch
alte Fliegerkameraden ein, die wie Schulz
an der Fortsetzung ihrer fliegerischen Tätigkeit
interessiert waren. Erste „Flüge“
wurden bei Korschenruh am Frischen
Haff und auf den Hügeln bei Groß Raum
(?) durchgefiihrt. Da das Gelände aber 7