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wenig geeignet schien, wurde nach Gelände
mit höheren Erhebungen und guter
Thermodynamik gesucht. Ferdinand
Schulz, Carl Berr, Erich Kristan und
Kurt Peyan besuchten deshalb im Sommer
1922 die Kurische Nehrung, um dort
Dünen und Wind für Flugzwecke zu erkunden.
Rossitten wird „entdeckt“
Sie führen mit der Bahn nach Cranz und
von dort mit dem Dampfer nach Rossitten.
Bei ihrer Wanderung im Sand der
Dünen beobachteten sie den Flug der
Vögel und sahen, wie diese an den Hängen
der Dünen stark in die Höhe getrieben
wurden. Sie kamen zu der Überzeugung,
dass dieser Aufwind auch Segelflugzeuge
tragen müsste. Bei ihrer Suche
kamen sie zu dem nördlich von Rossitten
gelegenen „Schwarzen Berg“, dem
die Vogelwiese vorgelagert ist. Das Fliegen
war damals ein Gleiten in der Luft
und so bot die Vogelwiese eine gute
Landefläche. Die Wetterwarte in Königsberg
bestätigte diese Eindrücke, da
besonders im Frühjahr bei Ostwind mit
starken Aufwinden zu rechnen sei.
Carl Berr fuhr kurz nach dieser Erkundigung
im Oktober 1922 mit seinem
Team und einem selbst gebauten Gleiter
nach Rossitten. Sie schleppten das Flugzeug
auf den „Schwarzen Berg“ und am
24. Oktober erscholl bei Rossitten zum
ersten Mal der Ruf: Ausziehen! - Laufen!
- Los! Man muss dazu wissen, dass
beim Start einige Männer den Segler hielten
und andere im schnellen Schritt die
langen Gummiseile ausdehnen, die dann
auf das Kommando „Los“ der Segler in
die Höhe katapultieren, wo er von der
Luft getragen wird. Dies waren Flüge von
Der Ort Rossitten aus der Luft
(Samml. Klemm)
nur wenigen Sekunden, die nach gewissen
Anfangsschwierigkeiten erfolgreich
verliefen. Sie wurden an den folgenden
Wochenenden fortgesetzt und zum
„Predin“ verlegt. Mit seiner Höhe und
den zum Haff steil abfallenden
Hängen war er ein
geeignetes Gelände für
den Start von Segelflugzeugen.
Langsam kamen
dann auch Zuschauer
nach Rossitten, die von
diesem Treiben gehört
hatten. Um den aufwendigen
Transport des
Fluggeräts zu sparen,
wurde dies in einer alten
Militärbaracke an der Vogelwiese
untergestellt.
Die Kunde von den guten
Flugmöglichkeiten in
Rossitten verbreitete sich rasch.
Neben seiner Berühmtheit durch die
Vogelwarte wurde somit vor nun 80 Jahren
Rossitten auch durch den Segelflug
bekannt.
Die nächsten Schritte des Segelflugs in
Rossitten
Die guten Flugerfahrungen im ersten Jahr
veranlassten den „Ostpreußischen Verein
für Luftfahrt“ einen Küstensegelflug-Wettbewerb
vom 18.-23. Mai 1923 auszuschreiben.
Damit sollte dem Segelflug
in der vom Reich abgetrennten Provinz
Ostpreußen weitere Aufmerksamkeit verschafft
werden. Dieses Vorhaben wurde
von Dr. Carl Goerdeler, dem Bürgermeister
von Königsberg/Pr., unterstützt.
Zu diesem Wettbewerb wurden etwa
12 Segler gemeldet. Für die Teilnehmer
aus dem Reich war die weite Anfahrt und
der Transfer der Flugzeuge durch den
polnischen Korridor ein Handicap. Die
Unterbringung erfolgte in den genannten
Baracken und in zusätzlichen Zelten
auf der Vogelwiese. Die Starts erfolgten
auf dem Predin. Das Wetter war
aber in diesen Tagen zum Fliegen nicht
besonders günstig.
Ferdinand Schulz startete mit seiner
etwas verbesserten FS 3 am 23. Mai
im Morgengrauen bei gutem Wind.
Leider setzte aber bald eine Flaute ein,
die ihn zur Landung zwang. Immerhin
hatte er 5,2 km im Flug zurückgelegt.
Es blieb der längste Flug dieses Wettbewerbs.
Die Preisverteilung erfolgte
im Gasthaus „Zur Mole“ durch Prinz
Heinrich von Preußen.
Für den 10. - 16. Mai 1924 wurde
nun der 2. Küstensegelflug-Wettbewerb
geplant. Um die zahlreich gemeldeten
Teilnehmer unterzubringen, wurden
drei weitere Baracken eines Lagers
im Kreis Heilsberg erworben und mit
dem Dampfer „Phönix“ nach schwieriger
Fahrt über Pregel, Deime und
Haff nach Rossitten gebracht und von
Pionieren auf der Vogelwiese aufge-Segelflugzeug
beim Start (Samml. Klemm) 9