Werbeplakat des Ersten Deutschen Küsten Segelflugs
(als Ak, Samrnl. Klemm)
baut. Lagerkommandant wurde Geheimrat
Eichler aus Königsberg. Es würde hier
zu weit fuhren, über all die vielen Einzelheiten,
die für diesen Lagerbetrieb erforderlich
waren, zu berichten. Erstaunlich
ist nur, dass die Gastronomie
von Rossitten dabei kaum in Erscheinung
trat.
Neben Ferdinand Schulz waren
auch bekannte Teilnehmer von den
Rhön-Wettbewerben nach Rossitten
gekommen. Am 11. Mai startet
Schulz am frühen Morgen in seiner
„Besenstielkiste“ zu seinem
Weltrekordflug von 8 Stunden, 42
Minuten und 9 Sekunden. Er überbot
damit den seit 18 Monaten gehaltenen
Weltrekord des Franzosen
Barbot um 6 Minuten. Nach der Landung
wird ihm von Oberpräsident Dr. h.c.
Ernst Siehr und Gattin, die extra von
Königsberg angereist sind, gratuliert.
Durch diesen Rekord wurde der Segelflug
in Deutschland populär und Veröffentlichungen
über die meteorologischen
Verhältnisse an den Dünen verhalfen
Rossitten im Kreis der Segelflieger
zu besonderer Bedeutung.
Die Folge war, dass im Herbst 1924
die „Rhön-Rossitten-Gesellschaft e.V.“
für die Entwicklung des Segelflugs in
Frankfurt/M. gegründet wurde mit einer
Sondergeschäftsstelle in Rossitten. Diese
Gesellschaft erwarb zunächst die Segelflugschule
auf der Wasserkuppe und
gründete 1925 die Segelflugschule in
Rossitten, die aber erst 1927 offiziellen
Charakter erhielt. Der erste Leiter dieser
Schule war Rittmeister a.D. Paulfranz
Roehre, selbst ein hervorragender Segelflieger.
Er hat den „Rossittengeist“ geprägt,
in dem die Liebe zur Fliegerei und
die Kameradschaftlichkeit verbunden
waren. Damit war der Grundstein für die
spätere Reichs-Segelflug-Schule Rossitten
gelegt.
Dieser Bericht wird mit Teil 2 fortgesetzt.
Ab 16. MdI t. ch Ddmpfrrverkebr
zwilchen Cra.iibcck und Roflitien
und zurück.
Ab Köntgibsrg Cranzer Bahn 8™
Ankunft in Rolfiltcn . ■ ''
ab Roffitten - • 3**
Ankunft in König«bcry 9E
Fahrpreife:
Für 2T*ge gültige A usflugikarlen
II. KUff* Bahn Hl. KU#c Bahn
u. t Kajüte Schilf u tt. Kajüte Schi»
Für einfache Karlen:
II. Klaffe Bahn III. Klaffe Bahn
o. I. Kajüte Schiff u II. Kajüte Schi«
C.anlWek-KolCtten M.MWO M. **««
Kittkfdhrkdricn über 2 Tage Gülligkci
hinaus werden nicht ausgegeben.
Unlcrhun« m »dH« nr a«f Soadcr-Amwch
ESSE
Erder
Deutlcher
Küden-Segelflug
1923
18. bis aS.Mui 1925
Roffitten (Ktirilche Nehrung)
Ausweis Nr. 251
Oftpr. Verein für Luftfahrt
Teilnehmer-Ausweis vom Ersten Deutschen Küsten Segelflug
(Samml. Klemm)
10
Quellen:
A. u. J. Sommerfeld: Er flog die Besenstielkiste,
verschiedene Berichte von ehemaligen Segelfliegern
u. aus Zeitungen,
Gerhard Werner: Der tote Adler und sein Horst
Hans-Georg Klemm
Sudetenstr. 11
91080 Uttenreuth
Tel.: 09131-58489
Persönlichkeiten des Samlandes
Krausenhof (Kreis Königsberg)
Bruno Kerwin -
Bruno
Kerwin wurde am 9. Februar
1892 in Klein Heinrichsdorf als
Sohn eines Lehrers geboren und wurde
selbst Lehrer. 1914 trat er als Kriegsfreiwilliger
beim Grenadier-Regiment Nr. 9
ein und hat als Leutnant der Reserve den
Krieg bis zum Ende mitgemacht. An Auszeichnungen
erhielt er das Eiserne Kreuz
I. und II. Klasse und das Ehrenkreuz der
Frontkämpfer.
1935 heiratete er die Tochter des Landwirtes
Brandes aus Krausenhof bei
Königsberg, übernahm mit ihr das Gut
(320 ha) Krausenhof und bewirtschaftete
es bis zur Vertreibung vorbildlich. Der
Betrieb gehörte der Ostpreußischen
Herdbuchgesellschaft an und erreichte
gebührende Einnahmen - aufgrund der
Nähe der Stadt Königsberg - aus dem
Direktverkauf von gärtnerischen Produkten.
Eine weitere wichtige Einnahmequelle
stellte der Kiesverkauf dar, der in
den letzten Jahren Reineinnahmen von
30.000 RM jährlich brachte.
Am 2. Weltkrieg nahm Bruno Kerwin
in Polen, Frankreich und der Sowjetunion
teil. Hierfür wurden ihm weitere
Auszeichnungen verliehen. Als der Endkampf
in Ostpreußen mit der Einschließung
Königsbergs begann, war
Bruno Kerwin als Oberstleutnant Abschnittskommandeur
des Stützpunktes
Trommelplatzkaserne.
Die bitterste Stunde seines Lebens begann,
als er als Parlamentär die Übergabeverhandlungen
seiner Heimatstadt
mit der Roten Armee führen musste. Er
tat dies im Auftrag von General Lasch,
der Kommandant in Königsberg war, um
die Zivilbevölkerung zu schonen. Hier
zeigte er seine menschliche Größe, indem
er den sinnlos gewordenen Kampf
beenden half und damit Tausenden von
Menschen das Leben rettete. Von den
noch in Berlin agierenden Machthabern
des 3. Reiches wurde diese zutiefst humanitäre
Handlung als „Verrat“ bezeichnet.
Bruno Kerwin geriet in sowjetische
Gefangenschaft, aus der er im Oktober
1948 zu seiner Familie zurückkehren
konnte.
Bruno Kerwin resignierte nicht, sondern
setzte seine ganze Arbeitskraft in uneigennütziger
Weise für ehrenamtliche