Full text : Unser Schönes Samland

Liebe Cranzer

und liebe Landsleute aus den Nachbargemeinden!

Ein herzliches Dankeschön
 all denen,
die meine Frau und
mich mit Weihnachts-
 und Neujahrsglückwünschen

bedacht haben und
denen wir aus Zeitgründen
 nicht antworten konnten. Dank
der umfangreichen Vorbereitungen des
Vorstandes und der unermüdlichen Arbeit
 unserer Geschäftsführerin, Frau
Albers, war der Flöhepunkt des Jahres
2001 in unserer landsmannschaftlichen
Arbeit die gelungene Feier zum 50. Jubiläum
 der seit 1951 bestehenden Patenschaft
 zwischen dem Kreis Pinneberg
und der Kreisgemeinschaft Fischhausen
e.V. im September in Pinneberg.
Im Jahre 2002 blicken wir auf das
Deutschlandtreffen aller Ostpreußen in
Leipzig in der Zeit vom 22. - 23. Juni
2002 und auf unser Kreistreffen am 14./
15. September 2002 in Pinneberg. Beachten
 Sie bitte die vorgenannten Daten
bei Ihren diesjährigen Urlaubsplanungen
 und zeigen
Sie durch Ihre Anwesenheit
 Ihre Verbundenheit zur
Heimat. In Leipzig hoffe
ich auf vermehrten Besuch
von Landsleuten aus der
ehemaligen DDR. Ich werde
 mit der Kartei von
Cranz sowie mit meiner
Bildersammlung (zurzeit
ca. 1500 Aufnahmen aus
der Zeit bis 1945) und mit
Schriftgut (Ablichtungen)
über Cranz und das Samland
 anwesend sein, um

ggf. Auskünfte geben zu können oder
mittels der Aufnahmen und des Schriftgutes
 die Erinnerung an unser
„Cranzche“ wachzuhalten.
Die Restaurierung des Samland-Museums
 in Pinneberg hat sich der Kreis
Pinneberg ca. 900.000,- DM kosten lassen.
 Nach Abschluss der Bauarbeiten
wird das Museum von Fach- und Hilfskräften
 neu eingerichtet. Wer mit interessanten
 Exponaten den Bestand des Museums
 bereichern könnte, sollte sich mit
seinen Angeboten an die Geschäftsstelle
der Kreisgemeinschaft Fischhausen wenden.
 Da die Neueinrichtung des Museums
 auch Kosten verursacht, ist unsere
Spendenfreudigkeit weiterhin gefragt.
Im Heimatbrief IV/1998 S. 24/25 berichtete
 ich über die damalige russische
Dolmetscherin „Lenchen“, die jahrelang
für Horst Dietrich (1. Vorsitzender unseres
 Vereins „Freunde von Cranz/Selenogradsk
 und Umgebung“) dolmetschte.
 Sie hatte uns damals die Hochzeit mit
einem deutschen Zahnarzt und die Geburt
 ihres Töchterchens Sophie mitgeteilt.

 Wir hatten ihr
seinerzeit herzlich
zur Geburt gratuliert
und der jungen Familie
 viel Glück für die
Zukunft und für den
Bestand ihrer Ehe
gewünscht. Diese
Wünsche haben sich
erfüllt, denn mit ihren
 diesjährigen
Weihnachts- und
Neujahrsglückwünschen
 kam die Nachricht
 von der Geburt
Die Töchter Sophie und Maree Olga
unserer Dolmetscherin Lenchen

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ihres zweiten Töchterchens mit dem Namen
 Marce Olga. Dieses Beispiel zeigt,
dass ein friedliches Miteinander zwischen
ehemals feindlichen Völkern im kleinen
Rahmen schon lange möglich ist. Wir erhoffen
 uns dieses friedliche Miteinander
auch in der großen Politik. Der kleinen
Familie wünschen wir weiterhin viel
Glück.
In meinen Unterlagen fand ich jetzt
ein Schreiben von Frau Gertraut Liedtke
mit einer kurzen Abhandlung über die
„Mittlere Schule“ in Cranz. Frau Liedtke
 war die Tochter unseres Volksschullehrers
 Balzau und ist bereits 1999 verstorben.

Sie hatte mir auf meinen Wunsch einen
 kurzen Beitrag zum Thema „Mittlere
 Schule“ übersandt, weil sie die Entwicklung
 dieses besonderen und äußerst
seltenen Schultyps noch aus eigenem
Erleben kannte. Cranz nahm durch das
Vorhandensein einer „Mittleren Schule“
eine Sonderstellung gegenüber anderen
Schulen ein. Im Heimatblatt III/2001, S.
28, hat Klaus A. Lunau in seinem „Report
aus Cranz/Selenogradsk“ bereits Grundsätzliches
 zu diesem Schultyp geschrieben.
 Als Ergänzung möchte ich Ihnen den
Text des Schreibens von Frau Liedtke zur
Kenntnis geben:

Über die „Mittlere Schule“ in Cranz

Neben der Volksschule (Ziegelbau) in der
Kirchenstraße, Nähe Wasserturm, und der
ganz alten Schule in der Schubertstraße
(später Kindergarten - Frl. Triller) gab
es 1919 noch eine Schule in der Ferdinandstraße
 bei Kiehr, später Heißmangel,
 die sich zur „Mittleren Schule “ entwickelte.

In einem Haus im Garten standen der

Schule 5 - 6 Räume zur Verfügung. In
der geräumigen Veranda hielten sich bei
schlechtem Wetter in den Pausen die
Schüler auf. Unter dem Schutz des damaligen
 Rektors der Volkschule, Haidenhein,
 stand die Schule in der Ferdinandstraße.
 Fräulein Charlotte Ewald war die
Leiterin der Schule. Daneben waren die
Lehrkräfte: Frl. Waltraut Diekmann und
Frl. Anna Wenig. 1920 kam Frl. Margarete
 Krüger als blutjunge Lehrerin dazu.
Den Handarbeitsunterricht erteilte Frl.
Hedwig Schütz - Frl Lotte Schütz gab
Musikunterricht und brachte Ivan Rebroff
die ersten Geigentöne bei.
Nach der Pensionierung von Rektor
Haidenhein übernahm Rektor Walter Winkel
 die Leitung der Schule. Gehalten wurde
 die Schule von der Gemeinde Cranz;
desgleichen wurden die Lehrkräfte von ihr
besoldet. Frl. Ewald machte die Konrektorenprüfung
 und blieb weiterhin die
Leiterin der Schule in der Ferdinandstraße,
 die sich immer größeren Zuspruchs
 erfreute. Meine Schwester Elfriede
 und ich besuchten diese Schule. Von
der Quarta an besuchte meine Schwester
das „Heroldsche Lyzeum “ und wechselte
 dann auf die „Luisen-Schule“ über,
wo sie am 25.2.925 das Abitur machte,
als erste Schülerin der Cranzer Schule in
der Ferdinandstraße. 1921/22 waren die
Räume in der Ferdinandstraße zu klein
geworden bei der wachsenden Schülerzahl,
 und man zog ins „Ostseehotel“ in
einen Seitenflügel. Frl. Ewald blieb weiterhin
 Leiterin der Schule unter der
Schutzherrschaft von Rektor Winkel. Er
setzte sich sehr für die Belange der Schule
ein. Er baute die Schule auf. Es wurde
keine „ Mittelschule “, sondern eine Mittlere
 Schule, von denen es nur 2 oder 3 in
ganz Preußen gab.