„Wenn Linden blüh’n, erinnert uns ihr
süßer Duft mit Schmerz an unser Dörflein
- an zu Haus’- und Heimweh schleicht in’s
Herz“
Die Teilnehmerzahl sinkt natürlich
im Laufe der Jahre, allein aus Altersgründen.
Auch diesmal hatten wieder
einige wegen Krankheit abgesagt. Aber
etwa 73 waren doch gekommen.
Siegfried Zigann begrüßte die Anwesenden,
von denen eine kleine
Schar schon am Freitag angereist war.
Wir gedachten schweigend derer, die
von uns gegangen sind und sangen
dann unser Ostpreußenlied, das mit
seinem Text und der Melodie wohl jedem
immer wieder ans Herz geht.
Hanni Wittke kündigte, teilweise in
unserem vertrauten Platt, das an, was
sie als Beiträge vorgesehen hatte. Sie
hatte eine gute Auswahl getroffen mit
Erzählungen und plattdeutschen Gedichten.
Sie und Gerda Fleming sorgten
mit ihrer Akkordeon-Musik wieder
für die rechte Stimmung. Vertraute
Lieder wurden gesungen, dabei erstmals
die „Ostsee-Melodie“, von dem
Liede „Heimat-Melodie“ abgeändert
mit einem Text über unser schönes
Samland. Das Schabbern und die
Freude über das Wiedersehen kamen
natürlich auch nicht zu kurz.
Viel Anklang fand der Beitrag mit
dem „Brommtöpperlied“. Sicher ist
vielen diese Sitte noch bekannt aus ihrer
Kindheit. In Palmnicken und wohl
auch in den umliegenden Dörfern -
gingen die Lorbasse verkleidet mit
dem Brummtopf von Haus zu Haus,
sangen ihr Lied und wurden freudig
begrüßt und beschenkt. Hanni erzählte,
daß sie und ein paar Marjellchens
sich einmal in diese Jungendomäne
gewagt hatten. Anfangs erkannte man
sie nicht, aber zum Schluß wurden sie
doch „entlarvt“.
Das größte Problem bei diesem
Beitrag war natürlich der Brommtopp.
Aber den hatten Siegfried Zigann und
seine Frau bestens gemacht. Schon am
Abend vor dem Treffen wurde mit viel
Spaß und Lachen geübt. Wie schwer es
ist, die richtigen Töne zu kriegen, haben
wir da erst gemerkt. Der Brommtopp
- ein großer Blecheimer - ist an einem
Ende mit einem „Pferdeschwanz“
versehen. Wahrscheinlich müssen die
Pferdehaare die richtige Beschaffenheit
und Länge haben, vor allem aber
die richtige Feuchtigkeit, die immer
wieder erneuert werden muß, um die
schönen Töne abzugeben. Siegfrieds
Frau hatte erst das Halten des Brommtopps
übernommen. Wir stellten aber
fest, daß es dafür ziemlicher Kraft bedurfte.
So übernahm diese Aufgabe
dann doch ein kräftiger Mann.
„Wi koame rinjetrede, loof anne Linge...“
und die folgenden Verse wurden von
einigen Frauen gesungen
„Loof anne Linge, de Danneposchkes
springe, de Brommtoppmänner singe...“
sangen dann alle mit sichtlicher Begeisterung
mit.
Ob außer mir noch jemand mit
„Danneposchkes“ die Erinnerung an
die wunderbaren geräucherten Strömlinge
verband?
Die Krönung der neuen Bernsteinkönigin
wurde mit Spannung erwartet.
Es ist diesmal eine Kölnerin, Trudi
Haase, die Frau von Rudi Haase aus
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Sorgenau, die sich durch ihren Mann
auch als Bernsteinanhängerin fühlt. Sie
trug die Krone mit solch einem strahlenden
Gesicht, daß sich alle mitfreuten.
Ihr Kölner Temperament erlebten
wir, als sie sich vom Podium aus vorstellte
und mit kräftiger Stimme rheinische
Lieder sang, die wir alle begeistert
mitsangen und dazu schunkelten. Anton
Suhr unterstützte sie mit seiner voluminösen
Stimme.
Der Abend klang recht geruhsam
aus. Am Sonntagvormittag erlebten die
noch anwesenden einen Gottesdienst,
den Ernst von Gerlach hielt. Mit zum
Teil in Platt vorgelesenen Bibeltexten
hat er über den Palmsonntag gesprochen.
Er verglich die Zeit, als Jesus in
Jerusalem einzog, mit der Gegenwart.
Der Gedanke, daß sich an dem Streben
nach Macht in all den Jahren
kaum etwas geändert hat, war sehr treffend.
Der Trubel damals hatte ja nicht
Jesus gegolten, der auf einem Esel in
Jerusalem einzog, sondern dem König.
Ist es heute anders? Gleichgültig um
welche Religion (oder Politik) es sich
handelt, es sind immer die Mächtigen,
die das Sagen haben (wollen)! Und
dabei sollte es doch eigentlich darum
gehen, den Menschen Mut zu machen
und ihnen den Weg für ein friedliches
Miteinander zu zeigen.
Natürlich wurde auch wieder unseres
allseits geschätzten Pfarrers Jänicke
und seiner Frau gedacht, die so waren
- vor allem auch in der Zeit
1945-1947 - wie eine Gemeinde ihre
Seelsorger braucht.
In der Hoffnung auf ein Wiedersehen
im kommenden Jahr gingen wir
auseinander, mit der Gewißheit, unserer
einmalig schönen Heimat bis an
unser Ende die Treue zu halten. Möge
es uns gelingen, unseren Kindern und
Enkeln unsere geliebte Heimat in
mündlichen und schriftlichen Schilderungen
nahezubringen.
Elsbeth Dardat
Breitlacherstr. 7
60489 Frankfurt/M.
Telefon: 0 69-7 82 43
Redaktionsschluß für Folge 151
ist der 10. Juli 2001