Trockenvorgang konnte beginnen. Danach
kamen die Steine in den Brennofen
und die Vorbereitungen für den
Brennvorgang konnten eingeleitet
werden. Die Ziegelei in Kalthof hatte
einen sogenannten Ringofen. Den Arbeitsvorgang
und die Bedienung dieses
Systems möchte ich Ihnen hier aus
Platzgründen nicht weiter erläutern.
Der Schornstein hatte eine Höhe von
35 - 40 Metern. Die Backsteine wurden
zum Preis von ca. 33,— RM pro
Tausend ab Werk angeboten. Bei
Ausbruch des Krieges 1939 wurden
fast alle betriebsangehörigen Männer
Soldat. Dadurch waren die meisten
Ziegeleien im Samland gezwungen ihren
Betrieb einzustellen. Auf dem Betriebsgelände
befand sich auch ein
Doppelwohnhaus. In der einen Hälfte
wohnte die Familie des letzten Zieglermeisters
Max Muskulus. Er ist im
Jahre 1943 gefallen. Die andere Hälfte
bewohnte die Familie Adolf Bahr.
Adolf Bahr oblag die Bedienung und
Wartung der Maschinen, bis auch er
1939 Soldat wurde.
Nach der Schließung und Beendigung
der Produktion bot sich uns
Kindern ein reichhaltiges Betätigungsfeld
an. Natürlich galt es dabei auch
Mutproben zu bestehen. Manchmal
war nämlich das Erklettern des Schornsteins
angesagt. Zu meiner Schande
muß ich allerdings gestehen, daß ich
nicht weit über die Hälfte hinausgekommen
bin —dann flatterten die
Buxen!
Im stockdunklen Brennofen und
den angrenzenden Werksgebäuden haben
wir oft Verstecken gespielt. Mit
Ziehharmonikabegleitung ist so manches
Lied erklungen. Dabei wurden
auch Blitzlichtaufnahmen - noch mit
Blitzbeutel - gemacht. Leider existieren
diese Fotos nicht mehr. Oftmals
sind wir dann auch zum Kalthöfer
Berg gepilgert und haben von dort, wo
ein Aussichtspunkt mit einer kleinen
Sitzecke am Waldesrand hergerichtet
war, den Kirchturm von Pobethen
oder den Galtgarben deutlich sehen
und die herrliche Hügellandschaft sowie
die blühenden Felder bewundern
können. Es tat wohl, in den schweigenden,
mit kleinen weißen Wolkenfetzen
übersäten blauen Himmel zu blicken
und die Seele baumeln zu lassen. Ich
denke, diese damals unbewußt aufgenommenen
Eindrücke haben uns ein
Gefühl der Geborgenheit vermittelt.
Sie haben uns sicherlich für später geprägt
und in uns sichtbare Spuren der
Verantwortung, Wärme und Liebe zur
Heimat hinterlassen.
Paul Fechter schreibt in seinen
Betrachtungen DEUTSCHER OSTEN
- Bilder aus West- und Ostpreußen -
wie folgt:
Ein Land wie den deutschen Osten mit der
hinreißenden Kraft seines Bodens und der
nie zu vergessenden Weite und Schönheit
seiner Welt des Draußen wie seiner noch
gewachsenen Städte und Siedlungen kann
man nicht beschreiben; man kann sich
höchstens immer wieder zu ihm bekennen,
immer wieder seine Herrlichkeit beschwören,
Herrlichkeit eines Landes, das
unser ist und unser bleiben wird und das
wartet, wartendes Land ist, dem die un-52
sterblichen Verse einer Frau am schönsten
gesungen und ausgesagt haben, was es für
uns bedeutet hat und immer bedeuten
wird; sie stehen bei Agnes Miegel in dem
trauervoll herrlichen Schluß ihres Gedichtes
„Es war ein Land“, das eigentlich freilich
heißen müßte: „Es ist ein Land...
Vater, Du weißt, wie einsam wir sind!
Nie zu klagen war unsre Art,
Du gabst und Du nahmst - doch Dein
Joch drückt hart!
Vergib, wenn das Herz, das sich Dir ergibt,
Nicht vergißt, was zu sehr es geliebt,
Was Gleichnis uns war -und noch bleibt
im Leid -
Von Deines Reiches Herrlichkeit!
Ich hoffe, meine lieben Regehner,
daß es mir auf meinem Weg durch
Kalthof, auf dem Sie mich auch diesmal
wieder ein Stück begleitet haben,
gelungen ist, die verwehten Spuren der
Vergangenheit ein wenig aufzuhellen
und sichtbar zu machen.
Eine schöne und erholsame Sommer-
und Urlaubszeit sowie recht gute
Gesundheit und viel Glück bei der
Spurensuche - auch wenn es nur in Gedanken
ist - wünsche ich Ihnen allen
und machen Sie’s gut.
Ich grüße Sie, wie immer, in alter
heimatlicher Verbundenheit, sehr
herzlich
Ihr Willy Fischer,
Strumannstraße 4, 48231 Warendorf,
Telefon: 0 25 81 -60341
Palmnicken - 22. Bernsteinanhänger-Treffen
am 7./8.April 2001
Es waren wieder zwei frohe, heimatliche
Tage. Die Palmnicker, die
nicht dabei waren, wundern sich wohl,
daß eine „Fremde“ diesmal von dem
Treffen schreibt. Ich bin in Königsberg
geboren, meine Mutter aber stammt
aus Palmnicken, und für mich war es,
dank der vielen Verwandten dort,
mein Kindheits-und Jugend-Paradies.
Allerdings auch die schwerste Zeit
meines Lebens von 1945-1947. Ich
wurde gebeten (überstimmt!), den
Bericht zu machen.
Für mich war es ein großes Familientreffen.
Ein Lob gebührt allen, die
mit viel Engagement alles vorbereiteten.
Ich will nur einige nennen und tue
es mit ihren Geburtsnamen. Hanni
Wittke und Hannelore Krause haben
sich wieder sehr viel Mühe gemacht,
den Tag schön zu gestalten. Man spürte
als Neuling, wie gut alle eingespielt
waren, sei es schon am Eingang bei der
Ausgabe der Plaketten (auf ihnen ist
diesmal die Palmnicker Kirche) oder
bei anderen Dingen. Da war Eva Pultke,
Lisa Rockel und Gerda Claaßen-Flemig.
Sie hatte wieder die hübschen
Tischdekorationen gemacht, diesmal
mit den uns so vertrauten Lindenbäumen.
Den Vers auf der Rückseite
konnte wohl jeder nachempfinden: