Sprichwörter aus Ostpreußen,
ein schönes Erbe aus unserer alten Heimat!
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Als ich vor einem Jahr im Heimatbrief
(Folge 146) den Erhalt, Sammlung
und „Rettung“ von Sprichwörtern
unserer ostpreußischen Heimat anregte,
ahnte ich nicht was dafür schon
alles getan, geschrieben und gesammelt
wurde. Und dennoch beleben solche
Impulse von Zeit zu Zeit unseren
Alltag und wecken angenehme Erinnerungen
längst verflossener Zeiten.
Die Resonanz auf meine Anregung
war nicht überwältigend, aber die
Zuschriften die ich erhielt kamen
spontan und vor allem mit viel Herz
und Liebe, diesen Wortschatz zu erfassen
und der Nachwelt in Erinnerung
zu erhalten. Wir, damit meine ich die
gegenwärtig noch aktive Generation,
waren zum Zeitpunkt der Vertreibung
noch Kinder oder im besten Jugendalter
und haben den Alltag bewußt
miterlebt. Und in diesem Alltag wurden
in der Umgangssprache diese
Sprichwörter, die eine gebündelte Lebenserfahrung
ausstrahlen, mehr einbezogen
als es heute getan wird. Mein
Eindruck ist, daß damals mit diesen
Sprichwörtern guter Rat oder auch
eine Meinung mit einem Schuß Humor
kurz und bündig gegeben und damit
manches „Geschwafel“ beendet
wurde.
Von Frau Christel Diekert (Fischhausen,
jetzt Mönchengladbach) kam
der Hinweis, daß 1943 im Verlag Gräfe
und Unzer, Königsberg (Pr.) ein
Büchlein mit dem Titel „Helpt et nich,
so schadt et nich“ - Ostpreußische
Sprichwörter - mit 250 Sprichwörtern
in Wort und Bild erschien. Hier zwei
Kostproben:
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Frau Gisela Schröder (Wischehnen,
jetzt Hannover) verwies auf einen Heimatbrief
aus der Zeit von 1981/Anfang
1982, Seite 13. Darin hat unser
Landsmann Kurt Schaak (Rothenen,
jetzt Ennepetal)'14 Sprichwörter zum
Besten gegeben. Als er 1940 Soldat
wurde hat seine Mutter zu ihm gesagt:
„Jung, to Huus es to Huus, on wenn
noch so schlecht Äte gefft!“.
Frau Eva Sradnick (Sorgenau, jetzt
Schorndorf) übermittelte mir 53
Sprichwörter und hat seit vielen Jahren
selbst eine kleine Sammlung angelegt.
Aus dieser Erfahrung und der
auch von mir empfundenen schwa-58
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chen Resonanz von Zuschriften gilt
der Spruch: „ E kleenet Wenig ös bäter
als e grotet Garnischt!“
Mit 85 Jahren schrieb mir Frau
Sophie Thiel (Landkreis Königsberg,
jetzt Munderkingen) 30 Sprichwörter.
In ihrem Kopf hätte sie noch viel
„gespeichert“, auch Lieder und Geschichten.
Ihre Kinder sagen heute
noch zu ihr: „Du mit Deinen Sprüchlein!“
Ein solches von ihr: „Wat wörd ut
di mol warn, nischt es et nu all!“
Frau Helene Braun (Kragau, jetzt
Rheinau-Honau) schickte auch 30
lockere Sprüche, die sie von ihrer Mutter
übernommen hat. Diese lebt heute
mit 101 Jahren im Altersheim Kehl
(s. Folge 146). „Sich regen bringt
Segen“ war sicher auch ein Lebensmotiv
für die Kragauer Oma Lockwaldt.
Zugegeben, daß nicht alle zugesandten
Sprichwörter aus Ostpreußen
stammen, aber sie gehörten auch zum
Wortschatz des Alltags.
Zum Ostpreußentreffen 2000 in
Leipzig konnte ich vom Verlag Gerhard
Rautenberg ein Buch (ISBN
3-7921-0419-9) aus der Reihe Ostpreußisches
Mosaik mit dem Titel
„Lorbas, nimm noch e Schubberchen“
erwerben. Es war für mich wie ein
großer Gewinn im Lotto.
Im Inhalt finden wir darin ostpreußische
Sprichwörter - sage und schreibe
ca. 300! - sowie Redensarten, Schwänke,
Rätsel und Scherzfragen und alles
auch im schönsten Plattdeutsch, zusammengestellt
von R. Meitsch mit
Scherenschnitten von Hannelore Uhse.
Wer das Schmunzeln verlernt hat,
beim Lesen dieses Büchleins kommt
es wieder. Für Interessenten ist dieses
Buch zu empfehlen.
Für alle Zuschriften möchte ich mich
herzlich bedanken und würde mich
freuen, wenn ich mit meiner Umfrage
und „Bestandsaufnahme“ zu ostpreußischen
Sprichwörtern bei Ihnen ein
Stück humorvolles aber auch nachdenkliches
Ostpreußen in Erinnerung
bringen konnte. Soweit Interesse besteht,
kann ich im nachfolgenden Heimatbrief
noch ein paar Sprüchlein vermitteln,
eine Zusammenfassung aller
mir zugestellten Sprichwörter über-