Full text : Unser Schönes Samland

vom 14. - 16. September nach Pinneberg
 einladen. Das Treffen in diesem
Jahr ist eine Veranstaltung anläßlich
der 50jährigen Patenschaft und bietet
und umfangreiches Programm. Bitte
diesen Termin vormerken!

Fritz Billjött läßt herzlich für die
zahlreichen Geburtstagsgratulationen
danken, die ihm wieder die alte Verbundenheit
 seiner Rauschener zeigten.

Familie Billjött ist allen Personen dieser
 Heimatgemeinschaft, die sie aufgebaut
 haben, sehr verbunden und unterstützt
 mich in jeder Beziehung. Mit
den besten Wünschen für eine schöne
Sommerszeit verbleiben wir mit heimatlichen
 Grüßen

Euer Hans-Georg Klemm,
Sudetenstr. 11,91080 Uttenreuth,
Tel.: 0 91 31-58 4 89
und Eure Billjötts aus Frankfurt

Liebe Regehner Heimatfreunde

Liebe Regehner Heimatfreunde
einschl. der Ortsteile Watzum,
Kalthof und Tolklauken,
von Zeitzeugen wird berichtet, daß
am 14. April 1945 gegen Mitternacht
die ersten russischen Truppen in unsere
 Heimatgemeinde einmarschiert
sind und somit die Kampfhandlungen
mit ihren unsäglichen Grausamkeiten
und die jahrelange Leidenszeit nach
dem Abzug der Kampftruppen durch
die Übernahme der Herrschaft der
Dauerbesatzung begonnen hat. Die
Betroffenen selbst, vor allem die Frauen
 und Mädchen, schweigen bis heute
über das Martyrium und die Erniedrigungen,
 die sie haben über sich ergehen
 lassen müssen. Ferner ist bekannt,
daß viele Gebäude bei den Kampfhandlungen,
 vor allem durch Artilleriebeschuß,
 zerstört worden sind.
Aus den Aufzeichnungen in unserer
Dorfgeschichte von Emil Plötz geht

-

hervor, daß im Ortsteil Kalthof u.a. die
Gutsgebäude und die Ziegelei davon
stark betroffen waren. Später, Anfang
der 50er Jahre, hat man auch den Rest
der noch vorhandenen anderen Gebäude
 beseitigt. Als wir mit einer Reisegruppe
 im Juli 1995 unsere Heimatgemeinde
 aufgesucht haben, hatten wir
große Schwierigkeiten uns dort überhaupt
 zurechtzufinden. Kalthof gibt es
nämlich nicht mehr.
Die Erinnenfng an diesen Ortsteil
mit seinem pulsierenden Leben ist uns
aber trotzdem immer noch gegenwärtig.
 Daher möchte ich Sie bitten, heute
mit mir zusammen nun diesen liebenswerten
 kleinen Ort zu erkunden.
Der kleine Gutshof hatte eine
Größe von 116,25 ha und gehörte seit
kurz vor dem Kriege den Eheleuten
Erich und Klara Kinder. Dazu kamen
während des Krieges noch 10 ha
Ziegeleigelände als Pachtland hinzu.

50 ■

In nur wenigen Jahren hat das Ehepaar
Kinder den etwas vernachläßigten Betrieb
 zu einem anerkannten landwirtschaftlichen
 Muster- und Lehrbetrieb
gemacht. Fünf Familien und eine kleine
 Anzahl von Lehrlingen fanden dort
Beschäftigung. Das Gutshaus selbst lag
in einer wunderschönen Parkanlage
eingebettet. Helga und Lore, die beiden
 Töchter, sind heute in Australien
verheiratet.
Auf der Höhe des Kalthöfer Bergs,
abseits des „Kleinen Gebirges“, hatten
August und Adeline Naß im Jahre
1924 ihr 12,5 ha großes Anwesen über
die Reichsheimstätte erworben und
den Gebäudebestand selbst errichtet,
bzw. modernisiert. Die vier Söhne waren
 während des Krieges alle Soldat.
Willy war Pilot und Fluglehrer. Der
jüngste Sohn Heini ist im August 1944
gefallen. Fritz, der älteste, lebt in den
USA, Adolf in Jeinsen. Die beiden
Letztgenannten hatten einige Jahre vor
Ausbruch des Krieges ein Fuhrunternehmen
 gegründet.

Es gab auch eine Bedarfshaltestelle
der Samlandbahn, die hauptsächlich
dem Güterverkehr diente; bedingt
durch die Produkte der nahegelegenen
Ziegelei und des Gutsbetriebes. Das
Bahnhofsgebäude bestand aus einer
offenen Wartehalle, die mit einem
kleinen verschließbaren Raum versehen
 war.
Die Ziegelei wurde um das Jahr
1900 von dem damaligen Gutsbesitzer
erbaut, wohl deshalb, weil die Grundlagen
 für Rentabilität gegeben waren.
Guter Lehm war vorhanden und durch

die in Betrieb genommene Samlandbahn
 war der Transport und Absatzmöglichkeit
 gesichert. Im Jahre 1921
verkaufte sie der damalige Gutsbesitzer
 Hermann Scheffler mit 10 ha tiefgründigem
 Lehmboden an die Firma
Dumont du Voitel in Königsberg. Sie
hat dann noch oft den Besitzer gewechselt.
 Seit etwa 1937 gehörte sie
Max Boy aus Seepothen, der dort
selbst bereits eine Ziegelei besaß. Vergleichbar
 mit anderen Ziegeleien im
Samland, kann davon ausgegangen
werden, daß bis zur Einstellung der
Produktion im Frühjahr 1940 die jährliche
 Kapazität bei 2 - 2,5 Millionen
Backsteinen - neben Dachpfannen und
Drainageröhren - lag.
Das Lehmabbaugebiet war mit dem
Werk durch Feldbahnschienen verbunden,
 ebenso wie die etwa 5 Lufttrockenschuppen
 auf dem Betriebsgelände.
 Der Lehm wurde per Hand auf
Loren geladen und von einem Pferd
bis zur Schute der Rühr- und Knetmaschine
 gezogen und dort abgekippt.
Nach dem Mischvorgang durchlief der
Lehm eine Presse und kam als Endlosstrang
 im Ziegelformat DF 24 x 11,5
cm aus einer Öffnung heraus. Hier
wurden dann mittels eines Rahmens in
dem 3 bzw. 4 Stahldrähte im Abstand
von 7,2 cm befestigt waren, die
Rohlinge geschnitten. Das wurde damals
 noch per Hand gemacht. Alsdann
wurden die Rohziegel auf einen Hunt,
der mit einem flachen Untergestell
versehen war, abgelegt, und auf dem
Schienenweg in die Lufttrockenschuppen
 geschoben. Hier wurden sie fein
säuberlich auf Lücke gestapelt und der 51