Report aus Cranz/Selenogradsk
Der Herbst des letzten Jahres war
in Cranz, wie im gesamten Oblast
Kaliningrad durch die Wahlen beherrscht.
Für den Kreis und die Stadt
Cranz/Selenogradsk konnte Wladimir
Schegeda - nach einer Stichwahl - als
Wahlsieger hervorgehen. Damit kam
wieder der Vorgänger des letzten
Bürgermeisters erneut an die Macht.
Er hatte seinerzeit einen Großteil der
Erneuerungsmaßnahmen, wie z.B. den
Bau der Gasleitungen für Cranz, in die
Wege geleitet. Das bedeutet, daß in
Zukunft weitere Heizanlagen mit Gas
betrieben werden können und somit
die im Winter bisher z.T. sehr starke
Luftverpestung durch Kohlenfeuerung
verringert wird. Ziel soll es sein, alle
Haushalte der Stadt mit Ferngas zu
versorgen, statt wie bisher mit Flaschengas
(was oft nicht zu bekommen
ist!).
In unserem alten Kurhaus gehen
nun langsam die Restaurierungsarbeiten
dem Ende entgegen. Es ist
ernsthaft beabsichtigt, schon in diesem
Jahr mit der Bewirtschaftung zu beginnen,
wenn auch eventuell noch nicht
alle Einrichtungen fertiggestellt sein
sollten. Die Ausstattung der fertigen
Doppelzimmer und Appartements
entsprechen voll dem europäischen
Niveau. Das alte Karstadtgebäude wird
in den Hotelbereich einbezogen. Zum
ehemaligen Kurpark (Kattegatt) hin ist
ein Anbau mit Schwimmbecken,
Fitneßcenter etc. vorgesehen.
Die “Königin Luise” (Hohenzollernstraße)
ist seit dem letzten Sommer
mit der 1. Etage Gästezimmer als
Hotel garni betriebsbereit. Der
Ausbau der 2. Etage sowie von
Speiseräumen etc. geht langsam weiter
(immer wenn Geld da ist). Neben einfachen
Zweibettzimmern kann man
sowohl Appartements mit guter
Ausstattung als auch Luxus-Appartements
- auch im Winterbetrieb - mieten.
Es ist sogar ein Appartement mit
Antik-Möbel-Einrichtung vorhanden.
Ab diesem Sommer soll man nun auch
warme Speisen erhalten können.
Sauna, Fitneßraum, Bar etc. sind vorhanden.
Die Preise sind “gut bürgerlich”.
Hausbar und FS sowie Telefon
und Dusche/WC in jedem Zimmer-/App.
vorhanden. Buchungen über
Reisebüros.
Die “Baltische Krone” ist nach wie
vor der Renner in der Gastronomie/Hotellerie.
Leider wurde mit den
Arbeiten am Erweiterungsbau noch
nicht begonnen.
Die alte “Kolonie Westend” entwickelt
sich immer mehr zu einem
Baugebiet für “Neurussen” mit z.T.
prächtigen Wohnbauten.
ln der ehemaligen Königsberger
Straße wird durch einen Neubau
(Eigentumswohnungen) auf dem
Grundstück Bäckerei Voss/Foto
Schmidt etc. hinter dem seit Jahren
stehenden Bauzaun (!) wieder eine
Baulücke geschlossen. Das Gebäude
wird der Umgebung “angepaßt” und
erhält u.a. einen Erker, ähnlich dem
des gegenüber stehenden “Gästehaus
Schütz”. Fertigstellung noch in diesem
Jahr (vorgesehen)? In und an der ehemaligen
ev. Kirche wird weiterhin gebaut,
obwohl dort bereits Gottesdienste
abgehalten werden. Auch hier
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ist der wahre Grund für den langsamen
Fortschritt der überall herrschende
akute Geldmangel!
Durch enge partnerschaftliche Beziehungen,
wurde und wird weiterhin
sehr viel und sehr teures medizinisches
Material und Gerät etc. vom Direktor
des Elmshorner Kreiskrankenhauses,
Wolfgang Sprenger, nach Selenogradsk
gebracht, so daß das Krankenhaus
nunmehr zu den bestausgerüsteten
Einrichtungen im Gebiet zählt. Neben
der Überführung eines ersten
Rettungswagens (ein zweiter folgt in
Kürze), der Übergabe hoher Geldbeträge
zur Einrichtung einer modernen
Intensivstation etc. werden auch
oft Ärzte und medizinisches Personal
nach Elmshorn zur Information und
Weiterbildung von Sprenger eingeladen.
Diese enormen Hilfen tragen -
neben den gegenseitigen Besuchen
von Schülern sowie dem Schüleraustausch
der Schulen beider Städte
und den vielen humanitären Hilfeleistungen
- wesentlich zur Verständigung
und Freundschaft zwischen
den beiden Völkern bei. Dabei sollte
nicht vergessen werden, daß die ersten
Beziehungen und Partnerschaften vorbehaltlos
von den ehemaligen Bewohnern
von Cranz gesucht und geschaffen
wurden!
Die Stimmung in der Bevölkerung
ist, seitdem die Renten und Löhne
ständig gezahlt werden, ruhig. Allerdings
bleibt es mir ein Rätsel, wie man
bei den ständig weiter steigenden
Preisen mit den wenigen Rubeln noch
so zufrieden leben kann.
Der im Herbst lang anhaltende
NO-Wind hat zum Glück etwas Sand
an den Strand zurück gespült. So ist er
zwischen Fischerplatz West und
Monopol bereits wieder z.T. um die 15
m breit. Nach Osten folgt dann
zunächst - im Gegenteil zu früher - ein
nur sehr schmaler Streifen, der jedoch
kurz vor dem Ostbad wieder eine
Breite von fast 20 m einnimmt. An der
Promenade sind neue Kioske und
Diskotheken entstanden. Der Neubau
von GASPROM am Corso wird nach
wie vor langsam, aber sicher weitergebaut.
Das alte Amtsgebäude wird z.Zt.
restauriert und sieht schon recht ordentlich
aus. Es gehört jetzt auch zum
GASPROM-Komplex.
Obwohl bei manchen, nach einem
kurzen Hinschauen der Eindruck entstehen
muß, daß es in unserem
Heimatort nur “bergab” geht, kann ich
bei meinen jeweils längeren Besuchen
doch einen, wenn auch langsamen,
aber gewissen Fortschritt feststellen.
Ich bleibe nach wie vor optimistisch,
daß im Jubiläumsjahr “185 Jahre
Ostseebad” sich manches zum Vorteil
ändern wird. Sicher kann ich in meinem
nächsten Report aus Cranz - nach
meinem Aprilbesuch - mehr Positives
berichten. Wir sollten nicht versäumen,
auch weiterhin durch Besuche in
Cranz, die Verbundenheit mit unserer
Heimat zu bezeugen. Auch sollten wir
nicht versäumen, bei unseren Nachkommen
und Freunden Interesse für
einen Besuch zu wecken. Wo in der
Welt ist die Landschaft so schön und
ursprünglich wie bei uns zwischen
Ostsee und Haff sowie auf der 31