Mein Heimatort Trutenau
(Auszug aus einem Reisebericht)
Am 26. Juni 2000 fuhren wir über
Dirschau, Elbing, Braunsberg, Königsberg
nach Rauschen. Von Rauschen unternahmen
wir die üblichen Rundfahrten
durch das Samland und in meinen
Heimatort Trutenau. In Trutenau,
heute Medwedewka, stehen noch drei
Häuser, weiter ist nichts von unserem
einstmals idyllischen Dorf zu sehen.
Man streift durch kniehohes Gras und
sucht vergeblich. Gefunden habe ich das
.Tabakhaus’, scheinbar unbewohnt, das
Haus des Gendarm Eitel Thiemann und
unsere Schule. Meine Gedanken wannicht
mehr, und eine Erfrischung im
Familiengarten können wir nur in
Gedanken zu uns nehmen. Zu unserem
Leidwesen hat der Himmel seine
Schleusen geöffnet und die pußtaähnliche
Landschaft erscheint uns im Regen
noch öder. In der Ferne, in Richtung der
Kiesgrube, stehen Häuser von sogenannten
“Neurussen”. Das ist alles was wir
vorfinden. “Tschüß Trutenau!”
Erwin Möwe, Grüner Weg 6,
15326 Podelzig,
Telefon: 033601 - 5090
ill B
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Die Schule in Trutenau im Juni 2000
derten zurück zu meinem letzten
Schultag im Jahr 1943. Lang, lang ist’s
her! Aus dem Giebelfenster beobachtet
uns ein ca. 14jähriges Mädchen; die
Schule ist also bewohnt.
Wir fahren weiter über den Sandberg
bis zu den großen Bäumen am ehemaligen
Dorfplatz, wo einst die Gaststätte
von Karl Dronz stand. Auch sie gibt es
* Zum vorderen Titelfoto: Das ehemalige
Gasthaus in Trutenau. Die Beschriftung an
der Hauswand ist nicht vollständig zu erkennen.
Zu lesen ist: “ . . . u. Familiengarten -
Restauration - Karl Dronz - Kolonialwaren”.
In welchem Jahr das Foto aufgenommen
wurde und wer die Personen vor dem Haus
sind ist leider nicht bekannt.
* Zum rückw. Titelfoto: Soldaten vor dem
Gasthaus von Karl Dronz in Trutenau im
Jahre 1944 (?).
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Aweyken,
ein Dorf bei Königsberg/Pr.
Wer erinnert sich noch an
Aweyken? Wir, die Kinder der 30er
und 40er Jahre. In der Erinnerung fahren
wir noch oft aus Quednau hinaus,
Richtung Ziegelau, lassen die
Pferdchen auf der Pflasterstraße oder
auf dem Sommerweg traben, links von
uns liegen Cranzer Allee und Cranzer
Bahn, ganz weit rechts Neuhausen.
Gut 3 1 /2 Kilometerchen, dann biegen
wir nach rechts ab. Die Pferdchen
riechen schon den Stall, 300 Meter
noch, dann sind wir zu Hause:
Aweyken. Drei große Höfe, einer
davon wird Gut genannt, zwei
Kleinbauern, alles in allem kaum hundert
Menschen, die hier wohnen. Für
uns ist es die Welt. Und tatsächlich hält
das Leben hier alles bereit, was es anderswo
auch zu erleben gibt: die Erde
und den Himmel, Sonne und Regen,
Kälte und Sommerwärme, Sturm und
Frost, Saat und Ernte, Sonntag und
Werktag, Geborgenheit und Sterben,
Liebe und Feindschaft, Frieden und ..
. Krieg.
Das Dorf hat keine eigene Schule,
keine Kirche, keinen Krug, keinen
Einkaufsladen. Braucht man etwas,
was über die immer schon geübte
Selbstversorgung hinausgeht, muß
man anspannen oder mit dem Rad
nach Neuhausen-oder Quednau fahren.
Wir gehören zum Quednauer
Kirchspiel. Der Briefträger dagegen
kommt von der Post in Neuhausen.
Und wir Kinder gehen nach Stantau
zur Schule, zweiklassig, nichts
Bedeutendes. Ja, wir gehen. Egal ob’s
regnet, stürmt, schneit oder verschneit
ist: wir gehen zwei Kilometer hin, zwei
zurück. Oh, diese Wonnen des
Schulwegs im Sommer! Da jubeln die
Vögel, da duftet die Wiese, da rauscht
das Stantauer Fließ reißend unter der
Straßenbrücke hindurch. Und wenn du
den Blick fest auf einen Punkt der
Wasseroberfläche richtest, kannst du
dir einbilden, wie auf einem Schiff zu
fahren. Wir legen das Ohr an die
Strommasten und horchen auf das
Summen darin. Wir stiebitzen reife
Mohnkapseln vom Feld in Matzkahlen
und essen die köstlichen Körnchen.
Wir sehen den Störchen zu, wie sie mit
äußerst gerade gestreckten Beinen und
langsamen Flügelschlägen vorüberfliegen
oder sinnierend durch die
Feuchtwiesen stelzen. Ja, das ist die
Welt. Kann es anderswo etwas
Vollkommeneres geben?
Naja, vielleicht in Königsberg. Da
kommt man ja doch manchmal hin.
Also, diese Straßenbahnen und Autos,
diese phantastischen großen Häuser,
der Bismarckplatz, das Schloß, die
Börse, der Pregel und erst der
Tiergarten und die Ostmesse - mein
Göttchen, so ein Glanz! Aber ist man
erst wieder zu Hause im kleinen
Aweyken, hat man das alles bald wieder
vergessen. Die Welt steht noch:
Auf den Feldern wird gearbeitet, im
Kuhstall brummt das liebe Vieh, auf
dem Hof rennt das gefiederte Volk,
Rauch steigt aus den Schornsteinen,
und es riecht nach Bratkartoffeln;
Kämmerer Konrad geht schlüsselrasselnd
über den Hof und zieht die
Mittagsglocke.
Hier hat jeder seinen Platz und
seine ihm angemessene Aufgabe. Hier 51