Ein bewegender Anblick für mich
war Eggerts Haus; hier wurde ich geboren.
Beim Rundgang um das Haus
fiel mein Blick auf die Pumpe. Sie steht
noch, wenn auch ohne Schwengel. Wie
oft hat uns der alte Eggert verjagt,
wenn wir Jungen den Pumpenschwengel
unnötigerweise betätigt
haben.
Fast alle uns bekannten Wege sind
zugewachsen. Der Räuberhof ist noch
ganz gut erhalten und den Putzberg
habe ich auch noch gefunden. Den
Blick vom Seeberg, ob zum Nodemseroder
Pamnickerhaken , wie früher, gibt
es nicht mehr. Die Sorgenauer Bucht
ist mit dem Abraum vom Bernsteinwerk
ganz zugeschwemmt. Erfreut
war ich dann wieder über den guten
Zustand der drei Schulen, die ich einmal
besucht habe, in Sorgenau,
Palmnicken und Pillau. Und der
Lesnicker Wald, der rauscht noch wie
eh und jeh.
Die Fahrt auf die Kurische Nehrung
bis zu den weißen Dünen von
Nidden und dem wunderschön gelegenen
Thomas-Mann-Haus hat uns für
manchen trostlosen Anblick entschädigt.
Alle Sorgenauer, die ihr Dorf noch
einmal sehen möchten, sollten bald
fahren. Es lohnt sich -trotz allem.
Horst Bultmann, Im Gemeindegrund 45,
46147 Oberhausen,
Telefon: 0208 - 676452
Gaumenfreuden und Qaumenqualen -
Marjellchen mag keinen Aal
Im letzten Sommer unternahmen
meine Freundin, ihre zwei Schwestern
und ich eine Busfahrt nach
Königsberg. Von hier aus starteten wir
eine Tagestour zur Kurischen Nehrung
und in das Ostseebad Rauschen. Als
wir nach der Besichtigung der
Vogelwarte in Rossitten zu unserem
Bus zurückspazierten, kamen wir am
Strand vorbei, wo junge Russen frisch
geräucherten Aal verkauften. Die meisten
“Heimwehtouristen”, zu denen
wir auch gehörten, kauften ein Stück
Aal mit Brot für drei Mark. Ich schaute
mir den appetitlichen Fisch an,
kaufte aber nichts. Da sah mich meine
Freundin schelmisch an und sagte:
“Nanu, Marjellchen, magst keinen
Aal?” Ich erwiderte: “Nein, Marjellchen
mag keinen Aal” und erzählte
den anderen folgende Geschichte.
Als ich noch ein kleines Mädchen
war, ein Marjellchen eben, wie man bei
uns in Ostpreußen liebevoll sagte,
wohnten wir in Fischhausen am
Frischen Haff. Hier lebten viele Leute
dann getötet, ausgenommen, gesäubert,
gekocht oder gebraten.
Eines Morgens kam Omchen mit
einem Eimer lebender Aale vom Haff
zurück. Sie stellte den Eimer unter den
Tisch und ging in den Garten, um Dill
für die Sauce zu pflücken. Ich saß auf
der Eckbank und war dabei,
Glanzbilder in ein Album zu kleben.
Auf einmal wurde es unruhig in der
Küche. Als ich auf den Fußboden
schaute, begann ich zu schreien. Da
waren doch alle Aale aus dem Eimer
entwichen und krochen wie Schlangen
durch die Küche. Vor lauter Angst
kletterte ich auf den Tisch und rief laut
um Hilfe. Mein Omchen kam ganz aufgeregt
aus dem Garten ins Haus gelaufen,
voller Angst, daß mir etwas zugestoßen
sein könnte. Als sie die Aale
iuf der Erde sah, mußte sie lachen. Sie
____________ nach Pobethen. Ich war 14
vom Fischfang. Wenn wir Appetit auf Lre aq uncj mußte alle im Haushalt
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Fisch hatten, ging mein Omchen
frühmorgens zum Haff, um auf die
Wallenden Arbeiten erledigen. Sicher
c p es nicht immer leicht für mich,
Fischer zu warten, die mit ihrem Fang Lzdem habe ich in dem einen Jahr
heimkehrten. Sie brachte im Eimer die L für’s Leben gelernt,
noch lebenden Fische heim. Sie hat sie
Wenn ich heute die leicht bekleidelenjungen
Mädchen sehe, muß ich imseigerlich
an meine Jugend denken. In
(einer
Jugend mußten die Röcke
indestens die Waden verdecken.
Nach der Schulentlassung 1943
ng ich ins Pflichtjahr zu Bäcker Max
lüller
hat sie eingesammelt, getötet und zum
Braten vorbereitet.
Als die ersten Aalstücke in der
Pfanne brieten und ich so andächtig
auf den Herd schaute, sprang plötzlich
ein Stück Aal aus der Pfanne. Vor
Schreck ließ ich alles fallen und stürzte
aus der Küche. Mein Vater nahm mich
in den Arm und beruhigte mich. Er erzählte
mir, daß Aale starke Muskeln
haben und noch nach dem Tod aktiv
sind und auch aus der Pfanne springen
können.
Von dem Aal habe ich nichts gegessen
und auch in Zukunft waren Aale
für mich “Gaumenqualen”.
“Seht Ihr, deshalb mag Marjellchen
keinen Aal”.
Christel Diekert, geb. Neumann,
Zedernstraße 20, 41230 M. Gladbach,
Telefon: 02166 - 34747
Die nackten Beine -
und die Moral
Die Gartenarbeit gehörte auch zu
meinen Pflichten, wenn es also länger
nicht geregnet hatte, mußten Blumen
und Gemüse begossen werden. Das
Wasser dafür holten wir mit Eimern
aus dem unterhalb der Schrebergärten
gelegenen Mühlenteich. Eimer für
Eimer wurde die kleine Anhöhe hinaufgetragen,
wobei das Wasser oft
überschwappte und meinen langen
Rock nach und nach durchnäßte.
Unangenehm schlamperte der Rock
um die Beine und brachte mich auf
eine gute Idee. Die Meinungen zweier
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