Full text : Unser Schönes Samland

Der Umfang der Gemarkung Kommau
hat sich von Anfang des 17. Jahrhunderts
 (wahrscheinlich sogar seit dem 14.
Jahrhundert) bis Anfang des 19. Jahrhunderts
 überhaupt nicht verändert. Sie
umfasste während dieses Zeitraums konstant
 zwölf Hufen. Zeitweilige geringfügige
 Abweichungen in den Unterlagen
ergaben sich durch den zwischenzeitlichen
 Besitz einer Krughufe und anderer
 kleiner Flächen außerhalb der Gemarkung
 Kommau. Die Vergrößerung der
Fläche des Gutes Anfang des 19. Jahrhunderts
 resultierte aus der Ablösung des
Freiholzprivilegs durch die Überweisung
von Waldparzellen und durch den Hinzukauf
 von Wald und von kleineren Landflächen.
 1945 belief sich die Gesamtfläche
 des Rittergutes Kommau auf 288
ha.

Das Gut Kommau gehörte zu jenen
Gütern des Samlands, die von Anfang an
mit freien Leuten und ohne Scharwerk
bewirtschaftet wurden. Im Jahre 1719
gehörten zu den auf dem Gut beschäftigten
 Personen fünf Gärtner (Besitzer
eines kleinen Häuschens mit etwas
Gartenland) und ihre Familienangehörigen,
 zwei Knechte, zwei Mägde, der Hofmann
 und dessen Frau sowie zwei Dienstjungens.
 Die Gärtner, die ihren Lebensunterhalt
 im allgemeinen vorwiegend
von den Erträgen ihres Gartens bestritten,
 sind wohl aus den ehemaligen Scharwerksbauem
 hervorgegangen. 1779 setzte
 sich die Einwohnerschaft Kommaus
aus dem Pächter Froehlig und seiner Familie,
 zwei Mägden, zwei Dienstjungens,
einer Dienstmargel, fünf Instfamilien
(Mieter, die auf dem Gut arbeiteten), einer
 Freiwohner-Familie sowie dem Hirt
und seiner Familie zusammen. Die ehemaligen

 Gärtner haben ihre Häuschen offenbar
 nicht von ihrem Einkommen unterhalten
 können, sie daher an den Besitzer
 des Gutes verkauft und wohnten jetzt
bei dem Gutsbesitzer zur Miete. Die Gesamtzahl
 der Einwohner betrug 35.

1785 hatte Kommau 41 Einwohner,
Anfang des 19. Jahrhunderts 48 und 1871
88 Einwohner. Im Januar 1945 hatte
Kommau nach inoffiziellen Angaben 77
Einwohner.
Kommau gehörte seit der Ordenszeit
zum Kammeramt Schaaken. Bei Gründung
 der Amtsbezirke im Jahre 1874
wurde das Gut dem Amtsbezirk Powarben
 zugeordnet. 1928 wurden die selbständigen
 Gutsbezirke Sperlings, Kommau
 und Regitten zur Landgemeinde
„Sperlings“ vereinigt. Seither lautete die
offizielle Ortsbezeichnung „Landgemeinde
 Sperlings Ortsteil Kommau“.
Seit der Auflösung des Amtsbezirkes
Powarben im Jahre 1930 gehörte die
Gemeinde Sperlings mit ihren drei Ortsteilen
 zum Amtsbezirk Sudnicken.
Kommau dürfte zu den ältesten Ansiedlungen
 am Rande einer Siedlungsinsel des
Prußenlandes gehört haben. Heute existiert
 Kommau nicht mehr und teilt so das
Schicksal zahlreicher einst blühender
Güter und Bauerndörfer Nordostpreußens.

Die Zufahrtswege sind noch erkennbar.
 Aber in wenigen Jahren werden auch
diese nicht mehr zu erkennen sein. Und
nichts wird hier mehr an Kommau erinnern.


Dr. Manfred Klein
Wolfgang-Borchert-Str. 52
06126 Halle

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