— Bernsteinanhänger-Treffen in Köln
Dies
hier ist eine Spiegelung der
vergangenen zwei Tage im Kolpinghaus
zu Köln, wo wir wieder intensiv
die Heimat in unsere Seelen holten.
Die bewegende Kraft unseres Geistes hatte
auch an diesem 26. Treffen ca. 60
Palmnicker Herzen, voll mit der Unsterblichkeit
eines großen Gefühls, an den
Rhein geführt.
„Ans Vaterland, ans teure, schließ dich
an, das halte fest in deinem ganzen Herzen;
hier sind die starken Wurzeln deiner
Kraft ..." Ein bekennendes „Ja“ zu diesem
Ausspruch von Friedrich von Schiller
kommt auch heute noch aus unserem
Mund, denn diese Worte altem nicht. Wermutstropfen
der Sehnsucht nach der Heimat
flössen immer wieder ein in die Gespräche
und die Freude, wenn „alte Kameraden“
sich begrüßten. Ein besonderer
Gast war Pfarrer Kramp, der Sohn von
Christel Kramp, er zeigte uns damit seine
Anhänglichkeit an Palmnicken, wo er ja
auch geboren wurde und unterhielt sich
sehr angeregt mit einigen von uns.
Wir hatten dem Tag ein Feiertagsgewand
angelegt und die Augen aller Ankommen
wurden
sogleich
von entzückendem
Ti s chschmuck
angezogen.
Selbstgefertigte
kl e i ne
Leuchttür-Die
Landstreicher Helga und
Henry Foto: priv.
me - im
Seesand stehend
- aus
dem besonders
schöne Muscheln herausschauten
und auch Bemsteinstückchen leuchteten
- all das eingerahmt von passenden
Servietten und Usambaraveilchen.
Diese reizende Idee stammte von
Hanni Wittke, die dann auch gebührend
gelobt wurde; eine umfangreiche
Arbeit war ihr großartig gelungen.
Wie in den Jahren zuvor gab es
viel, viel Bemsteinschmuck zu sehen
und zu kaufen, ebenso Bücher, Bilder,
Karten. Auch der Tombolatisch
fehlte nicht.
Erfreut und dankbar sind wir immer,
wenn Nicht-Palmnicker unser Treffen
besuchen, so wie in diesem Jahr
Gisela Nußbaum, geb. Sommer aus
Nöttnicken. Sie war ganz und gar
nicht zu übersehen, denn sie trug als
Einzige die ostpreußische Tracht -
auch noch selbstgenäht. Meine persönliche
Freude war ganz besonders groß
und ich stellte die freundliche Dame
auch gebührend vor.
Siegfried Zigann hatte uns längst alle
begrüßt und willkommen geheißen.
Anlässlich des 60. Jahrestages der Vertreibung
kamen auch bei uns Zeitzeugen
mit einigen Beiträgen zur Anhörung.
Die Gedanken von Ruth Kecker
standen unter dem Motto: „ Und jedem
Anfang wohnt ein Zauber inne,
der uns beschützt und der uns hilft zu
leben.“ Plattdeutsche Gedichte und
Lesungen bereicherten das Programm
wie z. B. die amüsante Geschichte von
der Unschuld, die dem jungen Mädchen
als etwas Kostbares, Wertvolles
ans Herz gelegt wird und auf die man
sehr gut aufpassen muss. Es war für
alle Zuhörer ein großes Vergnügen,
diesem Vortrag von Hanni Wittke in
Plattdeutsch zu folgen - einer Mund-38
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art, die im Sprachgebrauch zum Aussterben
verurteilt ist; wir pflegen sie nach
Kräften und mit Liebe, denn sie ist als
wichtiger Teil unserer ostpreußischen
Kultur in unserer Veranstaltung unverzichtbar.
Außerdem stellt unser
samländisches Platt eine überaus herzliche,
tiefe Verbundenheit und Vertrautheit
zwischen uns allen her. Wir sind ein
bisschen stolz darauf, dass manche Wortschöpfungen
oder Ausdrücke in die allgemeine
deutsche Hochsprache eingeflossen
sind wie z. B. Schmand oder
Stremellachs. Auch kennt ja fast jeder
Königsberger Klopse oder Beetenbartsch.
Also - nach dem Vergnügen mit der
Unschuld hüllte uns Stimmengewirr ein
wie dichter Nebel, das Fest näherte sich
seinem Höhepunkt: der Wahl der Bemsteinkönigin.
Zunächst fiel das Los auf
Eva Pultke, die aber verzichtete, weil sie
früher schon einmal Königin war. Dann
aber strahlte Danuta Löll, Frau von
Horst Löll, über ihre Wahl. Außer Blumen,
Bemsteinschmuck und Sekt bekam
sie eine schmucke Schärpe umgehängt.
„Bernsteinkönigin“ in Gold auf Grün
gestickt wurde ihr von ihrer Vorgängerin
im Amt, Ingrid Haase, umgehängt. Beifall
kam von allen Seiten.
Ohne, dass jemand darüber sprach,
warteten insgeheim unsere bedürftigen
Ohren und Augen auf einen vergnüglichen
Vortrag unserer „Künstler“ Helga
Gruber und Henry Jocher. Sie enttäuschten
uns nicht, traten auf im Landstreicher-Outfit,
bündelten alle Aufmerksamkeit
auf sich und schmachteten sich an
bei Liedern wie „Ich möchte’ gern dein
Herz klopfen hör’n.“ Diese aulpolierten
Schlager waren ein besonderer Leckerbissen,
die in Scherz und Freude die Seele
belebten. Auch diesmal war den beiden
unser
Beifall
sicher.
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TT . Bernsteinkonigin 2005 Danuta Löll
H a n t 1 1 Foto: priv.
Wittke,
Hannelore Krause und das Ehepaar
Zigann große Regenschirme mit weißblauem
Rautenmuster als Dankeschön
und Anerkennung ihrer Arbeit Jahr für
Jahr.
Die Sonntagsandacht wurde wiederum
von Ernst von Gerlach gehalten. Wie
immer vereinte er in seiner ruhigen, bedächtigen
Art unsere Seelen bei seiner
Predigt und im Gebet: „ Geliebtes Land,
fern von dir beten wir dich an, sehen mit
liebenden Augen deine Wiesen und Wälder,
die geliebte Ostsee und alle Wege;
unter dem grünen Kleid - die Vergangenheit.
“ Andächtige Musik begleitete
kirchliche Lieder; Glaube und Musik fanden
eine gemeinsame Sprache. Ich hoffe
nun, es wird der Lichtschein dieser wenigen
Tage in unseren Herzen nicht verlöschen
und dass wir uns am 1./2. April
2006 Wiedersehen.
Herzlich grüßt Euch
Eure Ruth Kecker-Ganser
Grillparzerstr. 15
84036 Landshut
Tel. 0871/ 21496 39