immer in Gedanken mit h geschrieben ,
also Kuhmehnen. Ist doch verständlich,
nicht wahr?
Inzwischen bin ich in den letzten Jahren
schon öfter durch diesen Ort gefahren.
Die schöne alte Kirche ist nur noch
eine Ruine, aber ein Storchennest befindet
sich darauf, was ich ein bisschen tröstlich
finde.
De sommende Lindeboom
Es grüßt Euch nun Eure Palmnicker
Marjell
Hanni Lenczewski-Wittke
58762 Altena
Hummelnstück 29
Tel. 02352/52668
Mitte
Juni bis etwa Ende Juli blüht
in jedem Jahr die Sommerlinde.
Den Namen lernte ich als Lehrling im
Gartenbau mit „Tilia intermedia“ kennen,
was wohl übersetzt heißt: „In der
Mitte des Jahres blühend“. Der herbe
Duft der Blüten trägt meine Phantasie in
eine kurze Kinderzeit, ins Samland zurück.
In der Nähe der eisernen Wasserpumpe
in Kalk-Kumehnen stand eine
größere Linde. An einem starken Ast hing
eine alte Kettenschaukel mit rostigen Kettengliedern
und einem Holzbrett als Sitz.
Hier verbrachte ich manche Stunde ohne
Pflichten, schaukelte unter dem dichten
Laubdach. In ganz bestimmter Höhe
konnte ich den blauen Himmel mit den
getürmten Wolkenfeldern sehen, die
immer wieder andere Formen aufwiesen.
An warmen, regenfreien Tagen erhielt
der Baum sehr viel Besuch von Bienen,
Hummeln, kleinen schwarzen Käfern und
Glanzfliegen. Sie holten alle den Nektar
und Blütenstaub der Lindenblüten. An
solchen Tagen entstand ein hörbares, tausendfaches
Summen und Brummen. Es
passierte öfter, dass ich unter dem Baum
liegend eingeschlafen war und erst erwachte,
wenn Mutter mit dem Eimer
vorbeikam, um die Kuh zu melken.
Meistens ging ich gleich mit ihr und sah
beim Melken zu, bis der Eimer voll war.
Idealismus ist die Fähigkeit,
die Menschen so zu
sehen,
wie sie sein
könnten,
WENN SIE NICHT WÄREN, WIE SIE SIND.
CURT GoETZ
Mutter nahm für mich fast immer eine
„Kuckel“ Brot und eine emaillierte
Blechtasse mit, womit ich aus dem Eimer
schöpfte und das Brot dazu eintunkte.
Es war hervorragend, obwohl die
Milch wirklich „kuhwarm“ war.
Lindenblüten zupfen war die Aufgabe
von uns Kindern. Die gepflückten Lindenblüten
wurden als Tee schonend getrocknet
und dienten bis zur neuen Ernte
für Gesunde und Kranke. Diese Linde
hatte einen festen Platz in meinem
Kopf und später in manchen Träumen.
Im Jahre 1997 reisten wir ins Samland.
Wie so viele der in Erinnerung lieb
gewordenen Dinge fanden wir kein
Haus, keinen Ziegelstein und keine Linde
mehr, die meiner Kindheitslinde ähn-Einschulung
1944
Eine
Schultüte gab es damals noch
licht, dafür war die Körperzüchtigung
noch wichtiger Bestandteil
der Schulerziehung. Den so genannten
Tornister mit Schiefertafel, Griffel und
Schwamm. Die „Ostpreußische Heimatfibel“
stammte aus dem Sturmverlag
„Ferdinand Hirt“, Königsberg 1935. Auf
dem vierten Blatt prangte zuoberst ein
schwarzer Adler, dessen Beine, Krallen,
Federaufhängung und Schnabel goldgelb
grundiert waren, wobei die Adlerzunge
rot herausleuchtete. Darunter war geschrieben:
„Ostpreußenfibel - Hirts
Schreib-Lesebuch“.
In dieser Zeit war der Personenkult des
Diktators hoch angesiedelt. Der Gruß
durfte nicht Guten Tag, Morgen oder
Abend heißen, sondern „Heil Hitler“. Es
war den Schulen wichtig, schon den
lieh schien, nur eine natürliche Steppe mit
schönen Wildblumen, Singvögeln und
sogar einer richtigen Rebhuhnfamilie.
Trotz mancher Einschränkungen gehört
dieser Besuch zu den bewegendsten Momenten
in meinem Leben, vielleicht
gleichzusetzen mit der Wiedervereinigung
Deutschlands. Dankbar bin ich, dass ich
nach über 50 Jahren dieses Land noch
einmal sehen durfte, wenn auch gegen
„Eintrittsgeld“ (Visagebühren).
Rudi Jonischkeit
Lessingstraße 12
72663 Großbettlingen
Tel.: 07022 / 485 19
Fax: 07022/471 497
Erstklässem den „deutschen Gruß“ beizubringen.
Unsere Lehrerin hieß Fräulein Luley,
war vom Alter schon über 50 Jahre alt
und kam von einer Privatschule. Sie war
vom bestehenden Regierungssystem vollkommen
überzeugt und glaubte an den
Endsieg.
Sie sagte uns: „Erst wenn der letzte
deutsche Soldat flüchtet, verlasse ich auch
die Heimat“. Fräulein Luley war äußerst
fanatisch und strafte alles handgreiflich,
was nach ihren Begriffen gegen „Zucht
und Ordnung“ verstieß.
Beim Schulbeginn in Reihen antreten,
Haltung annehmen, Hand rausstrecken
und den bekannten Gruß herausschreien.
Ein einziges Mal vergaß ich dieses Ritual.
Das hatte für mich schmerzhafte Folgen:
Blitzschnell ergriff sie mein Ohr, zog
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