Von Bergau nach Brokupönen/Roßlinde
Cranz und Nachbarorte
Über das Bundestreffen der Ostpreußen
2000 in Leipzig wurde an
anderer Stelle ausführlich berichtet. Da
ich jetzt in Leipzig beheimatet bin, war
ein Besuch auf dem neuen Messegelände
zum großen Ostpreußentreffen
Pflicht. Meine Cousine Hildegart, geb.
Nitsch, begleitete mich. Für Hildegart
gab es ein Wiedersehen mit Schulkameraden
und Bekannten aus Kobbelbude,
aus meinem Heimatort Bergau
im Landkreis Königsberg war leider
niemand anwesend. Es gab allerdings
an diesem Tag ein überraschendes
Wiedersehen. Am Roßlinder Tisch traf
ich einige Leidensgefährten aus dem
Internierungslager Brokupönen/Roßlinde
bei Gumbinnen nach über 50
Jahren wieder. Von Anfang 1945 bis
Oktober 1948 hatten wir bei schwerer
Arbeit unter strenger Bewachung zusammen
gelebt. Wir waren damals
zwischen 11 und 15 Jahre alt. Die
Hungersnot war groß, täglich brachen
Seuchen aus. Viele Kinder haben diese
Strapazen nicht überlebt und fanden in
Herzogskirch, Rohloffseck oder Roßlinde,
viel zu früh, ihre letzte Ruhe.
Heute ist der Friedhof von Roßlinde,
wo die meisten Toten bestattet
wurden, total verwildert und kaum als
Friedhof zu erkennen. Die Anbringung
einer Erinnerungstafel zum Gedenken
an diese Toten würde den Schmerz der
Überlebenden lindern; vergessen werden
wir diese Jahre nie.
Wer erinnert sich an uns und die
gemeinsam durchgestandenen schweren
Jahre?
Hans Nagel (früher Bergau)
Tarostraße 3, 04103 Leipzig
Liebe Cranzer und liebe Landsleute
aus den Nachbarorten!
Unsere Fahrt vom 2. - 10. Juli 2000
ins Samland haben wir hinter uns.
Leider erhielten wir unser Quartier
nicht wie vorgesehen im Hotel „Baltische
Krone“ in Cranz, sondern im
Hotel „Baltika“ in Rauschen. Darüber
war ich sehr enttäuscht, weil mir nun
lediglich nur ein Tag zur Verfügung
stand, um meinem ältesten Sohn, der
erstmals Ostpreußen besuchte, Cranz zu
zeigen. Bei einer Unterbringung in
Cranz hätten wir die Abendstunden
nach Beendigung der angesetzten
Tagesausflüge zur Nehrung, nach
Labiau, Tilsit, Ragnit, Insterburg, Trakehnen
und Königsberg dazu verwenden
können, durch Cranz zu stromern.
Mein Sohn war von der landschaftlichen
Schönheit - speziell der Kurischen
Nehrung - sehr beeindruckt. Über den
schlechten Zustand der Gebäude und
z.T. auch Straßen dagegen war er entsetzt.
Anhand der von mir mitgeführten
alten Bilder von Cranz konnte er einen
Vergleich zwischen früher und heute
ziehen. - Ich habe wenig Möglichkeiten,
auf positive Entwicklungen in Cranz
hinzu weisen. Seit unserem Besuch im
August 1997 sind kaum Fortschritte zu
erkennen. Der Ersatzbau für das Strandhotel
ist noch nicht fertiggestellt, das
Cafe „Brandung“ (früher „Schloß am
Meer“) ist heute eine Ruine, im Innern
des ehemaligen Gemeindeamtes laufen
zögerliche Bauarbeiten, das Cafe
„Atlantic“ steht ungenutzt und wie verloren
an der Promenade, der Sandstrand
im Bereich des Hotels „Monopol“
ist weggeschwemmt, am Karstadt-Gebäude
erkennt man Erweiterungsund
Instandsetzungsarbeiten (sieht aber
keine Handwerker), und der Ersatzbau
für die ehemalige Bäckerei Neumann in
der Strandstraße ist eine Neubau-Ruine.
Das sind einige wenige Dinge, die mir in
der kurzen Zeit meines Besuches auffielen.
Manchmal frage ich mich: „Rosenbaum,
siehst Du das alles nur so negativ?“
Das scheint jedoch nicht der Fall
zu sein, denn auch von anderen Cranz-Besuchern
habe ich ungefragt fernmündlich
oder auch schriftlich negative
Mitteilungen erhalten. In Westende sind
einige aufwendige Neubauten - so z.B.
auf dem Grundstück von Dr. Moser -
entstanden. Aber gleichzeitig stehen in
der Graf-Kayserlingk-Straße auch mehrere
Neubau-Ruinen. Positives möchte
ich aber nicht unerwähnt lassen. Die
Adalbertskirche wird instand gesetzt.
Sie hat eine schöne, stabile Eingangstür
aus Holz erhalten. Die öffentlichen Toiletten
beim Feuerwehrschuppen werden
jetzt gereinigt und der bisher störende
unangenehme Geruch ist verschwunden.
Die Besucherzahlen der Heimattreffen
werden stetig schwächer. Davon
sind auch die Cranzer betroffen.
v.l.n.r.: Qerda Schäfer (Stefansfelde), Willy Mannschmidt (Qörritfen), I lans Nagel (Bergau), Qrcte Bcngcr
(Schloßbach), Alice Weber (Qumbinnen), Qünter Bürger (Ebenrode), Erwin Weißenberg (Löwenhagen),
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