Freude erfuhr ich dann, daß unsere alte
Königsberger Straße den bisherigen
Namen Leninstraße ablegen darf und
zukünftig Kurortstraße heißen wird.
Auch soll das Lenindenkmal seinen
angestammten Standort vor dem Kurhaus
mit einem weniger exponierten
Platz tauschen.
Zur Zeit wird die Erfassung aller
erhaltenswerten Alt-Cranzer Häuser
durchgeführt. Der neue Stadtbauamtsleiter
wünscht sehr, möglichst viel vom
alten Ortsbild zu erhalten. In diesem
Sinne wird auch der Neubaubereich
gegenüber der Post vorangetrieben.
Einzelheiten sind auf der Planungszeichnung
der städtischen Bauleitung
zu ersehen.
Interessant erscheint mir die Absicht,
unseren Wasserturm als Wahrzeichen
der Stadt in ein Café umzubauen.
Doch bis diese und weitere gute
„Absichten und Planungen“ in die Tat
umgesetzt werden können, wird wohl
noch viel Wasser den Pregel herunterfließen.
Es fehlt - wie meist - das nötige
Geld! Gedacht wird an eine Stiftung
oder Fond, doch wer kann die benötigten
Millionen spenden? Mit ein paar
Mark oder Rubel, die eventuell Touristen
spenden oder wir ehemaligen
Bewohner sammeln würden, ist es
nicht getan. Also heißt es weiter abwarten
bis sich ein finanzstarker Sponsor
anbietet oder nur weiter hoffen,
daß nicht aus Geldmangel weitere Gebäude
dem Verfall preisgegeben werden
müssen, was dann nicht ausbleibt.
Wenn auch allmählich immer mehr
alte Häuser wegen Baufälligkeit abgerissen
werden müssen, so entstehen
doch meist in den Lücken ganz ansehnliche
Neubauten. So ist z.B. auf
unserem Nachbargrundstück in der
ehemaligen Seestraße ein schönes Einfamilienhaus
gebaut worden und zwei
weitere Grundstücke scheinen auch so
gut wie verkauft zu sein. Allerdings
gehen die Grundstückspreise wegen
der großen Nachfrage aus Moskau und
Der neue Bauamtsleiter zeigt
den hntwurf für die Qebäudereihe
gegenüber der
Post/Apotheke. Die Qebäude
Nr. 2, 3 und 4 sind schon
fast bis zum Dach hochgezogen.
Qebäude Nr. 1 (ehemals
Friseur Säger) erhält ein
neues Dachgeschoß mit
einem kleinen Türmchen.
Qebäude Nr. 5 erhält ebenfalls
ein neues Dachgeschoß
und wird in der Höhe den
Nebenhäusern angeglichen
i- -
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Königsberg ständig rasant in die Höhe.
Bezahlt wird nur in US-Dollar.
Nach der jährlich üblichen großen
„Osterreinigung“ sah der Ort eigentlich
ganz manierlich aus - wenn nicht
die vielen umherstreunenden Hunde
und unzähligen Schlaglöcher wären,
die man eigentlich z.T. schon mehr als
„Sprunggruben“ bezeichnen kann.
Doch sicher wäre ich andererseits
dann fast wieder verunsichert, wenn
diese „alten Bekannten“ plötzlich
nicht mehr da wären.
Priorität soll die Instandsetzung der
Promenade haben. Hier wird wohl in
nächster Zeit das wenige vorhandene
Geld angelegt werden. Am Bahnhof
(hinter dem Milchgeschäft Radtke)
wird demnächst mit dem Bau eines
neuen Hotels begonnen. Dieses war
noch von dem alten Stadtbauamtsleiter
geplant und wird von ihm weiter
betreut. Auch an der neuen Feuerwache
(Straße nach Wosegau) wird
weitergearbeitet. Der Innenausbau des
Kurhauses ist z.Zt. zum Erliegen gekommen.
Man sagt, es habe dort
i „Unregelmäßigkeiten“ gegeben, aber
| die Arbeiten würden vom Investor
demnächst wieder aufgenommen.
Die Restaurierungsarbeiten an unserem
alten Amtsgebäude sind fertig.
Es erstrahlt wieder in altem Glanze.
In Absprache mit der Leiterin des
neuen Museums in Selenogradsk,
Helena Postujakowoi, habe ich dort -
mit Unterstützung meiner Frau - einen
sehr gut besuchten Vortrag über Cranz
I gehalten. Die Dias hatte mir Walter
Rosenbaum zur Verfügung gestellt.
Geladen waren vor allem Angehörige
der Verwaltung, Schulbehörde, Veteranenverein,
Kulturhaus und der Presse.
Die Reaktion auf diesen „Rundgang
durch das Ostsee- und Moorbad
Cranz“ war beachtlich. Die Anwesenden
bekannten, sie hätten ja nicht gewußt
wie schön der Ort einst gewesen
ist. Die Vorstellung dieser Zeitdokumente
hätten alle bisherigen Vorstellungen
weit übertroffen. Man schäme
sich dafür, was aus dem Seebad geworden
ist. Es wurde angeregt, den Vortrag
unbedingt einem größeren Publikumskreis
zugänglich zu machen. Die Selenogradsker
Zeitung „Wolna“ (Welle)
berichtete ausführlich. Ein verstärktes
Interesse der heutigen Bewohner am
alten Cranz ist immer mehr spürbar.
Die Zeitung hat bereits einige Artikel
über die Vergangenheit veröffentlicht
und ist bestrebt diese Serie fortzusetzen.
Die Chefredakteurin hat uns gebeten,
Artikel über die Vergangenheit
von Cranz sowie auch jetzige Eindrücke
für ihre Zeitung zu schreiben.
Mit den Deutschlehrern des Kreises
haben wir einen Gesprächskreis
eingerichtet, der auf gute Resonanz
stieß. Es wurde gebeten, diese Gespräche
fortzusetzen.
Einen recht ungewohnten Anblick
bot ein aus Richtung Bahnhof kommender
friedlicher Demonstrationszug
durch den Ort mit anschließender
Kundgebung, der für die Erhaltung der
Natur, Schutz der Bäume und der
Nehrung eintrat. Es waren junge Leute,
z.T. aus Königsberg angereist, mit 27