Watzum, die einer alten Bauemfamilie
entstammte. Mit großem Interesse hat sie
unsere Heimatarbeit begleitet und an
vielen Treffen teilgenommen. Dafür danken
wir ihr über das Grab hinaus. Sie ist
die Letztverstorbene der Bräuergeschwister.
Das Bräuersche Grundstück war 30 ha
groß und wurde im Westen durch den
Verbindungsweg von der R 143 bis zum
Kleinen Gebirge (Funkstation), der an
der Obrotter Gemarkung lag, begrenzt.
Teile des Kleinen Gebirges im Norden
gehörten zum Bräuerschen Anwesen.
Darunter befand sich auch der Schwarze
Teich. Im Osten verlief die Grenze gegen
den Besitz des Nachbarn Johannes
Salewski, im Süden über die R 143 hinaus
bis zum Regehner Torfbruch. Das 86
m hohe idyllisch gelegene Kleine Gebirge
war ein beliebtes Ausflugsziel für die
einheimische Bevölkerung. Eine Kleinkaliber-Schießanlage
war Mitte der 30er
Jahre dort errichtet worden. So blieb es
nicht aus, dass neben den Schützenfesten
auch Kinder- und Waldfeste veranstaltet
wurden. Einige Jahre vor Beginn
des Krieges wurde dort ebenfalls von einer
Luftnachrichteneinheit eine Funkstation,
die von mehreren Soldaten ständig
besetzt war, eingerichtet.
Aber nicht nur die einheimische Bevölkerung
hatte das verträumt gelegene
bewaldete Kleine Gebirge entdeckt, sonder
auch so mancher Wanderer. Im Wanderführer
von 1926 für das Samland heißt
es: „Nach dem Kalthöfer Berg und dem
kleinen Gebirge. Eisenbahn bis Station
Kalthof. Von da am Gute vorbei bis zum
Berge 1 km. Der teilweise bewaldete
Berg bietet eine wundervolle Aussicht
über das nordöstliche Strandgebiet bis
Cranz hin und über die Kurische Nehrung.
Wer gut zu Fuß ist, wird eine Wanderung
vorziehen, die ihn über Preußisch
Battau und Lixeiden in einer starken
Stunde ans Ziel bringt das nur etwa 6
km entfernt ist.“
An anderer Stelle heißt es: "Nach dem
kleinen Gebirge und dem Kalthöfer Berg.
Chaussee an St. Lorenz vorbei bis Obrotten.
Ein paar hundert Meter hinter
dem Gute führt links der etwas verwachsene
Feldweg zu dem 86 Meter hohen
Berge empor, der teilweise mit jungem
Walde bestanden ist. Von seiner Spitze, I
die durch eine Steinmarke gekennzeichnet
ist, genießt man eine großartige Aussicht.
Wobei, sofern das Wetter klar, neun
Kirchtürme wahrnehmbar sind.“
Lassen Sie sich von den beiden ße- I
Schreibungen inspirieren und genießen I
Sie die Schönheiten der Natur und wan- I
dem Sie mal wieder. Bis Pinneberg
allerdings, Mitte September, wär’s ein
bisschen weit, da müssen Sie schon ei- I
nen fahrbaren Untersatz nehmen. Oder? I
Lassen Sie sich, meine lieben Regehner,
bis dahin in alter heimatlicher Verbundenheit,
wie immer recht herzlich
grüßen von
Ihrem Willy Fischer
Strumannstr. 4
48231 Warendorf
Tel.: 02581 - 603 41
Redaktionsschluss für Folge 156 ist der 10. Oktober 2002
— Segelflug im Samland
2. Teil:
Die weitere Entwicklung in Rossitten
(Fortsetzung aus Hbr 154)
Der III. Küstensegelflug-Wettbewerb
1925
Für 1925 wurde nun der III. Küstensegelflug-Wettbewerb
vom 2.-17. Mai
geplant. Es wurden 36 Flugzeuge angemeldet.
Mit Offiziellen und Begleitmannschaften
waren ca. 250 Personen
unterzubringen und zu verköstigen. Sie
wohnten in den Baracken des Segelfliegerlagers
und teilweise auch in privaten
Quartieren in Rossitten.
Für den Wettbewerb hatten sich zusätzlich
etwa 2000 Zuschauer eingefunden.
Trotz der zahlreichen Flugzeuge und
auch renommierter Piloten wie Schulz
u.a. gab es in diesem Jahr keine Rekorde.
Der flaue Wind ermöglichte keinen
längeren Aufenthalt der Segler in der
Luft. Die Zuschauer waren enttäuscht.
Dafür aber konnten sie Erinnerungsstücke
der Post mit nach Hause nehmen.
Die Postagentur Rossitten (Kurische
Nehrung) hatte zu diesem Ereignis einen
Sonderstempel eingesetzt. Und die
von Berlin nach Königsberg Pr. - Memel
- Riga - Leningrad und zurück fliegende
Maschine der DERULUFT warf in
Rossitten Postbeutel ab für die extra ein
damals üblicher Luftpost-Bestätigungsstempel
angeschafft worden war.
Seltsamerweise ging sämtliche, mir bekannte
Luftpost aus Berlin und Riga an
den Ing. Erich Offermann nach Rossitten,
der aber niemandem bekannt ist.
Die Segelflugschule Rossitten
Nach der Gründung 1925 musste natürlich
der Beweis für die Fähigkeiten und
Flug-Möglichkeiten in Rossitten angetreten
werden. Es gibt bei der Segelflug-Ausbildung
die 3 Klassen A, B und C.
Der Unterschied der Klassen liegt im
fliegerischen Können des Schülers nach
Abschluss des Lehrgangs. Es ist Ferdinand
Schulz zu verdanken, dass Flugschüler
in Rossitten in diesen 3 Klassen
ausgebildet werden konnten. Er selbst,
der Weltmeister, führte dort im Winter
1925/26 einen Qualifikations-Kurs durch,
an dem 49 Schüler - Studenten der Universität
Königsberg Pr. und der TH Danzig
sowie Oberschüler und weitere Interessenten
- teilnahmen. Als Fluglehrer
waren zu dieser Zeit Paulfranz Roehre,
Otto Arndt und Kurt Peyan in Rossitten.
Die theoretische Ausbildung fand anschließend
in Königsberg statt.
In der nächsten Zeit stieg die Anzahl
der Interessenten stark an. Am nächsten
Lehrgang nahmen 150 Flugschüler teil.
Der IV. Küstensegelflug-Wettbewerb von
1926 wurde zu Gunsten des Baues der
Segelflugschule verschoben. Es entstanden
auf dem Gelände der Vogelwiese,
etwas nördlich des alten Lagers,
nach Plänen des Architekten
Göttgen das Verwaltungsgebäude,
die Werkstatt und eine Flugzeughalle.
Der Baumeister war
Ewald Oppermann, der ein Baugeschäft
in Königsberg Pr. hatte.
Eine weitere Flugzeughalle
und Erweiterungen des Verwal-\
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Poststempel von Rossitten beim III. Küstensegelflug-Vvettbewerb
(Samml. Klemm)
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