An der Segelfliegerschule Rossitten
ständig Kurse für Anfänger und Fortgeschrittene.
In jedem Kursus werden vermiltelf: Kenntnisse im Hangstart
vermittels Gummiseil, im Autoschlepp sowohl mit stehendem
Wagen an der Rolle als auch mit fahrendem Wagen.
We i t e r l auf en s t ä n d i g K u r s e i mF l u g z e u g s c h l e p p .
Maschinenpark: 14 .Zöglinge”, 3 „Pfeil", 6 „Falken",
2 „Alexander".
Die Schulleitung steht mit Auskunft und Prospektmaterial jederzeit zur Verfügung.
V . 20. Ju l i 1952
Werbung der Segelflugschule von 1930 (Sammi. Klemm)
Der Pilot hing unter den Flügeln und
seine Beine und Füße dienten als „Fahrgestell“.
Es folgten die Hochdecker, z.B.
die FS 3 von Schulz, bei denen der Pilot
auf einem kleinen Sitz unter den Flügeln
saß. Unter ihm befand sich eine Gleitkufe,
auf die er während des Fluges seine
Füße stellte. Die Flugzeuge dieser Bauarten
hatten minimales Gewicht und waren
meist Eigenkonstruktion und in einer
Werkstatt angefertigt. Daraus entwickelten
sich dann die Rumpf-Maschinen.
Sie wurden in größeren Werkstätten oder
in Fabriken gebaut.
In diesen Jahren wurden alljährlich ca.
1500 Flugschüler ausgebildet. Die Flugschüler
wohnten nun in dem neuen
Hauptgebäude unter angenehmeren Bedingungen.
Der Flugbetrieb war für sie
sehr anstrengend, wie ein ehemaliger
Teilnehmer schrieb. Allein das Gehen im
losen Sand ist anstrengend genug. Es
mussten aber auch die irgendwo gelandeten
Segler mehrmals täglich wieder auf
den Predin hinaufgetragen oder -gezogen
werden. Hinzu kam die Anspannung
bei den Flügen. Am Abend sanken die
Schüler müde ins Bett. Dennoch soll der
Kontakt zur Bevölkerung von Rossitten
von Anfang an rege gewesen sein.
1933 verließ der erste Leiter der
Segelflugschule, Rittmeister
Roehre, Rossitten.
Die Eingliederung
in das NSFK (NS
Flieger Korps) mit einer
verstärkt vormilitärischen
Ausbildung entsprach
nicht seiner
sportlichen Haltung. Er
hatte beim Aufbau der
Schule hervorragende
Arbeit geleistet und
führte noch vor seinem Ausscheiden den
Start mit Seilwinden und den Motorflugzeugschlepp
auf der Vogelwiese ein.
Seine neuen Aufgaben lagen im Luftfahrt-Verband
und er leitete den Aufbau
des Luftfahrtarchivs in Berlin.
Seine Nachfolger waren Siegfried
Ruhnke und von 1936 an Willy Poschmann
(leider ist nicht bekannt, wer ihn
während seiner Militärzeit vertrat).
Ab etwa 1935 wurden nun zunehmend
Schüler und junge Leute ausgebildet, die
später als Pilotennachwuchs für die
Kampfflugzeuge gebraucht wurden. Bekannt
sind Bilder von Militärs, Braunhemden
und Pimpfen auf dem Fluggelände.
Im Laufe der Jahre und bei der Größe
der Schule waren dort zahlreiche Fluglehrertätig,
u.a. Ferdinand Schulz, Arndt
und Lorenz. Ebenso die beiden Weltmeister
im Doppelsitzer Bödicker und Zander.
Einer der letzten war Helmut
Plauschinat, der aus dem Kreis Tilsit
stammte. Er wirkte nach dem Krieg bei
der Gründung der „Traditionsgemeinschaft
der Ostpreußenflieger“ mit und
war später bis zu seinem Tod deren
Leiter.
Eine besondere Begebenheit für Rossitten
dürften auch die Dreharbeiten für
¿11
den Film „Rivalen der Luft“ gewesen
sein.
Doch zurück zum Betrieb der Schule.
Seit 1929 gab es in Berlin eine Damengruppe,
die Gleitflüge in Gatow übte.
1930 wurden in Rossitten Flugkurse für
Damen angeboten. Im Berliner Lokal-Anzeiger
wurde bereits 1933 über „Frauen
lernen Segelfliegen“ berichtet. Ferner
wurden in den Ferien Schülerkurse
angeboten. Dass die Damenkurse nicht
nur im Programm standen sondern sich
auch (an)mutige Amazonen diesem Sport
widmeten, belegt das folgende Bild.
Liesel Zangemeister flog hier den Weltrekord
für Frauen mit über 12 Stunden.
1935 fand in Königsberg die internationale
Osteuropäische Briefmarken-Ausstellung
O stropa 1935
statt. Zum Rahmenprogramm dieser
großen Ausstellung gehörte am
27. Juni 1935 ein Tagesausflug mit
dem Dampfer „Rossitten“ nach
Rossitten zum Besuch der Vogelwarte
und der Segelfliegerschule.
Für die aufgelieferte Post bei dieser
Fahrt gab es einen Sonderstempel.
1936 wurde dann im Segelfliegerlager
eine Poststelle eröffnet.
Sie führte einen Gummi-Handstempel,
in dem zunächst der Text
in falscher Reihenfolge stand und
der deshalb etwa in Jahresfrist
durch einen neuen Stempel mit der
richtigen Bezeichnung dieser Poststelle
ersetzt wurde: Rossitten
(Kurische Nehrung) / Reichssegelflugschule,
der Ort wurde also
zuerst genannt.
Bis 1938, dem Zeitpunkt der
Rückgliederung des Memelgebietes
in das Deutsche Reich, war die
Flugstrecke auf der Kurischen Nehrung
begrenzt. In aller Regel durfte die Grenze
zu Litauen, die - wie heute - zwischen
Pilikoppen und Nidden lag, nicht
überflogen werden. Ausnahmen bedurften
einer Genehmigung. Auf dem litauischen
Teil der Kurischen Nehrung hatten
sich in dieser Zeit ebenfalls Segelflugschulen
des Memeler Segel-Flieger-Vereins
e.V. gebildet. Sie bestanden zunächst
in Perwelk und später kam eine Schule
in Nidden hinzu.
Nach Süden wurde die Nehrung flacher
und damit die Aufwinde an den
Hängen schwächer, so dass dadurch ebenfalls
eine Grenze gesetzt war. Nur selten
flogen Könner bei gutem Wind bis Cranz.
Ama&Hi&t dec
Flugschülerinnen beim Transport ihrer Maschine
(Sammi. Klemm)