— Liebe Heimatfreunde aus Rauschen
und den Schulbezirken Craam, Qeorgenswalde und St. Lorenz
Vom
Ostpreußentreffen
in Leipzig
mit zahlreichen Eindrücken
und Informationen
zurückgekehrt,
ist auch schon der Redaktionsschluss
für den
nächsten Heimatbrief
heran.
Ich hoffe, alle die dabei waren, haben es
auch so empfunden: Das Ostpreußentreffen
war wieder beeindruckend. Die
zahlreichen Ausstellungen und Veranstaltungen
boten jedem etwas, der gut zu Fuß
war und die Wege in den großen Hallen
zurücklegen konnte. Doch darüber wird
an anderer Stelle berichtet.
Unser Heimatbezirk war mit 59 Personen
wieder so gut vertreten wie vor
zwei Jahren. Davon kamen über die Hälfte
aus den neuen Bundesländern und viele
waren zum ersten Mal bei einem Treffen.
Hervorzuheben sind die Familientreffen
von Winkler/Schöller aus Rauschen
sowie von Augstein und Heise aus
St. Lorenz.
In der Woche davor war eine Reisegruppe
mit Ingelore Mittag nach Rauschen
aufgebrochen. Es geht leider kein
direkter Zug und keine direkte Fluglinie
mehr nach Königsberg. So erfolgte die
Fahrt in 3 Kleinbussen. Sie verlief gut
und alle sind wieder gut zu Hause eingetroffen.
Ingelore Mittag berichtet, dass
in Rauschen viel gebaut wurde. Zahlreiche
neue Villen sind im Zauberwald entstanden,
gegenüber dem Dünenbahnhof
ist ein neues Hotel gebaut und hinter dem
Hotel Rauschen I eine Sportanlage angelegt.
Ebenso sind neue Geschäfte und
kleine Cafés und Restaurants eröffnet.
Und es konnte in der Heimat wieder gute
Luft geatmet werden.
In der Reihe meiner Berichte über unsere
Heimatorte hatte ich als nächstes etwas
über die Ortschaften in der Gemeinde
St. Lorenz angekündigt. Und so geht
es diesmal mit Alexwangen weiter.
Alexwangen ist in der Gemeinde St.
Lorenz der älteste, urkundlich genannte
Besitz und seit 1370 als Alexwangen bekannt1
. Dieser Ortsnamen taucht im Laufe
der Jahrhunderte mehrmals in geänderter
Schreibweise auf.
Von den Pruzzen wurde das Gebiet des
Kirchspiels St. Lorenz „Beten“ genannt.
Es soll hier nach 1260 zwischen dem
Orden und den früheren Einwohnern zu
heftigen Kämpfen gekommen sein, wodurch
das Gebiet stark entvölkert wurde2.
Neu angesiedelten Bewohner aus
Sudauen und Litauen erhielten ihren
Besitz zu Kölmischem Recht, das ihnen
gewisse Vorrechte gegenüber den preußischen
Freien einräumte.
In der nachfolgend auszugsweise abgebildeten
Urkunde von 1497 wird dem
Merten von Alexwange (s. Überschriftszeile),
Bürger der Stadt Kneiphof, durch
den Hochmeister des Ordens, Hans von
Tieffen (s. 1. Zeile) „die alte Handfeste
über die 10 Huben zu Obruthen und 6
Huben zu Posselau“ (s. Zeile 8 bis 10),
die im Kriege verloren ging, mit allen
Rechten und Pflichten bestätigt.
Möglicherweise hat das Gut von Anfang
an der altpreußischen Familie von
Alexwange gehört und war 1497 immer
noch im Besitz dieser Familie. Sie hat
möglicherweise dem Ort den Namen gegeben.
Die genannten 16 Huben entsprechen
rund 270 Hektar \
Oskar Schlicht schreibt: „Auf dem
Gut, wie auch auf Karschau, Posselau und
20_______________________________________________________________________________________________________________ -
Obrotten saß die zu den
vornehmsten altpreußischen
Geschlechtern gehörende
Familie Alex-wange,
die geadelt, erst im 17.
Jahrhundert ausstarb.“
Der Name soll - aus dem
altpreußischen übersetzt
- „Erlenrodung“ bedeuten.
Aus dem Jahre 1568 liegt
eine Eingabe des Jacob
von Alexwange vor
(GstA PK, XX. HA, EM
126d, Nr. 1149), der ein
Streit wegen Zinszahlungen
von den Pächtern
in Obrotten und Posselau
zu entnehmen ist.
Für die nächsten 200 Jahre sind mir
keine Namen von den Besitzern des Gutes
Alexwangen bekannt. Obrotten ging
etwa Mitte des 17. Jahrhunderts an den
Forstmeister von Foller über, dem größere
Besitzungen im westlichen Samland
gehört haben sollen, evtl, also auch
Alexwangen.
1785 wird bei J. F. Goldbeck Alexwangen
als Cölmisches Gut mit 5 Feuerstellen
genannt4. In der Folgezeit ging
wohl - wie bei den meisten Gütern - der
Besitzwechsel rascher. 1820 wird Alexwangen
mit 5 Feuerstellen und 50 Einwohnern
im Besitz eines Hermenau angegeben
5.
In den Güterverzeichnissen von 1907
ist Friedrich Mensch und 1913 Paul Ursell
als Besitzer des Gutes mit 198 ha zu finden.
Möglicherweise gab es vor 1907 und
auch nach 1913 noch weitere Besitzer.
Doch weitere Verzeichnisse liegen mir
nicht vor.
1925 erwarb Adolf Hilbrandt das Gut.
von Alexwange von 1497
(Quelle: QstA PK, XX. HA, OF 129)
Die Familie kam aus dem Kreis Lyck.
Adolf Hilbrandt war Domänenpächter in
Leegen und wollte sich nach den Kriegsereignissen
in dieser Grenzregion im 1.
Weltkrieg weiter im Landesinneren eine
Existenz schaffen.
Es war wohl eine Ironie des Schicksals,
dass diese Hoffnung keine 20 Jahre
hielt. Das Gut hatte zu dieser Zeit 198
ha, während es später 175 ha groß war
[dies wird im Güterverzeichnis von ca.
1930 bestätigt]. Offensichtlich sind in
dieser Zeit 23 ha für den Bau der Siedlung
Alexwangen abgetrennt worden 6.
Tochter Käte Hilbrandt heiratete August
Goldenbaum. Er wurde später Amtsvorsteher
und übernahm 1936 das Gut.
Die Familie wurde durch die Flucht zerrissen:
Während Käte Goldenbaum mit
den beiden Töchtern noch in letzter Minute
flüchten konnte, erlitten der pflichtbewußt
in Ostpreußen verbliebene Ehemann
und Sohn Joachim dort nach dem
Russeneinmarsch den Tod.
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Urkunde für Merten
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