Full text : Unser Schönes Samland

Sprichwörter aus Ostpreußen

(Fortsetzung zum Heimatbrief Folge 150, S. 58)

Wie versprochen möchte ich die mir zugestellten
 Sprichwörter in unverändertem
Wortlaut in bunter Folge vermitteln.
Mögen die im ersten Teil stehenden
Sprichwörter über die Grenzen Ostpreußens,
 d.h. auch in anderen Bundesländern
 bzw. Regionen gebräuchlich
sein, so werden wir im zweiten Teil mit
einem „Echten Pillkaller“ langsam in
unsere ostpreußische Heimat zurück geführt.



Teil 1:
1. Eigener Herd ist Goldes wert,
2. Viele Köche verderben den Brei.
3. Viele Hunde sind des Hasen Tod.
4. Morgenstund1 hat Gold im Mund.
5. Übermut tut selten gut.
6. Unrecht1 Gut gedeihet nicht.
7. Die Sonne bringt es an den Tag.
8. Nichts ist so fein gesponnen, das nicht
kommt ans Licht der Sonnen.
9. Lügen haben kurze Beine.

10. Wer einmal lügt, dem glaubt man
nicht, und wenn er gleich die Wahrheit
 spricht.
11. Wer andern eine Grube gräbt, fallt
selbst hinein.
12. Wer nicht hören will, muss fühlen.
13. Wer den Pfennig nicht ehrt, ist des
Talers nicht wert.
14. Wer nicht wagt, der nicht gewinnt.
15. Wer hoch steigt, der tief fällt.
16. Wer viel fragt, kriegt viel Antwort.
17. Wer schläft, der sündigt nicht.
18. Ein gutes Gewissen ist ein sanftes
Ruhekissen.
19. Wie man sich bettet, so schläft man.
20. Wie man in den Wald hinein ruft, so
schallt es heraus.

21. Wem nicht zu raten ist, dem ist nicht
zu helfen.
22. Arbeit macht das Leben süß, Faulheit
 stärkt die Knochen.
23. Langes Fädchen, faules Mädchen.
24. Gleich und Gleich gesellt sich gern.
25. Pack schlägt sich, Pack verträgt sich.
26. Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm.
27. Müßiggang ist aller Laster Anfang.
28. Was du heute kannst besorgen, das
verschiebe nicht auf morgen.
29. Sich regen bringt Segen.
30. Ohne Fleiß kein Preis.
31. Jeder ist seines Glückes Schmied.
32. Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans
nimmer mehr.
33. Es ist noch kein Meister vom Himmel
 gefallen.
34. Die Axt im Haus erspart den Zimmermann.

35. Schuster bleib1 bei deinem Leisten.
36. Eine Frau kann mit der Schürze mehr
raustragen, als der Mann mit dem Fuder
 einfahren.
37. Der Krug geht so lange zu Wasser,
bis er bricht.
38. Lieber den Spatz in der Hand, als
die Taube auf dem Dach.
39. Jedes Häuschen hat ein Kreuzchen.
40. Unter jedem Dach ein Ach.
41. Man soll den Tag nicht vor dem
Abend loben.
42. Nach Regen scheint Sonne.
43. Viel Regen bringt Segen, viel Sonne
bringt Brot.
44. Salz und Brot macht Wangen rot.
45. Liebe geht durch den Magen.
46. Es wird nichts so heiß gegessen, wie
es gekocht wird.
47. Was nicht ist, kann ja noch werden.
48. Man soll die Kirche im Dorf lassen.
49. An Gottes Segen ist alles gelegen.
50. Not macht erfinderisch.

51. Wenn die Not am größten, ist Gottes
Hilf am nächsten.
52. Wenn der Donner rollt, Petrus grollt.
53. Hunde, die viel bellen, beißen nicht.
54. Die Katze lässt das Mausen nicht.
55. Ist die Katze aus dem Haus, tanzen
die Mäuse auf dem Tisch.
56. Bescheidenheit ist eine Zier, doch
weiter kommt man ohne ihr. (Wenn
sich Egoisten zu Lasten anderer vordrängen).

57. Im Handel kein Freundschaft.
58. In der Kürze liegt die Würze.
59. Was lange währt, wird gut.
60. Wenn’s dem Esel zu wohl wird, geht
er aufs Eis tanzen.
61. Ein Unglück kommt selten allein.
62. Vögel, die früh singen, beißt bis zum
Abend die Katze den Kopf ab.
63. Mädchen, die pfeifen und Hühner,
die krähen, muss man beizeiten die
Köpfe umdrehen.
64. Spinnchen am Morgen bringt Kummer
 und Sorgen, Spinnchen am Mittag
 bringt Freude am dritten Tag,

Mein

ostpreußisches Dörfchen werde
 ich niemals vergessen, verbunden
 mit diesen Erinnerungen ist hauptsächlich
 mein Elternhaus und auch das
Haus meiner Großeltern. Viele Himbeeren
 wuchsen in unserem großen Obstgarten,
 im Keller funkelten beim Petroleumlicht
 die roten Saftflaschen - eine Köstlichkeit
 zur Erntezeit. Als ich nun nach
1990 endlich meine Kindheitsstätten besuchen
 durfte, hatte mein kleines Dörfchen
 Stangau im Samland schon lange

Spinnchen am Abend, erquickend und
labend.
65. Kleine Hündchen bleiben immer jung.
66. Brötchen in der Heimat schmeckt süßer
als Kuchen in der Fremde.
67. Der haut rein wie ein Drescher.(Knecht
beim Essen)
68. Es trinkt der Mann, es säuft das Pferd,
in Pillkallen ist es umgekehrt.
69. Wat seggst, mien Peerd schield? Runner
vom Woage! Du lachst? Ok runner!
70. E Pillkaller, dat ös Äte on Drinke ön
eenem.

Den zweiten Teil mit plattdeutschen Sprichwörtern
 aus Ostpreußen lesen Sie in einem
der nächsten Samländischen Heimatbriefe.

Karl Ernst Schmidtke
(einer aus Kragau)
Schulberg 10 c
01157 Dresden,
Tel. 0351 -421 42 00

den Namen Malinorka - „Himbeerdorf1
bekommen. Es war aber nirgends ein
Himbeersträuchlein zu finden und das
Elternhaus auf dem Berg war wie vom
Erdboden verschluckt. Eltern und Geschwister
 ruhen seit 1945 in ostpreußischer
 Erde, sie überlebten die Kriegswirrnisse
 nicht.
Aber unterhalb meines Dörfchens im
Pregeltal in Friedrichswalde stand noch
recht und schlecht als einziges Gebäude
vom ehemaligen Bauernhof meiner

Ein ostpreußisches Dörfchen und Amerika

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