Full text : Unser Schönes Samland

dere ersetzt. Es war darum Strafe genug,
mit ihr jeden Tag Milch holen zu müssen.
 — Wie gerne würde ich sie heute
noch streicheln.

Eure Eva Pultke-Sradnick,
Benzstraße 45
73614 Schorndorf
Tel./ Fax: 07181- 628 43

Wenn ich so an mein'Heimat denke.......
Mir kommen dann keine großen Gedanken, obwohl ich mir die Erinnerung bewahrt
habe, wie schön meine Vaterstadt Pillau war. Mir fallen lauter kleine Geschichten

aus meiner Kindheit ein. Zum Beispiel:

Wie ich zu meinem Spitznamen kam

Also

mein Großvater war mit seinem
tollen Auto weggefahren und ich
stromerte rum. Es war Sonntag und ich
trug meinen Kieler Matrosenanzug -
schick in weiß. Spielkameraden fand ich
nicht, so war das Hotel meines Großvaters
 mein Ziel.
Die Garage stand - ehrlich - offen, na
ja, die Tür war angelehnt. Als ich durch
die Tür schlüpfte, sah ich einen großen
Topf mit Farbe stehen und daneben einen
 Quast. Da erwachte in mir der Wille
zu helfen und ich strich die Innenseite
der Garagentür an. Dass die Farbe sehr
zähflüssig und schwarz war, fiel mir gar
nicht auf.
Nur auf meinem weißen Matrosenanzug
 wurde die Farbe sehr deutlich und
meine Hände waren auch nicht mehr sehr
sauber. Es wurde Zeit nach Hause zu
gehen. Doch irgendwie meinte ich, mich
doch noch reinigen zu sollen. Also ging
ich im Hof über die Stallungen rauf, wo
die Bewohner die Wäsche trockneten.
Frau Busse, die Nachbarin, sah gleich,
wie es um mich und meine Kleidung
bestellt war. Sie gab mir grüne Seife und

zog mir meine Matrosenbluse aus und
weichte sie ein. Da hörte ich schon meine
 Mutter rufen. Als sie mich sah, hat sie
mir handfest ihre Meinung gesagt. Und
sie schrieb eine gute Handschrift.
Der Abend kam und mit ihm kehrte
der Großvater heim. Er fasste in den Türspalt,
 um die Tür zu öffnen und hatte die
Hand voller Farbe - wie ich später erfuhr,
 war es Teer. Er wusste sofort, wer
ihm da „geholfen“ hatte, kam zu uns in
die Lotsenstraße .... , aber als er feststellte,
 dass ich schon für meine Arbeit
bezahlt war, schüttelte er nur den Kopf
und sagte ziemlich brummig: Teerjud!
Seit jener Zeit trage ich in der Familie
und im engeren Bekanntenkreis den
Spitznamen „Teerjud“. Ich bin ihn bis
heute nicht losgeworden

Emst Petscheleit,
Magdeburger Str. 2
29451 Dannenberg / Elbe
Tel.: 05861 / 986009 + 806571
Fax priv.: 05861 / 806572

E-Mail: Epetscheleit@T-Online.de

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Eine Seefahrt, die ist lustig ...

Am

Anfang war das Meer und mein
Großvater war ein Pillauer Seemann
mit dem schönen norddeutschen Namen
Carl Andrees. Er fuhr damals als Schiffszimmermann
 auf dem britischen Tanker
„Lome“ mit Heimathafen Hüll. Wenn
sein Schiff oder er selbst alle Jubeljahre
einmal Pillau ansteuerten, stand halb
Pillau II Kopf um die Schätze zu bestaunen,
 die aus seinem Seesack quollen. Da
kamen dann Leute, die man ewig nicht
gesehen hatte, um meiner Oma einmal
schnell „Guten Tag“ zu sagen. Doch mit
des Schicksals Mächten ist kein ewig
Bund zu flechten und so starb er dann in
treuer Pflichterfüllung für sein Schiff bei
einem Sturm auf See.
Meine Oma wohnte später mit vier
Töchtern in Königsberg und die fünfte
Tochter wohnte in Nidden auf der Kurischen
 Nehrung, weil ihr Mann dort Posthalter
 war. Jene Tochter galt es nun zu
besuchen und zwar per Schiff, obwohl
seit jenen Tagen der „Lome“ eine verständliche
 Abneigung gegen die See bestand.
 Die Königsberger Reederei Robert
Meyhoefer bot mit dem Frachtmotorschiff
 „Elisabeth“ und dem Kapitän O.L.,
einem entfernten Verwandten, eine günstige
 Mitfahrgelegenheit nach Nidden an.
Also trafen wir uns alle eines kühlen Morgens
 am Liegeplatz auf der Lomse östlich
 der Holzbrücke, denn Punkt 5 Uhr
sollte das Schiff auf dem Pregel „in See
stechen“. Wir wurden vom Kapitän mit
weißer Mütze und blauem Jackett per
Handschlag begrüßt und in den mit grünem
 Samt gepolsterten Salon geführt.
Bald brummten die Motoren und wir legten
 ab. Im Morgennebel verschwand
langsam die große Stadt und vor uns lag
nun das grüne Pregeltal im Tau.
Verschlafene Kühe glotzten uns an, wenn

die Bugwelle ans Ufer platschte und ab
und an stieg eine Ente aus dem Schilf
auf.

Gegen 9 Uhr hatte der Koch einen guten
 Kaffee zubereitet und die ersten
Butterstullen wurden ausgepackt. Indessen
 war es warm geworden und mein
Vater und ich gingen hoch auf das Bootsdeck
 und genossen das herrliche Panorama.
 In Tapiau bogen wir dann links ab
in die Deime und das Fahrwasser wurde
schmäler. Nach zwei Stunden passierten
wir die Adlerbrücke in Labiau und die
Sonne verschwand hinter grauen Wolken.
Dann durchquerten wir bei Haffwinkel
den riesigen Schilfgürtel und gewannen
das offene Kurische Haff. Aus der leichten
 Westbrise war indessen ein kräftiger
Sturm geworden und blies uns quer zur
Fahrtrichtung ins Gesicht. Die Wellen
bekamen weiße Kämme und die ersten
Spritzer gingen über das Vorschiff. Der
Kapitän kam selbst auf die Brücke und
übernahm vom Steuermann das Ruder.
Wir beide hakten uns mit den Armen hinter
 den Handlauf am Schornstein und ließen
 uns den Sturm ins Gesicht blasen.
Die gute „Elisabeth“
 bockte wie
ein Esel in den kurzen,
 harten Wellen
und steckte den
Bug unter Wasser.
Die Decksladung
aus Benzinfassern
polterte gegen das
Schanzkleid. Das
Schiff musste spitz
zum Wind gesteuert werden, um nicht
aus der Fahrrinne zu geraten, aber die
beiden Dieselmotoren hinter unserem
Rücken bullerten auf Völlast mit Kurs auf
Rossitten. So ging es stundenlang, bis wir