arbeit. Trotz aller Armut strahlt die Familie
Geborgenheit und Zufriedenheit
aus.
Inzwischen habe ich Frau Lamsargene
öfter besucht. Sofern sie kann, kommt
sie zu unseren Gottesdiensten nach Cranz,
die jeweils 14tägig am Donnerstagabend
gehalten werden. Bei einem Besuch erzählt
sie mir aus ihrem Leben. Sie stammt
Frau Lamsargene mit ihren Enkeln
(Foto: privat)
aus Fleydekrug, dem heutigen Silute und
spricht natürlich fließend deutsch. Im
Jahr 1944 ist sie gemeinsam mit ihren
Eltern nach Deutschland geflüchtet.
Deutsche Soldaten haben sie auf ihrem
Rückzug mitgenommen. Bis 1949 lebten
sie in Sachsen. Dann mussten sie auf
Befehl der sowjetischen Besatzungsmacht
wieder in ihre Heimat, die nun zu Litauen
gehört, zurückkehren. Es war eine
schwere Zeit, die ich hier nicht schildern
will. Seit 1957 wohnt sie in Laptau und
hat gemeinsam mit ihrem Mann ihr Leben
lang in der Kolchose, gearbeitet. Vor
einiger Zeit erzählte sie mir recht aufgeregt,
dass drei bewaffnete Männer in die
Kirchenruine eingedrungen waren und
im Kirchenschiff Löcher gegraben haben.
Wahrscheinlich haben sie nach vergrabenen
Wertsachen gesucht oder sie
haben gehofft, sogar einen verborgenen
Kirchenschatz zu finden. Selbst durch den
Einspruch der Bürgermeisterin haben sie
sich nicht stören lassen und auch nicht
ausgewiesen. Erst nach der Androhung,
die Polizei zu rufen, zogen sie ab. Das
war eine aufregende Abwechslung in dem
eintönigen Dorfleben.
Oma Helenas größte Sorge ist ihr
kleines Haus. Eigentlich ist es noch
recht stabil. Aber das Dach ist total
marode. An vielen Stellen fehlen
Ziegel. Überall regnet es durch.
Noch einen Winter kann sie mit ihren
Enkeln in dem Haus kaum überstehen.
Sie überlegt, das Haus zu verkaufen
und sich eine andere Wohnung
zu suchen. Aber das ist bei den
Wohnverhältnissen kaum möglich.
Gemeinsam mit unserem Gemeindeleiter
in Cranz überlege ich, ob
wir ihr helfen können. Er ist ein
handwerklich begabter und sehr geschickter
Praktiker. In Laptau kennt er
einen jungen Russen, der ebenfalls Christ
ist und einen Lieferwagen besitzt. Dieser
ist bereit, bei der Dachreparatur mitzuhelfen.
Die Kosten werden errechnet. Ich
rechne mit einem Betrag von mindestens
5.000 DM. Aber es wird billiger. Für DM
3.000 kann das Dach repariert werden.
Freunde in Deutschland helfen, darunter
etliche gebürtige Ostpreußen. Ich kann
Frau Helena sogar noch einiges Geld geben,
das sie für die Renovierung der Zimmer,
die es auch dringend nötig haben,
verwenden will. Inzwischen ist das Dach
repariert, natürlich in Eigenleistung. Eine
Firma hätten wir nicht bezahlen können.
Auch konnten wir nur preiswertes Material
verwenden. Dazu gehören die Wellasbestdachplatten,
die dort viel verwendet
werden. Aber nun ist das Haus wieder
bewohnbar. Die Balken trocknen aus und
es regnet nicht mehr durch. Der Dachstuhl
ist vor weiterer Fäulnis geschützt.
Frau Lamsargene und ihre Kinder sind
dankbar und glücklich. Sie wollen sich
nun auch regelmäßig an den Gottesdiensten
beteiligen und so Gott danken. Aber
dieser Fall ist nur einer von vielen, die
uns in unserer kirchlichen Arbeit herausfordern,
die Liebe Gottes nicht nur zu
predigen, sondern auch mit der Tat zu
beweisen. Die Armut ist weit verbreitet,
und für viele sind die christlichen Gemeinden
die einzigen Adressen, an die
sie sich mit der Bitte um Hilfe wenden
können.
Sollte jemand von Ihnen uns in unserer
Arbeit der Evangelisch-Lutherischen
Gemeinden unterstützen wollen, wenden
Sie sich an mich.
Alfred Scherlies P.i.R.
ul. Krasnaja 9-14
236000 Kaliningrad RUS
Tel. 007-0112-556112
in Deutschland:
Herderstraße 3
34246 Vellmar
Tel.: 0561 - 824 830
Liebe Palmnicker,
und alle Leser des Samländischen Heimatbriefes,
ich möchte mit Ihnen gern einen Blick
auf die allgemeine Lage in Palmnicken/
Jantarnyj werfen und berichten, was sich
im vergangenen Sommer in unserem Ort
ereignet hat.
Von den zahlreichen deutschen Touristen,
die in der Saison 2001 Nordostpreußen
besuchten, kamen viele auch
nach Palmnicken. Unser Ort konnte
wieder etliche seiner früheren Einwohner
begrüßen. Viele von ihnen kamen
nicht zum ersten Mal, für manche aber
war es das erste Wiedersehen mit ihrem
Heimatort nach langer Zeit. Andere,
Menschen aus der jüngeren Generation,
wollten in Palmnicken die Heimat ihrer
Vorfahren kennen lernen.
Unter diesen war z.B. Helmut Woch,
dessen Elternhaus, eines von den großen
Häusern an der Hauptstraße von Palmnicken-Süd,
jetzt hinter der Mauer des
Kasemengeländes der Marinetruppe steht.
Schon in den vergangenen Jahren waren
Nachkommen verschiedener Palmnickener
Familien (z.B. Grützmacher,
Marienfeld und Puppel) bei uns.
Vielleicht hat man es aus früheren Berichten
schon entnehmen können, dass
unter den heutigen Einwohnern von
Palmnicken langsam, aber sicher der
Wunsch stärker wird, aus unserer Siedlung
wieder einen Erholungs- und Badeort
werden zu lassen. Leider stehen
aber, wie allgemein bekannt ist, diesem
sehr vernünftigen Vorhaben außer wirtschaftlichen
Problemen auch gesellschaftlich-politische
Missstände Russlands
im Wege. 41