Full text : Unser Schönes Samland

Rothener Fischer am Strand (von links: Franz Hübner,
Otto I lamann, Rudolf Schaack, Emil FHübner, Fritz
Flübner

noch gut daran, daß die Rothener
„Jungens“ mit diesem Boot raus ruderten
 zum „Sutter“ fischen. Rudi erzählt,
daß sie auf Anordnung der Väter,
immer den alten Fischer Schwarzkopf
als Steuermann mitnehmen mußten.
Nun gehen wir weiter und da liegt das
Boot von Karl Schaack (Zauster-Schaack).
 Karl Schaack fischte mit seinen
 Söhnen Otto und Fritz zusammen.
Das Boot hieß „Kehr wieder“. Die
„Kehr wieder“ war das erste Boot in
Rothenen das mit einem Motor ausgerüstet
 wurde. Das muß so etwa 1936
gewesen sein. Bei den andern Booten
wurde das erst später gemacht, etwa
1940.Vorher wurde gerudert oder gesegelt.

Ich kann mich noch gut daran erinnern,
 wenn die weithin sichtbaren
Segel am Horizont auftauchten. Die
Fischerfrauen erkannten an der Farbe
der Segel, wer da schon auf dem
Heimweg war. Sie machten sich dann
rechtzeitig auf den Weg zum Strand
runter. Dort mußten sie dann helfen
das Boot an den Strand zu ziehen. Ein
dickes Tau, das um einen Drehbock
lief, wurde vorne ans Boot gehakt.
Dann wurden Walzen unter das Boot

geschoben. Und dann gings am
Drehbock ringsum mit einem „Hops“
über das gespannte Seil, bis dann das
Boot weit genug auf dem Strand war.
Ja, und dann ging die Arbeit los.
Die Fische wurden aus den Netzen gepult
 und die Frauen packten sich einen
„Leschke“ voll und wanderten los in
die umliegenden Dörfer zu ihren
Kunden. Als im Krieg alles knapper
wurde, kamen die Leute schon selbst
zum Strand und kauften gleich am
Boot die Fische. Und „abgeliefert“ an
Vater Staat mußte auch was werden.
Da war es für die Fischerfrauen auch
nicht mehr so schwer. Gefischt wurde
nach Dorsch, Flunder, Strömling und
Lachs.-Jeder
 Fischer hatte beim Haus auch

Fischerfrauern -
Anna Rähse beim Netze flicken

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Strömlinge wurden da selbst geräuchert.
 Ich habe bei Frau Anna Rähse
manchmal geholfen, die Strömlinge
auf den Spieß zu stecken. Dafür gabs
dann geräucherte Strömlinge. Die
haben geschmeckt. Mir läuft das
Wasser im Mund zusammen, wenn ich
nur daran denke. Das „Daran denken“
ist von der Fischerei in Rothenen nur
geblieben. Der Strand ist oed und leer
und man bekommt Gänsehaut, wenn
man auf dem Seeberg steht. Sicher
waren nun schon viele Rothener dort.
Sicher wissen auch einige von Euch

noch viel mehr zu erzählen. Bei dem
was ich hier aufgeschrieben habe, hat
mir Rudi sehr geholfen, dafür sage ich
herzlich „Danke schön“.
Ich hoffe sehr, daß. wir uns alle in
Pinneberg im September Wiedersehen.
Ich hoffe, es gibt auch wieder ein paar
neue „alte“ Gesichter. Bleibt alle gesund
 bis dahin und seid herzlich gegrüßt
 von Eurer
Eva Schwarz geb. Hamann
Alter Schulweg 8,
25724 Neufeld,
Tel.O 48 56 - 322

Treffen der ehemaligen Insassen des

Internierungslagers Brakoponen/Roßlinde

Liebe Landsleute,

wie in den vergangenen Jahren hatten
 wir auch in diesem Jahr ein kleines
Lagertreffen in Reudnitz im Hotel
Pelzer veranstaltet. Es gab viel zu erzählen
 - gute und nicht so gute
Neuigkeiten. Einige unserer Leidenskameraden
 weilen nicht mehr unter
uns, wir gedachten aller, die damals im
Lager und auch hier verstorben sind.
Wir waren 1945 bis Ende 1948 noch
Kinder, 11 bis 15jährig und mußten als
Kutscher arbeiten und sonstige schwere
 Arbeiten in der Landwirtschaft im
Woina-Kolchos verrichten.
Neue Gesichter gab es auch zu begrüßen:
 die Geschwister Edith,
Siegfrid und Hans Käding aus
Wallinden, Kr. Schloßberg, die
Geschwister Ursula, Willy und Horst

Teilnehmer von links oben: Arthur Holl, Willy
Miinschmidt, Erwin Weißenberg, Fritz Strohschein,
Walter Reich, Irmgard Bürger, Ursula Bürger, Hans
Nagel, Cyrete Benger, Hildegard Schäfer, Edith Benger,
Alice Weber, Herbert Stürmer (ganz oben die Wirtsleute)