Full text : Unser Schönes Samland

berg, der uns 1999 im Königsberger
Dom begeisterte. Ich würde mich sehr
freuen, wenn wir als Ortsgemeinschaften
 von Craam, Georgenswalde,
Rauschen, St. Lorenz mit den angrenzenden
 Ortschaften und Warnicken
sehr zahlreich an diesem Treffen teilnehmen
 und auch das Konzert besuchen.


Warnicken
Die Berichte von Edgar Schumacher
 über „Warnicken - heute“ in
den Heimatbriefen 149. und 150.
Folge möchte ich diesmal mit einem
Bericht über den Ort Warnicken ergänzen
 und damit meine Betrachtungen
 über die frühere Zeit der Gemeinde
 Georgenswalde, zu der seit
1928/29 Warnicken gehörte, beginnen.

Die Beiträge über die neuere Zeit
von Warnicken stellte Horst Riehs zur
Verfügung, der 1936 mit seinen Eltern
nach Warnicken kam. Sein Vater war
dort bei der Eisenbahn beschäftigt.
Diese Beiträge sind von ihm nach eigener
 Kenntnis und durch Informationen
 früherer Warnicker Einwohnern
 zusammengestellt worden.

Aufgrund des neuen Gemeindeverfassungsrechts
 vom 27. Dezember
1927 wurde 1928/29 die Gemeinde
Warnicken aufgelöst und mit Georgenswalde
 zusammengelegt. Warnikken
 war bis dahin ein eigenständiger
Gutsbezirk. Durch diese Zusammenlegung
 gehörte Warnicken flächenmäßig
 zu der zweitgrößten Gemeinde
im Kreis Fischhausen.

Geschichte
Warniken (ohne c) wird bereits
1405 in alten Urkunden erwähnt. Die
wahrscheinlichste Übersetzung des
alten Ortsnamens ist „Krähendorf1
oder „Beschwerlicher Ort“. Die ersten
Ansiedlungen, läßt man die altpruzzischen
 Kultstätten außer Betracht,
lagen an der Wolfsschlucht: Das Gut
auf der westlichen und die Oberförsterei
 auf der östlichen Seite. 1785
wird der Ort als Königliches Dorf und
Forstamt mit 6 Feuerstellen genannt.

Ausgang der Wolfsschlucht zur See etwa um 1910
(Samml. Klemm)

An anderer Stelle wird in der
Literatur von einem Königl. Strandgut
und auch vom Bernsteinabbau berichtet,
 durch den die Collis-Schlucht entstanden
 sein soll. Das Gasthaus
Warnicken soll zu dieser Zeit das
Wohnhaus des Pächters der Bernsteingrube
 gewesen sein.
Die bekanntesten Persönlichkeiten
des Ortes aus früherer Zeit sind der
Wildnisbereiter Caspar Cawemann
und der Oberförster G. Gebauer.
Cawemann rettete 1629 den Kurfürsten
 Georg Wilhelm vor einem
Bären. Auf die ihm als Dank erfolgte

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Landverschreibung geht die Gründung
von Georgenswalde zurück. Rund 200
Jahre später wirkte in Warnicken der
Oberförster G. Gebauer, der zwischen
1825 und 1850 den Roßgarten des
Forsthauses zu einem gepflegten Park
mit Wegen, verschiedenen Bäumen,
zahlreichen Pflanzen und hervorragenden
 Ausblicken zur See verwandelt.
Dieser Park gehörte zu den
Sehenswürdigkeiten an der Küste. Er
wurde 1840 von König Friedrich
Wilhelm IV. und seiner Familie besucht.
 Ebenfalls besuchte der
Naturforscher Alexander v. Humboldt
diesen Park. Gebauer verfaßte 1828
einen brauchbaren Reiseführer „Die
samländische Küste“. Zuvor war er
auch als Feldvermesser tätig und schuf
Landkarten vom Gutsbesitz.
Von seinem Sohn, Superintendent
Dr. Karl Emil Gebauer, stammen weitere
 Schriften über das Samland, u. a.
ein „Wegweiser durch das Samland“
von etwa 1850. Und vielleicht sollten
wir uns auch an den Gastwirt Pieper
aus dieser Zeit erinnern, der - so
schreibt Gregorovius in seinen
„Idyllen vom Baltischen Ufer“ - als
Fleischer aus Fischhausen stammend,
der dann als Abgeordneter des
Samlands in der Nationalversammlung
in Berlin durch seine Reden bekannt
wurde.

Die weitere Entwicklung des Ortes
Warnicken liegt in einer sehr reizvollen
 Landschaft und hat der
Warnicker Forst den Namen gegeben.
Die Höhe der Steilküste bietet eine
Reihe von schönen Aussichtspunkten,

wie Königsstuhl, Jägerspitze oder
Gebauershöh’. Hinzu kommt der tiefe
Taleinschnitt der Wolfsschlucht, die
die Oberförsterei von dem übrigen Ort
trennt. Diese Naturschönheiten hat
Edgar Schumacher sehr gefühlvoll in
den letzten Folgen des Heimatbriefes
beschrieben.
1900 wurde Warnicken zur
Endstation der Samlandbahn. Die
Verlängerung der Bahn bis Palmnicken
 wurde Mitte der 30iger Jahre
geplant und von Palmnicken bis Groß
Dirschkeim im Oktober 1936 in
Betrieb genommen. Das letzte Stück
von dort bis Warnicken wurde erst im
Frühjahr 1945 provisorisch fertiggestellt.
 Mit der Eisenbahnverbindung in
die Landeshauptstadt nahm auch in
Warnicken der Fremdenverkehr zu.
Für die Gäste mußten Übernachtungsmöglichkeiten
 geschaffen werden.

Das frühere Wohnhaus des Pächters
 der Bernsteingrube war schon seit
langem Gasthaus, nahm dann den
Hotelbetrieb auf und entwickelte sich
zum Kurhaus Warnicken. Etwa zu
Beginn des 2. Weltkriegs wurde der
Hotel- und Kurbetrieb eingestellt. Das
Haus wurde zum Schulungsort höherer
 SA-Funktionäre. Später gab es hier
Medizin-Vorlesungen für front-beurlaubte
 Studenten und schließlich war
beim Besitzer Rehaag der Soldatensender
 „Ursula“ stationiert. Dieser
Sender wirkte von 1941 bis Januar
1945 im Samland und strahlte sein
Programm bis Estland aus. Es war
nicht festzustellen, ob er in der gesamten
 Zeit von Warnicken aus sendete.