Full text : Unser Schönes Samland

Apfelbäume, war sie hingerissen: “Ich
glaubte, dies sei das Paradies”.
Paradiesisch war die Zeit zunächst
nicht. Fritz Berger war gerade aus russischer
 Gefangenschaft entlassen,
Offizier, Pilot, Staffelkapitän während
des Krieges. 1952 trat der Verwaltungsfachmann
 als Buchhalter bei der
Papierfabrik August Koehler AG ein -
der Beginn einer beruflichen Karriere,
die 14 Jahre später zur Erteilung der
Gesamtprokura führte. Fritz Berger
prägte die Geschicke der Firma wesentlich
 mit, bis er 1980 in den
Ruhestand ging - aber natürlich keine
ruhige Kugel schob. Sein Lebensmotto
“Im Leben viel leisten, nicht hervortreten
 und mehr sein als scheinen”, manifestiert
 sich in seinem weit reichenden
kommunalpolitischen, gesellschaftlichen
 und kulturellen Engagement, für
das er 1996 mit dem Bundesverdienstkreuz
 ausgezeichnet wurde.

Von 1972 bis 1989 war Lritz Berger
 für die Freien Wähler im Gemeinderat
 der Stadt Oberkirch, verbunden
mit der Tätigkeit in vielerlei Ausschüssen
 und Gremien.
Er war Ortschaftsrat in Ödsbach,
Mitglied im Aufsichtsrat der
Städtischen Wohnungsbaugesellschaft
und im Ortsbeirat der Volksbank
Offenburg-Oberkirch. “Preußische
Korrektheit”, die immer in der
Mahnung gipfelte: Meidet allen bösen
Schein”, Sachverstand, der sich hauptsächlich
 in Haushalts- und Finanzangelegenheiten
 artikulierte, und permanentes
 Engagement attestieren ihm
politische Weggefährten.

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Christel Berger - sie ist nicht nur
die Frau “an der Seite”: Familie.
Kinder, Rücken freihalten standen
zunächst im Vordergrund: Sohn.
Tochter und fünf Enkel feierten die
goldene Hochzeit mit. Im Alter konnte
sie schließlich noch ihrer großen
Leidenschaft frönen: dem Theater. “In
einer anständigen Familie wird man
nicht Komödiant”, hieß es aus dem
Elternhaus. “Heute erfülle ich mir den
Traum im Herbst meines Lebens“,
schildert sie ihre mittlerweile 16-jährige
 Bühnenerfahrung bei der Burgbühne.
 “Anderen Menschen Freude
bereiten” ist ihr Ziel und das erreicht
sie auch mit literarischen und musikalischen
 Lesungen ganz unterschiedlicher
 Art. Das Ehepaar Berger ist mit
seiner Agilität sicher ein Vorbild für
die Gestaltung des dritten Lebensabschnitts.


Versöhnung
Fritz Berger, Mitglied in vielen
Oberkircher Vereinen, gehörte über
viele Jahre dem Vorstand der
Kreisgemeinschaft Fischhausen an.
Achtmal haben sie ihre Treffen in
Oberkirch abgehalten. 1991 leitete er
die Restaurierung des Stadt- und
Soldatenfriedhofs im russischen
Fischhausen ein, und mit Unterstützung
 von Altbürgern konnte er
zwei Bauprojekte in Angriff nehmen:
die Restaurierung einer Hafenbrücke
und des Platzes um die Friedenseiche.
Daneben leitete er Hilfen humanitärer
Art für bedürftige Menschen ein und
beschafft Spezialnahrung für kranke

Kinder - Versöhnung über Grenzen
und Generationen.
Fritz Berger war dank seiner viel-"altigen
 Sprachkenntnisse auch Pionier
 beim Aufbau der Beziehungen zur
Partnerstadt Haverfordwest. Als
neußischen Beamten oder Fürstbischof

 von Straßburg hat man ihn
auch bei der Burgbühne in Erinnerung.
Theater- und Musikgefährten gestalteten
 mit Pfarrer Sutter für das Paar
einen beeindruckenden und bewegenden
 Festgottesdienst.

Johanna Graupe

Wiedersehen nach 55 Jahren

Auch nach so langer Zeit finden
Familien wieder zueinander und alleingebliebene
 Kinder aus dem nördlichen
 Ostpreußen ihre Identität. Ein
sogenanntes “Wolfskind” - Elli
Gutzeit, die jetzt Elena Jansaviciene
heißt - erlebte dieses Wunder. Sie fand
nach 55 Jahren ihre Familienangehörigen
 wieder.
Nach dem Tod der Mutter hatte es
sie 1946 nach Litauen verschlagen.
Ihre Muttersprache verlernte sie im
Laufe der Jahre, die Erinnerungen
blieben. Die erste Suchmeldung erschien
 im Oktober 1993 im
Ostpreußenblatt.
Vier Jahre später wurde ich erneut
cm Hilfe bei der Suche nach
Angehörigen gebeten. Nachforschjngen
 auch beim DRK Suchdienst in
München und- anderen Organisationen
 blieben erfolglos. Daraufhin vermlaßte
 ich, daß Frau Gutzeit ihre Erinnerungen
 aufschreibt. Der Bericht
enthielt einige, wenige Details, die nur
äe selbst und die Verwandten wissen
¡onnten, die mit ihr und der Mutter
lusammen auf die Flucht gingen.

iichtig

war der Vorname der Mutter.

Frau Gutzeit beschrieb eine Straße, an
deren Ende sich eine Kirche sowie ein
Bunker befanden und daß sie nach
dem Bombenangriff mit der Mutter zu
den Großeltern in ein Dorf übersiedelten.Eine
 Kopie des Erinnerungsberichtes
 ging an das DRK München,
die etwas verkürzte Fassung erschien
im Ostpreußenblatt, blieb jedoch ohne
Resonanz.
Im Mai 2000 traf dann ein Brief des
Suchdienstes mit der Mitteilung ein,
daß sich doch noch ein Hinweis ergeben
 hätte. Der Vater von Elli Gutzeit,
der den Krieg überlebte, hatte nach
vergeblicher Suche 1951 Frau und
Tochter für tot erklären lassen. Er heiratete
 wieder und verstarb vor 23
Jahren ohne sein Kind gefunden zu
haben.
Nun weiß Elli Gutzeit, daß sie in
Königsberg in der Langen Reihe
wohnte und die Kirche, an die sie sich
erinnerte, die Neuroßgärter Kirche
war.
Der Onkel konnte ausfindig gemacht
 werden. Seine Angaben stimmten
 mit dem Bericht von Frau Gutzeit