Einfluß der Aufständischen. Die Sorge vor polnischen Übergriffen
und der Besetzung durch die Polen ergriff natürlich
alle deutschen Dörfer, so auch Schwenten. Am 5. Januar 1919
war der Pfarrer Hegemann mit dem Gastwirt Arthur Schulz
nach Glogau gefahren, um deutsche Schutztruppen anzu fordern.
Doch der dortige Soldatenrat lehnte dies ab, da man sich
zu jener Zeit mental noch mit den polnischen Brüdern solidarisierte,
da auch die Polen die Arbeiter- und Soldatenräte befürworteten.
Die Wende vom sozialistischen Gedankengut
zum Nationalismus erfolgte erst nach dem Scheitern der Revolution.
Der erfolglos zurückkehrende Pfarrer beschloß daher
selber aktiv zu werden, und auf einer direkt danach einberufenen
Gemeindeversammlung wurde Schwenten als neutraler
Staat ausgerufen. Direkt im Anschluß daran nahm er die Verhandlungen
mit den Nachbardörfem Kiebel und Obra auf und
erwirkte einen Nichtangriffspakt mit den örtlichen polnischen
Kommandanten. Hegemann betont in seiner Niederschrift
immer wieder seine Rolle als Außenminister dieses neutralen
Zwergstaates und die Legitimation desselben, der sich auf das
Selbstbestimmungsrecht der Völker - in diesem Fall des Volkes
von Schwenten - berief. Nachdem im Sommer 1919 der
inzwischen aktiv gewordene deutsche Grenzschutz durch die
Alliierten zurückgerufen wurde, herrschte Waffenstillstand im
Grenzgebiet und bei den Versailler Friedensverhandlungen
wurde über die genaue Grenzziehung verhandelt. In dieser
Situation entschied sich Hegemann am 10. August 1919 die
Neutralität seines „Freistaates“ aufzugeben, damit sein Kirchspiel
zu Deutschland kam. Als dann am 9. Juni 1920 die Ententekommission
in Schwenten eintraf, wurde entschieden, das
Schwenten bei Deutschland bleiben durfte.
In wie weit dies ein Verdienst Hegemanns war, bleibt fraglich.
Sicherlich haben die polnischen Einheiten nicht aus juristischen
Gründen von einer Besetzung des kleines Dorfes abge 6