Full text : Unser Schönes Samland

gern hinter mir, ihre Hände ruhen auf
meinen Schultern und leise summt sie die
Melodie des gespielten Liedes. So spiele
ich heute, am Heiligenabend, die alten
Weihnachtslieder auf dem Klavier
ohne anhaken und alle im Zimmer
 singen mit. Danach sagt
Klaus sein Gedicht auf. Heinz
ist schon Soldat und so das
erste Mal zu Weihnachten
nicht unter uns. Jetzt werden,
wie in jedem Jahr, die Geschenke
 ausgepackt und betrachtet.
 Vater sitzt derweil,
beste Laune ausstrahlend,
neben Mutter auf dem Sofa
und wie ganz nebenbei entfährt es ihm:
„Sag mal Liechen, da fällt mir gerade
ein: Wir müssen nach den Feiertagen den
Fritz Birkholz noch fragen, ob wir ihm
vom alten Jahr noch was schuldig sind.
Ich meine da war noch was, aber im Augenblick
 kann ich mich gar nicht entsinnen!“
 - Päng! — Ich fühle wie mein Kopf
plötzlich rot wird wie der Kamm unseres

 Kurrhahns wenn wir ihn gezärgt haben!
 „Jetzt nur keinen ansehen!“, denke
ich und wie wenn ich nichts gehört hätte,
 beschäftige ich mich mit dem Zusatzkasten
 zu meinem Elektro-Experimentierkasten.


Es wurde, wie alle Jahre, noch ein
schöner Heiligabend und wie
immer mit einem Gläschen Portwein
 (vielleicht war es auch eins
mehr?). Kein Wort fiel mehr
über den Bruch am Heiligenabend,
 und der reparierte
Tannenbaumfuß tat noch
beim letzten Weihnachtsfest,
das ich zu Hause erleben durfte, es war
Weihnachten 1943/44, brav seinen
Dienst.

Horst Buldt (ehern. Geidau)
Neddem End 6,
24787 Fockbek
Tel.: 04331 - 608 362

Vom Abgnascheln, Abkaddern, Baschein

und Rumlamentieren

^J^ie ostpreußische Sonne meinte es
\ jmal wieder gut und Willi saß
^^^mucksch auf der Bank vor der
Haustür. Den rechten Fuß hatte er bis
zum Bauch hoch gezogen und puhlte an
den Zehen, einfach so aus lauter Langeweile.

Er granste und schniefte, gerade mal
so viel, dass es der Mutter auf die Nerven
 ging. Und auch, weil er unbedingt

seinen Kopf durchsetzen wollte. Sein
kleines Kinderherz wusste ja auch noch
so wenig vom Leben und darum war es
ja so schwer. Anni Bilbat machte die
Feuerklappe am Herd auf und warf den
zusammengefegten Gruschel, der aus
Holzsplittern, Borke, Sand und Papierschnipsel
 bestand, mit gekonntem
Schwung hinein. Zwei Dittchen wollte
der kleine Gnos haben. Er hatte immerzu

Fortsetzung auf Seite 78

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Heilige Nacht im Wandel der Zeit

Als ich ein Kind noch gewesen,
das ist schon lange her,
da war Weihnachten ein Erleben,
ein Märchen und noch viel mehr.
Es gab nur kleine Geschenke,
denn wir waren nicht reich,
doch diese bescheidenen Gaben
kamen dem Paradiese gleich.
Da gab es Äpfel und Nüsse,
mitunter auch ein Paar Schuh,
und wenn es die Kasse erlaubte,
ein kleines Püppchen dazu.
Wie war doch das Kinderherz selig
ob all der schönen Pracht,
und es war ein herrliches Raunen
um die Stille, Heilige Nacht.

Dann wurde ich älter und größer
und wünschte mir das und dies,
ich hörte auf ans Christkind zu glauben
und verlor dabei das Paradies.
Und dann kam der Krieg
mit all seinen Leiden, mit Hunger und Not.
Da wurde ich wieder bescheiden
und war dankbar für ein Stück Brot.
Wir alle wurden da kleiner
und nur ein Wunsch hatte noch Macht,
wir wollten vereint sein mit unseren Lieben
in der Stillen, Heiligen Nacht.
Doch der Wunsch erfüllte sich selten,
denn die lagen draußen und hielten Wacht.
Und wir waren einsam und weinten
in der Stillen, Heiligen Nacht.

Und als dann der Krieg war zu Ende,
wuchs eine neue Jugend heran,
und die hatte auch ihre Wünsche
an den lieben Weihnachtsmann.
Nur waren diese nicht klein und bescheiden,
denn der Wohlstand kam ins Land,
~-*~~die Wünsche wurden größer und größer,
und das Schenken nahm überhand.
Nun wird gewünscht und gegeben.
Und keiner fragt nach dem Wert,
vergessen sind Krieg und Armut
und die Stunden am einsamen Herd.
Aus dem schönsten der christlichen Feste
hat der Mensch einen Jahrmarkt gemacht,
er wünscht sich vom Besten das Beste
und vergisst dabei den Sinn der HEILIGEN NACHT!

Verfasser unbekannt,
eingesandt von Herbert Paulusch