alten Palmnicker Freundinnen erzählten
mir, sie hätten eine Tür im Keller der
Kirche gesehen, die zu einem ganz dunklen
Gang in die Tiefe geführt hätte!
Wenn wir damals bei unserer Wanderung
endlich auf dem großen Platz auf
dem obersten Gipfel angekommen waren,
gab es erst einmal eine Pause. Wir
aßen unsere Stullen und unser Lehrer
Emil Mross erzählte uns etwas über die
Geschichte dieser alten Fliehburg der
Pruzzen. Bei Gefahr zogen die Menschen
aus der Umgebung hierher und hatten zu
ihrer Verteidigung ein oder zwei, vielleicht
auch drei Verteidigungswälle um
den Platz errichtet. Was unser Lehrer
noch zu dem Gedenkstein, der auch
einmal hier stand, sagte, ist mir leider
entfallen. Ich glaube, er sprach von einer
Schlacht, aber die fand nicht zur Zeit
der Pruzzen statt, sondern später, oder?
Wer weiß es? Wo der Gedenkstein einmal
stand, liegt heute ein Haufen kleiner
Findlinge herum. Wir waren damals auch
nicht sehr interessiert daran, was uns unser
Lehrer zu erzählen hatte, zumal uns die
Mücken piesackten und die Hemskes
auch. Außerdem sollte es hier auch noch
Kreuzottern geben! Wer wollte denn da
noch zuhören, wir hatten was anderes im
Kopf, wollten doch unseren Spaß haben
und schabberten und quidderten rum.
Maiglöckchen und Vergissmeinnicht
wollten wir schließlich auch noch pflücken!
Wir wagten uns aber nicht allzu
weit in den Wald, damit wir uns nicht
verbiesterten.
Leider hatten wir nicht viel Zeit bei
unserem diesjährigen Besuch auf dem
Hausen, wegen einer Verabredung in
Palmnicken und wir konnten gar nicht
so recht unseren Gedanken und Erinnerungen
nachhängen, wie wir gerne wollten
- und die Mücken gibt es auch
immer noch.
Wieder zu Hause in Deutschland,
sprach ich mit einer Deutschen, die mit
verschiedenen modernen Geräten den
Platz auf dem Hausen abgesucht und
auch an einigen Punkten starke elektromagnetische
Kräfte gefunden hat. Ich
erzählte ihr, dass früher ein unterirdischer
Gang von der Germauer Kirche hierher
geführt haben soll. Sie war begeistert von
dieser Sage und meinte, wenn es den
einmal gab, könnte man ihn mit den
heutigen modernen Geräten aufspüren.
Sie will im nächsten Jahr noch einmal
auf den Hausen steigen und suchen. Sie
hat mich eingeladen mitzukommen.
Wenn was daraus wird, werde ich euch
davon berichten.
Das war ein kleiner Bericht von meiner
letzten und neunten Reise in die Vergangenheit.
Es gibt also doch immer
wieder etwas Neues zu entdecken.
Vielleicht sehen wir uns im April beim
Treffen der Bernsteinanhänger in Köln?
Wir haben wieder ein schönes Programm.
Ein frohes Weihnachtsfest und Gesundheit
für das neue Jahr wünscht Euch
Eure Hanni Lenczewski-Wittke
Hummelnstück 29
58762 Altena
Tel. 02352 / 526 68
Redaktionsschluss für Folge 173 ist der 10. Januar 2007
70
— Zum Volkstrauertag £006
Vor
96 Jahren begann ein Lebensbild.
Meine Geschichte beginnt wie alles
auf unserem blauen Planeten mit einer
Geburt. Da wurde in der schönen Stadt
Heidelberg am Neckar ein Junge geboren,
nennen wir ihn einmal Hans. Er
wuchs dann in Mannheim auf, ging zur
Schule und erlernte später den anspruchsvollen
Beruf eines Metallflugzeugbauers.
Die beginnende Aufrüstung Deutschlands
brauchte viele Fachleute und so trieb es
ihn vom Rhein zu den Arado-Flugzeugwerken
nach Warnemünde an die Ostsee.
Dort fand er bald eine Frau, heiratete
in Mecklenburg und es entsprossen
dieser Ehe drei Kinder.
Aber bald wurde die Zukunft der Kinder
unsicher, denn die Flugzeuge von
Arado wurden für einen großen Krieg
gebraucht. Gegen Ende des Krieges musste
auch unser braver Flugzeugbauer den
Hammer mit dem Gewehr vertauschen.
Bald stand der Feind im Osten an den
Grenzen des Landes. Bei diesen Abwehrkämpfen
in Ostpreußen, um der Zivilbevölkerung
die von Gauleiter Koch viel
zu spät genehmigte Flucht zu ermöglichen,
wurde unser Soldat im Kessel von
Heiligenbeil am Bein verwundet. Die
Hast des Transportes nach Pillau und der
Mangel an Medizintechnik bewirkten,
dass die Verwundeten teilweise nur mit
Papierverbänden auf die Lazarettschiffe
und dann nach Dänemark gebracht wurden.
Im Hospital von Kopenhagen wurde
dann nur noch Gasbrand festgestellt
und es gab keine Rettung mehr. So starb
er dann am 10. März 1945 und seine
Witwe blieb mit drei kleinen Kindern
allein in Deutschland zurück.
Das große Land im Herzen Europas wurde
besiegt und alle anderen unterjochten
Länder wurden befreit, aber für welchen
Preis.
Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge
hatte in Kopenhagen am Rande
des „Vestre Kirkegärd“ eine Ruhestätte
für 8.655 deutsche Soldaten und Flüchtlinge
errichtet, diesen Friedhof galt es
nun zu besuchen.
Zwei alte Leute strebten nun per Schiff
diesem Friedhof zu. Ein Gedenkstein, ein
Lageplan und ein großes Kreuz kennzeichneten
die Wiese mit den vielen
Granitkreuzen. Nach den Nummern und
Daten fanden sie bald jene Grabstelle (Jedes
Grab enthält vier Urnen mit der Asche
von je acht Menschen).
Sie legten zwei Blumensträuße nieder
und verharrten in stillem Gedenken.
Dann machten sie Fotos und entfernten
die Blumen wieder, weil es nicht erwünscht
war. Ringsumher zwitscherten
die Vögel und freuten sich über 60 Jahre
Frieden. Am strahlend blauen Himmel
segelten weiße Wolken und sie schämten
sich der Tränen nicht. Dann gingen sie
zum großen Gedenkkreuz und legten dort
ihre Sträuße zu den anderen, setzten sich
auf eine Bank und hielten eine Stunde
Andacht. Eine Amsel flog von Stein zu
Stein und schmetterte ihr Liedchen in die
Luft. Dann nahmen sie endgültig Abschied
und mit dem Bus ging es über
mächtige Hängebrücken durch ein
freundliches Land. Die Fähre brachte sie
dann über die Ostsee nach Warnemünde
zurück.
Möge die Ostsee immer ein Meer des
Friedens bleiben. 55 Millionen Tote mahnen
für den Frieden.
Heinz Bleeck
Erich-Weinert-Str. 37
18059 Rostock