sehen hier ein bisschen mehr Zuversicht.
Wie sehr wünscht man ihnen, dass dieses
Wort Raum findet in ihrem Alltag. Wir
Pastoren können einiges dazu beitragen,
durch die Predigt, aber besonders auch
durch persönliches Engagement, durch
Präsenz in den Gemeinden. Leider bin
ich in diesem Jahr viel zu wenig dazu
gekommen. “
eingesandt von
Hadwiga Meyer
Stader Str. 5
21737 Wischhafen
— Notizen aus dem Samland
Obwohl
viele ehemalige Ackerflächen
im Samland - vor allem
in Haffnähe und beiderseits der
Straße Königsberg - Cranz sowie nordwestlich
Königsberg - nach wie vor als
Brachland liegen, ist erstaunlicherweise
doch schon mehr Fläche in letzter Zeit
bearbeitet worden. Auch kann man
wieder hier und da einige instandgesetzte
Stallungen und Wirtschaftsgebäude bestaunen.
Größere Rinderherden habe ich
schon lange nicht mehr gesehen. Auf den
örtlichen Märkten kann man Erzeugnisse
aus dem Samland so gut wie nur von
den „alten Mütterchen“ kaufen, die Kartoffel,
Salat, Gemüse, Gewürze, Quark,
Milch, Eier und Obst von ihren Datschas
anbieten.
Fisch dagegen ist reichlich und halbwegs
preiswert zu bekommen. Die Preise sind
- gemessen an den Einkommen - hoch.
Viele Waren auf den Märkten stammen
aus Polen und z. T. auch aus Litauen.
Bei einem Teil des Fleischangebotes, vor
allem Geflügel, handelt es sich um Gefriergut
aus dem Ausland (z. T. Südamerika).
Eigentlich kann man heute alles kaufen.
Die Tresen in den z. T. recht primitiven
Verkaufsständen auf den Märkten
quellen oft von Waren aller Art über, bis
-
hin zu Südfrüchten. Wenn man das
Warenangebot in den Markthallen in
Königsberg sieht, dann fragt man sich,
wer soll diese Mengen an Fleisch, Obst
und Gemüse eigentlich kaufen? Auch in
den Kaufhäusern und Baumärkten steht
das Angebot auf keinen Fall hinter dem
deutscher Einrichtungen zurück. Z. T.
fällt ein Preisvergleich mit Deutschland
hier günstiger aus - allerdings nur im
Umrechnungskurs zum Euro. Die
Käufermassen versetzen mich immer
wieder in Erstaunen, wie die Leute sich
das alles leisten können.
Es
wird hier immer wieder davon gesprochen,
dass unbedingt die Einreise
in das Königsberger Gebiet für Touristen
etc. erleichtert werden soll. Auch
wird daran gearbeitet, in Pillau/Baltijsk
eine Art Freihafen mit Anlegestellen für
Fähren usw. einzurichten. Das würde eine
Einreiseerleichterung bedeuten. Da die
Stadt aber im militärischen Sperrgebiet
liegt, hat das Militär somit auch die Oberhoheit
und die Zivilverwaltung ist so gut
wie machtlos! Hatte sich in letzter Zeit
die allgemeine Lage etwas entspannt und
waren dadurch Besuche etwas erleichtert,
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V T
so hat jetzt ein Zwischenfall bestätigt,
dass dieses sehr friedliche Bild trog. Was
ist passiert? Zwei Segler aus den neuen
Bundesländern wollten bei einem Segeltörn
den zivilen Teil im Hafen von Pillau
anlaufen. So fuhren sie gutgläubig -
ohne Erlaubnis - in das „Sperrgebiet“
ein, was, wie es hieß, bei den „Grenzschutzdienststellen“
einen Alarm ausgelöst
habe! Zufällig hatte ein Amateurfunker
die Segler entdeckt und nahm
sofort Funkkontakt auf. Es gelang ihm
noch rechtzeitig, die Sicherheitskräfte
von Maßnahmen abzuhalten und er geleitete
per Funk die Segler zum Hafen
von Neukuhren. Dieser Vorfall hat
wieder einmal gezeigt, dass die in der
Welt üblichen Verfahren noch immer nicht
für die Russische Föderation gelten. Dieses
bestätigte sich erneut, als ein in Litauen
nachgebauter Kuhrenkahn zu einer
Festveranstaltung in Cranz eingeladen
war und nach Cranzbeek kommen
sollte. Die Einfahrt über das Haff wurde
jedoch an der Grenze verweigert.
Der
Umgang mit den Zivilbehörden
ist dagegen wesentlich unkomplizierter,
seit Vertreter einer neuen Generation
überall die Spitzenämter übernommen
hat. Hier macht sich auch der Einfluss
der - meist nur für den Sommer -
„zugewanderten“ Moskauer bemerkbar,
die unter dem Bürgermeister Luschkow
gelernt haben großzügiger zu denken und
zu handeln. Diese sehr „wohlhabende“
Gruppe findet man schon überall im
Samland. Selbstverständlich werden die
Küstenorte bevorzugt, allerdings werden
auch alte Güter aufgekauft.
Mit
Beginn der Schulferien sind im
ganzen Gebiet wieder Kinderlager
bezogen worden und auch in den Orten
richteten die Schulen Tageslager ein, die
sehr gut angenommen werden.
Das
Badewasser an der Samlandküste
liegt allgemein zwischen 18 bis 21
Grad mit Ausnahme in der Cranzer
Bucht, wo die Temperaturen in der Regel
2 bis teilweise 4 Grad darunter liegen.
Leider sind im letzten Jahr wieder
erhebliche Sandmengen von den Ufern
fortgespült, da für den Küstenschutz
nichts oder kaum etwas getan wurde.
Stellenweise wird immer noch, mit Ausnahme
in der Cranzer Bucht, Abwasser
in die See geleitet.
Ganz allgemein ist das Ostseewasser
aber von guter Badequalität und lässt auf
eine gute Saison hoffen. In den Städten
und Ortschaften finden jetzt überall die
jährlichen Stadtfeste statt, an denen die
ehemaligen Bewohner und Ortsvertreter
eingeladen sind, sich zu beteiligen - eine
Möglichkeit gute Kontakte herzustellen
oder auszubauen!
Der
Bitte nach Abdruck aller für das
Samland gültigen neuen Vorwahlzahlen
kann ich leider noch nicht nachkommen,
da ich bisher noch kein komplettes
Verzeichnis habe erhalten können.
Ich bleibe aber „am Ball“.
Schönen Urlaub!
u . 73