Full text : Unser Schönes Samland

während ihres Aufenthaltes in Die Schule in Schaaksvitte Foto: priv.
Altenburg/Thüringen Foto: priv.

Die Leitung der Schule wurde Fräulein
Simpson übertragen, die die Schule mit
Geschick führte. Besonders streng war
sie beim Religionsunterricht, der jeweils
montags und donnerstags in der ersten
Stunde stattfand. Vorbildlich mussten
sich die Schüler(innen) dann verhalten,
wenn der Herr Schulrat Babbel die Schule
besuchte und er den Kenntnisstand der
Schulkinder prüfte. Etwa Mitte Januar
1945 wurde die Schule angesichts der anrückenden
 Front geschlossen.

Herr Schmissat soll vermisst sein, Fräulein
 Simpson hatte nach 1945 zunächst

(Fortsetzung aus Folge 170, Seite 72)

Leute
Langweilig ist’s auf der Fähre nie. Man
sieht ja Leute. „Husch“ Franke, mit dem
sie in die Grundschule geht. Sie verliebt
sich in den großen Jungen mit den brauin

 Altenburg/Thüringen bei der Evangelischen
 Kirche eine Arbeit gefunden; später
 war sie eine geraume Zeit in Rheinkamp-Eick/Niederrhein
 im Schuldienst
tätig. Herr Knitter war nach dem Kriege
wieder im Schuldienst in Schleswig-Holstein
 eingesetzt.
Die Schule in Schaaksvitte ist heute
verwahrlost und wird verschiedentlich
noch als Wohngebäude genutzt.
Meinen lieben Landsleuten alles Gute
Euer Herbert Laubstein
Amselstraße 29
58285 Gevelsberg
Tel. 02332 / 80 577

nen Augen. Leider merkt er es nicht.
Hingegen herrscht die Meinung, Heller
Gronau ginge mit ihr. Barer Unsinn.
Ein anderer Junge erregt allerdings
Wiebkes Aufmerksamkeit, Götz Friedrich,
 um einige Jahre jünger als sie. Sie
verguckt sich in seine Knabenschönheit.

Blondes Haar liegt in gleichmäßigen
 Wellen auf seinem
Haupt, als sei es aus Marmor
gemeißelt. Nie sieht sie, dass
etwa ein Windstoß diese Haare
 durcheinander gebracht
hätte. Und dann seine Nase!
Sah sie je eine ähnlich wohlgeformte?
 Lange betrachtet
sie sie und gerät heimlich in
Entzücken beim Anblick der
zart vibrierenden Nasenflügel.

Der Name Götz Friedrich taucht viel
später, etwa in den 70er Jahren wieder
auf, als der begabte und gefeierte Opemintendant
 in Hamburg und Berlin. Solle
das er sein, der hinten auf dem Russendamm
 wohnte und eine wunderschöne
junge Mutter hatte?
Wiebke ist davon überzeugt und freut
sich, wenn sein Name durch die Medien
geht. Ihn aufzusuchen aber hat sie nie
gewagt.

Arbeiter vom Hafenbauamt
Nach Feierabend zwischen 17 und 18 Uhr
steigen diese auf die Fähre. Sie wollen
nach Hause. Wiebke mag dann gern auf
der Fähre sein. Unauffällig stellt sie sich
in ihre Nähe, mustert sie, hört zu. Arbeiter
 sind anders. Sie reden anders, als sie
es von zu Hause her kennt. Sie lachen
anders, laut, heiser, tief. Sie stehen anders
da, breitbeinig, fest. Hände in der Hosentasche.
 Sie haben sich immer was zu
erzählen, was Wiebke nicht verstehen
kann und auch nicht soll, dann, wenn sie
ihre Köpfe zusammenstecken, bis die
Lachsalve kommt, mehrstimmig. Manch
einer klatscht sich auf die Schenkel.
Jetzt begibt sich eine Männergruppe an
den Bug der Fähre. Lässig stehen sie da,

sagen nichts. Doch ihre Münder bewegen
 sich gleichmäßig hin und her, hin
und her.
Kautabak, Wiebke weiß es. Gleich
wird es spannend. Das weiß sie auch und
drängelt sich nach vom, wagt sich zwischen
 die Männer. Einer bemerkt sie.
„Na, Wiebche, willst mal wieder zugucken?“
 Sie machen Platz. Wiebke hat die
sonnengebräunten Männergesichter mit
der krustigen Haut jetzt ganz nah.
Sie kauen immer noch. Der braune
Tabaksaft drängt sich bereits gegen die
Lippen, färbt sie braun, eklig braun.
Muss wohl sein, denkt sie, gleich wird’s
losgehen. Da, jetzt! Der erste spuckt, der
zweite, der dritte. Die Spucke macht einen
 hohen Bogen, weit, weiter. Wer am
weitesten kommt, wird beklatscht, die
Männer lachen und zeigen ihre braunen
Zähne. Dennoch - ihre Spucke ist nicht
gleich Spucke. Gegen den Abendsonnenschein
 funkelt sie, als seien es tausend
 Bemsteintröpfchen.

Die Politik und die Stimmen der Arbeiter

Wiebkes Vater, Leiter des Pillauer Hafenbauamtes,
 ist ein beliebter Chef. Er kennt
seine Belegschaft, kennt die Arbeiter.

Die Fähre Russendamm in Pillau

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