Full text : Unser Schönes Samland

Umbau der katholischen Kirche in Rauschen zum
Orgelsaal, um 1997 Foto: Prospekt Prof. Makarow

interessant wäre etwas über das Verhalten
 und die Arbeit als Bürgermeister in
den Jahren 1945/46 zu erfahren. Herr
Stechert wurde abgelöst und soll durch
Herrn Osterod als Bürgermeister ersetzt
worden sein. Herr Stechert musste dann
in der Mühle arbeiten und soll bei dieser
Arbeit krank geworden und gestorben
sein. Die bekannten Aussagen über das
Verhalten des Bürgermeisters seinen deutschen
 Mitmenschen gegenüber sind unterschiedlich:
 Einerseits schikanös und
andererseits hilfreich.
Wer kennt die Personen, weiß Näheres
 oder kann weitere Aussagen zu den
Bürgermeistern von 1945 - 1948 machen?

Nun will ich noch eine Ergänzung zur
Geschichte der katholischen Kirche von
Rauschen bringen. Horst Kischnick,
Georgenswalde, schilderte mir einige
Begebenheiten aus seiner Kinderzeit und
nach 1991. Bemerkenswert ist, wie tolerant
 die religiöse Erziehung für ihn und
seinen Bruder Benno als Kinder aus einer

 evangelisch-katholischen Mischehe in
einer fast ausschließlich evangelischen
Gegend verlief. Er berichtet über die
Besuche in der katholischen Kirche in
Rauschen und von den Veränderungen an
der Kirche nach der Grenzöffnung.
Es hat wohl eine Weile gedauert bis
sich die Eltern auf die katholische Erziehung
 der Jungen geeinigt hatten. Denn
Horst wurde erst mit 4 Jahren nach der
Geburt seines Bruders Benno durch
Probst Meier aus Königsberg in der Kirche
 „Maria Meeresstem“ in Rauschen getauft.
 Wie er schreibt, war er alt genug,
um auf die Frage, ob er getauft werden
wolle, auch selbst zu antworten. Er sagte
 „Nein“, doch das nützte nichts. Bis zum
11. Lebensjahr besuchte er die Schule in
Georgenswalde und ging dort auch mit
seinen Klassenkameraden zum evangelischen
 Religionsunterricht. 1940 kam er
dann zur Vorbereitung auf die Erstkommunion
 für ein paar Monate in ein von
Nonnen geführtes Waisenhaus nach
Königsberg-Ponarth. Bei den Nonnen
lernte er als Messdiener zu fungieren.
Dieses Amt übte er dann auch nach seiner
 Kommunion in der katholischen Kirche
 in Rauschen aushilfsweise bis zum
Ende seiner Schulzeit aus. Wenn er
sonntags den Gottesdienst besuchte und
kein Messdiener anwesend war, wurde er
aufgefordert diese Aufgabe zu übemeh- !
men. Da - außer der Predigt - der Gottesdienst
 in lateinischer Sprache gehal- |
ten wurde, musste der Messdiener den >
Ablauf des Gottesdienstes genau kennen
und beim richtigen Stichwort den Gläubigen
 die Glöckchen erklingen lassen.

Normalerweise wurde dieses Amt von
anwesenden katholischen Soldaten aus
Neukuhren versehen. Zu den Aufgaben

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Prof. Makarow (Bildmitte) Foto: Prospekt Prof. Makarow

des Messdieners gehörte es auch, die
Kirchenglocken zu läuten. Dies geschah
mittels eines Seiles am Kircheneingang.
Ferner hatte der Messdiener die Kerzen
auf dem Altar anzuzünden.
Die Pfarrer kamen aus Königsberg
oder waren als Gäste aus anderen Orten
anwesend und sind namentlich leider
nicht bekannt.
Bei den Besuchen in der Heimat nach
der Grenzöffnung hat Horst Kischnick
auch seine Kirche besucht. 1992 war das
noch etwas schwierig, denn die Straßen
hinter dem Warmbad waren verändert
und manches war durch hohe Bretterwände
 abgesperrt. Das Kirchlein sah
ziemlich verwahrlost aus. 1993 und 1995
besuchten Horst und Benno gemeinsam
die Kirche, schauten durch die Fenster
und konnten nur einen leeren Raum mit
ramponiertem Fußboden sehen. Horst
vermutet, dass im Kirchenraum eine Disko
 gewesen ist.

Ganz anders war das Bild 1997. Die
Fenster waren nach oben versetzt, so dass
man nicht mehr einfach hineinschauen
konnte. Es war aber zu erkennen, dass

alles neu war und das Gebäude jetzt auch
ein neues Dach aus Blechen hatte, wie es
zu dieser Zeit modern wurde.
Am Abend fand in der ehemaligen
Kirche ein Konzert eines Organisten aus
St. Petersburg statt. Nach einem Vorspiel
an einer Hammond-Orgel und dem Ave-Maria,
 von einer Sängerin vorgetragen,
stellte sich der Organist vor, spielte zunächst
 klassische Orgelstücke sowie Lieder
 der russischen Folklore und ging dann
zum Jazz über. Bei diesem Besuch sahen
wir, dass auch innen das Dachgewölbe
neu gestaltet war.

Horst Kischnick berichtet: „1998 war
ich mit meiner Tochter in Rauschen. Nach
einer längeren Wanderung kamen wir zur
ehemals katholischen Kirche und ruhten
uns dort auf der Bank vor dem Haupteingang
 aus. Aus dem Gebäude kam ein
Ehepaar und mit der Frau konnten wir
uns auf Englisch unterhalten. So erfuh-Der

 Orgefprospekt Foto: Prospekt Prof. Makarow

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