Full text : Unser Schönes Samland

Der Familiengrabstein der Familie Schnetka Fotoipnv.

Ortschaft Georgenswalde habe ich den
Friedhof gefunden. Ich wusste bereits,
dass der Grabstein ein großer Findling
ist, der neben einem Baum stand. Nach
langem Suchen habe ich einen Findling
neben einem Baum gefunden. Er war
allerdings umgestoßen und die Schrift
war nicht zu sehen. Lange bin ich um
den Stein herumgeschlichen. Bei einem
Besuch meiner Schwester und meines
Schwagers im letzen Sommer, haben wir
uns an die Freilegung gewagt. Unsere
Mutter sagte früher: „Der Stein ist so
groß, den schleppen die Russen nicht
weg.“ - Sie hatte Recht. Wir unterhöhlten
 ihn von einer Seite, und die Freude
war unbeschreiblich, als wir erkannten,

groß, das wir ihn alleine
nicht aufstellen konnten.
Durch die tatkräftige hülfe
 eines Freundes, der Verbindung
 zur russischen
Armee hatte, wurde der
Stein endlich aufgerichtet.
 Es war wohl auch für
die Männer eine Knochenarbeit.
 Die Verwüstung
 des Friedhofs hat die
jungen Leute sehr verwundert.
 Sie wirkten doch
sehr nachdenklich angesichts
 dieser Situation.
Im März 2004 konnte
ich dann den Stein aufgestellt
 bewundern und
las die Inschrift:

RUHESTÄTTE der FAMILIE

SCHNETKA

Christel Schnetka
22.12.1904 - 20.8.1936

Im April 2004 hat mich meine Tochter
 zum Friedhof begleitet Wir haben eine
Akelei gepflanzt. Ob sie im Herbst noch
steht und im kommenden Jahr wieder
blüht? Ich hoffe es sehr.

Lore Jaschob, geb. Schnetka
Falkstätterstr. 10
12621 Berlin

es ist unser Familiengrabstein: Er ist so

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64

Ein seltener Qegenbesvich

f^|tn 26. Januar 1945 musste sich auch
II die Familie von Richard Brauer, die
'▼▼in Liska-Schaaken eine Getreide-Mühle
 besaß, vor den anrückenden russischen
 Truppen auf die Flucht begeben.
Da Herr Brauer zum Volkssturm einberufen
 worden war, oblag es der Frau
Brauer, die Fluchtvorbereitungen zu treffen.
 Mit ihrer Mutter und fünf Kindern,
das Jüngste war 9 Monate alt, wurde der

Das F-laus der Familie Brauer in Liska-Schaaken Foto: priv.

Pferdewagen mit einer Plane, die gegen
Kälte schützen sollte, versehen. Über
Powunden ging es in Richtung Fischhausen
 und Pillau. Von dort aus mit einem
 Schiff nach Gotenhafen und einige
Tage später mit einem größeren Schiff
über die Ostsee und durch den Nord-Ostsee-Kanal
 nach Hamburg.
Da ein Verbleiben der Flüchtlinge in
Hamburg nicht möglich war, wurden sie
mit dem Zuge in Richtung Lüneburg
verfrachtet. Von Ort zu Ort hielt der Zug
an, wobei jeweils ein Waggon mit Flüchtlingen
 abgekoppelt wurde. So endete für
die Familie Brauer die Flucht am 17.

Februar 1945 auf dem Bahnhof Radbruch.
 Wie andere Flüchtlinge wurde
auch die Familie Brauer bei einem Bauern
 in Oldershausen, Winsener Marsch,
untergebracht. Es war die Familie Heinrich
 Harms 2, bei der sie eine warmherzige
 Bleibe fanden. In der Folgezeit entwickelte
 sich mit der Bauersfamilie ein
Leben in familiärer Atmosphäre.
In Gesprächen blieb es nicht aus, dass

auch über Ostpreußen
und den Heimatort der
Brauers, Schaaken, geredet
 wurde. Der Sohn
der Gastfamilie Hans-Günther
 Harms hat es
sich im Juli 2004
nicht nehmen lassen,
nach Nord-Ostpreußen
und somit nach Liska-Schaaken
 zu reisen
und die jetzigen Besitzer
 des Brauerschen
Hauses zu besuchen.
Herr Harms wurde
von der betreffenden
russischen Familie, die
inzwischen mit den
Kindern der Familie Brauer ein freundschaftliches
 Verhältnis pflegt, herzlich
aufgenommen.
Nach fast 60 Jahren hat somit ein „Gegenbesuch“
 eines Familienmitgliedes der
Gastfamilie, bei der die Familie Brauer
1945 als Flüchtlinge untergekommen
war, stattgefunden. Herr Richard Brauer
ist in russischer Gefangenschaft umgekommen.


Herbert Laubstein
Amselstraße 29
58285 Gevelsberg
Tel./Fax 02332/30577