— Erlebnisse auf Qut Overkamp
von Irene Eckert-Möbius
Manche
Aussprüche der Gutsleute
waren einfach herzerfrischend urtümlich.
So erinnere ich mich an ein
Erntefest - ich war noch keine
10 Jahre alt - und natürlich
tanzte auch keiner mit
mir. So hatte ich mir etwas
anderes vorgenommen. Ich
sammelte Biermarken von
einigen und holte an der
Theke für sie das Bier. An
der Theke aber stand der gute,
alte, verlässliche Tobehn
mit seiner auf die halbe Nase
geschobenen Brille und
schenkte aus. Als ich mich
nun oft an der Theke sehen
ließ, sagte er mit gesenktem
Blick über seine Brille mir
Kutschstall war. So sattelte er mir auch
einmal das Pferd und half mir auch in
den Sattel. Dabei ließ er die Bemerkung
fallen: „Freileinche, se
mutte mehr äte, damit se de
Bixe voll kräje!“ (Damit
war der von meinem Po
nicht ausgefüllte Teil der
Hose gemeint).
Als ich vom dem Ausritt
nach Hause kam, ging ich
noch in die Gärtnerei. In
der Blumenrabatte kratzte
der alte Tauer. Das waren
ja die leichten Arbeiten für
Rentner, wenn sie noch
nicht Zuhause bleiben wollten.
So im Vorbeigehen guckt
er mich an - schüttelt den
tief in die Augen sehend. Frau Eckert-Möbius beim Tröm- Kopt und sagt. „Freilein-„Renke,
Renke — besup di pau-Treffen 1998 Foto:pnv che, sehäbbejodeBixeorman
nich.“ dentlich voll Gas!“ - Und
das alles an einem Tag! Ich war bedient!
Die Reithosengeschichte
So mit 11 Jahren bekam ich zum ersten
Mal eine Reithose, zuvor musste ich im
Röckchen reiten. Natürlich vom Schneider
gemacht. Ballonschnitt war damals
modern. Die ganze Machart war auf Zuwachs
berechnet. Es war ein sehr guter
Stoff, doch die Farbe grauslich, braunbeige-meliert.
Vielleicht, damit man den
Dreck darauf nicht so leicht sah. „Meckern“
gab es ja damals für unsere Altersstufe
noch nicht. Ich trug diese Hose
treu und brav, aber nicht gern und da ich
auch weiterhin ziemlich klein und spindeldürr
blieb, wuchs ich auch nie richtig
in sie hinein. Inzwischen war ich älter
geworden — so vielleicht 16 Jahre und
„stieg auf ein großes Pferd um“. Es war
der alte Plaep, der damals Helfer im
Von nun an zog ich die Hose nicht mehr
an. Eine neue musste her!
... Mit dem Abdruck dieser Erlebnisse aus
der Kinderzeit von Irene Eckert-Möbius
auf Gut Overkamp in Trömpau möchten
wir die Initiatorin unserer Gruppe, die
nunmehr seit 1982 Bestand hat, unsere
Ehrerbietung aussprechen und herzlichst
zum 90. Geburtstag
am 10. Juni 2006
gratulieren. Wir wünschen weiterhin alles
Liebe und Gute, vor allem aber Gesundheit,
im Namen der Trömpau-Gruppe
Edeltraut Mettchen
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Liebe Peyser Heimatfreunde!
„ Wohl fand ich, was Herz und Aug ’ ergötzte,
doch nicht was meine Heimat mir
ersetzte! “
Mit diesem Spruch, meine Lieben, will
ich Euch unsere liebe Heimat Peyse im
Samland ein bisschen näher in Erinnerung
bringen. Mit meinen 85 Jahren bin
ich jetzt im Traum noch oft in unserem
Dorf. Jetzt Ende Februar war die Eisfischerei
vorbei. Bei der Garnfischerei
waren zwei Segelfahrzeuge zusammen,
die nannte man Sieken, bei der Aalfischerei
wurden die großen Angelkähne
eingesetzt, davon gab es bei uns auch etliche
an der Zahl. Dann freute man sich
auf die Zeit der Strömlinge, anschließend
wurde feste im Dorf geräuchert. Es gab
ja viele Fischarten im Haff, besonders
Zander, Brassen und Aale. Mir läuft heute
noch das Wasser im Munde zusammen,
wenn ich daran denke, wie die Halbfische
so von vier bis fünf Pfund in Bier gekocht
und zubereitet wurden.
Ganz früher gab es aber auch viel Armut
unter den Fischern. Wer kann sich
noch daran erinnern? Mitte der Dreißiger
Jahre, als die Jungfischer neue Fangmethoden
ausübten, war die Fischerei
ertragreicher geworden und die Fischer
wohlhabender.
Auch hier, meine lieben Heimatfreunde,
wollen wir unserer Heimat Ostpreußen
die Treue halten. Aber die Liebe
Gottes kann uns niemand nehmen, das
durfte ich in meinem Leben oft erfahren
bis in mein hohes Alter.
In Liebe und auf ein Wiedersehen im
September in Pinneberg
Euer Fritz Gerwien,
genannt Käike Fretz,
Doktorkamp 8
38302 Wolfenbüttel
Mein Elternhaus in Peyse
Meines
Vaters Elternhaus stand im
schönen Samland in Seefeld, einem
Dörfchen mit etwa 20 Häusern. In der
Nähe von Seefeld befand sich der höchste
Berg Ostpreußens, der Galtgarben, 144
Meter hoch. Das Maurerhandwerk hatte
in Vaters Elternhaus Tradition. Mein Urgroßvater,
mein Großvater und mein Vater
hatten ein Baugeschäft und waren
selbständige Unternehmer. Ihr Beschäftigungsfeld
war das ganze Samland. Auftraggeber
waren oft die sehr vermögenden
Gutsbesitzer.
Mein Großvater aus Seefeld hatte unter
anderem eine Baustelle in Peyse. Dort
beschäftigte er mehrere Maurer, darunter
war auch sein Sohn. Dieser lernte in Peyse
meine Mutter kennen. Das Schicksal
nahm nun seinen Lauf. Auch nachdem
die Bauarbeiten abgeschlossen waren,
kam er immer öfter nach Peyse und 1924
haben meine Eltern geheiratet. Vater war
im Dorf als ein tüchtiger, sauber arbeitender
Maurer bekannt. Er machte sich
selbständig und gründete ein Baugeschäft.
Meine Schwester Anni wurde
1929 geboren, und wir vier bewohnten
im Haus meiner Großeltern eine Zwei-Zimmer-Wohnung.
Mein Vater trat der
örtlichen Baptisten-Gemeinde bei und
gründete einen gemischten Chor. Diesen
leitete er als Dirigent bis zum Kriegsbeginn
1939. 25