Schweinestall. Ich kann mich nicht erinnern,
dass nach dem „Aufwärmen“ je
ein Schwein für zu schwer befunden
wurde, auch habe ich nie bemerkt, dass
am Morgen des Schlachttages jemand
kontrollierte ob auch wirklich das vermessene
Schwein geschlachtet wurde!
Liebe Leserinnen und Leser, ich hoffe
Ihnen mit meinen Erinnerungen eine
Freude gemacht zu haben, und dass Sie
beim Lesen erkennen: Der größte Teil
der „Volksgenossen“ von damals waren
ganz normale Menschen, die sich immer
zu helfen wussten und - auch halfen!
Horst Buldt (früher Geidau)
Neddem End 6
24787 Fockbek
Tel.: 04331 - 608 36
— Rabuschern
^\^ch muss noch recht klein gewesen
fcein, sicher fiel die Begebenheit
^^-'mit dem Tod meines Großvaters
zusammen, als mir meine Mutter mit
Verschwörermiene eine Rabuscherlateme
zeigte. Mein Großvater war Bergmann
und hatte in der Grube Anna und später
auch im Tagebau gearbeitet. In seiner
Stube hingen fünf oder sechs solcher
Lampen, was aus beruflichen Gründen
nicht ungewöhnlich war. Er war stolz
darauf, vielleicht waren sie auch wertvoll,
denn uns Kinder hielt er davon fern,
aber es gehörte ja auch zu seinem Handwerkszeug.
Mich interessierten diese
Stall-Laternen, wie ich sie für mich nannte,
sowieso nicht. Ich weiß auch gar nicht,
wie sie zum Brennen gebracht wurden,
ob mit Talglicht, später bestimmt mit
Karbid.
Aber das Wort „rabuschen“ und das
Wenige, was ich davon wusste, hinterließ
bei mir doch geheimnisvolle Neugier.
Auf meine Fragen erfuhr ich, dass
diese Laternen unter Tage benutzt wurden.
Sie zeigte das Licht nur nach vorne,
die anderen drei Seiten waren geschwärzt.
Aber sie wurde auch zum Schürfen und
Graben von den Strandräubem geführt,
den Rabuschern. Mit einem Hebel konnte
die Flamme sofort gelöscht werden,
wenn Gefahr drohte.
Die Strandräuberei erweckte meine
Phantasie und unmerklich bekam ich lange
Ohren, wenn sich die Großen vom
Bernstein unterhielten. Man wurde ja
noch übersehen, man dachte, die spielt
ja, die hört nicht zu. Ja, das Rabuschen
wurde wohl zu allen Zeiten betrieben und
es war ein schnelles Beschaffen von
Bernstein. Keiner erzählte aber direkt
was. Also musste es verboten sein, das
hatte mir ja meine Mutter bei dem Herzeigen
der Lampe klar gemacht. Bei uns
gehörte sie aus Berufsgründen ins Haus,
aber einem anderen könnte es zum Verhängnis
werden.
So schnappte ich dies und das auf, dass
zum Beispiel dieser und jener, der und
noch ein anderer so ein großes Haus bauen
oder Anschaffung machen konnte, weil
.... - Gerede? Es war natürlich nicht ungefährlich
im Seeberg zu graben. Er
konnte rutschen, die Baumwurzeln konnten
nachgeben. Der Sturm hatte ein
Weiteres getan. So hatte der Großonkel
72
einer Schulfreundin
aus
Klein Kuhren
sein Bein verloren,
ein anderer
sollte zu Tode
gekommen sein.
Auch erzählte
man, es gehörte
ja auch in die
Kategorie der
Strandräuberei,
dass die Gitter in
Palmnicken in
der Blauwäsche
nicht ganz geschlossen
waren und eine halbe Stunde
der Bernstein beim Abspülen durchrauschte.
Unten in der Mott (Abraumwasser)
fing man die verloren gegangenen
Stücke auf. War es Gerede, war es
Neid? All dieses geschah sowieso nur in
so wilden Sturmnächten, in denen bekanntlich
nicht mal der Bauer seinen
Hund raus lässt.
Der Seeberg, die Steilküste, hatte viele
Stellen an denen der Bernstein in der
blauen Erde lagerte. Was war da naheliegender,
als zu suchen und zu rauben.
Da gingen nicht nur Vater und Sohn, es
sollen sogar Väter und Töchter zum
Rabuschen gegangen sein. Es war ja wie
Glück greifen. Man durfte sich nur nicht
erwischen lassen. Die Ausbeute konnte
mitunter enorm sein, denn vorher wurde
ja schon ausbaldowert, wo man fündig
werden konnte.
So lange es Menschen gab und der
Bernstein entdeckt wurde, Auflesen und
Stechen frei war, wusste man nicht all
zu viel damit anzufangen. Erst mit dem
Ritterorden in der Mitte des 13. Jahrhunderts
kam die Regulierung. Es wurde
ein Regal, ein Gesetz gemacht, das besagte,
dass jeder gefundene Bernstein
abgeliefert werden musste. Die Fischer
wurden zu einer Zeit verpflichtet, bei
Sturm an den Strand zu gehen und den
Bernstein zu suchen. Strandreiter nahmen
die Ausbeute dann in Empfang. Im 15.
Jahrhundert mussten die Männer lange
Zeit nackt den Bernstein schöpfen gehen,
um nicht stehlen zu können. Auf ein
Gesuch hin wurde dieses wieder abgeschafft.
Denn das war ja nichts für schwache
Naturen, waren doch die großen Stürme
mit großer Bemsteinausbeute stets im
Herbst, Winter und Frühjahr.
Eine Zeitlang wurde der Berg verpachtet,
es wurde versucht, Bernstein aus der
Steilküste zu gewinnen. Es war nicht ergiebig
genug und der Berg wurde unterhöhlt.
Es ist ja bekannt, dass die
samländische Steilküste durch Erdabrutschungen
immer weiter zurückverlagert
wurde.
Bis zum Ende des zweiten Weltkrieges
musste der Bernstein abgeliefert werden.
Die Annahmestelle besaß der Großvater
und dann der Vater von Erich und 73