Full text : Unser Schönes Samland

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Kreuz“ genannt - Heiligencreutz.
Dieses Dorf Wangnicken nahe der Ostseeküste,
 in dem sie sich so geborgen
fühlte, verließ sie im Sommer 1944 auf
Drängen ihres damaligen Verlobten, er
war Soldat. Nur vorübergehend sollten
sie sich in Sicherheit bringen - nach
Stolp, zur angehenden Schwiegermutter.
Also reiste die Familie mit leichtem Gepäck
 - nur die Standuhr musste unbedingt
mit, darauf verzichtete der Vater nicht;
er schulterte sie sich auf den Rücken. Ihr
Vater erhielt in Stolp eine Stellung in der
Stadtverwaltung, sie selbst wurde beim
DRK eingestellt und hier heiratete sie -
per Femtrauung. Ihren Mann sah sie nie
wieder.
Im Herbst 1944 flohen sie von dort
mit einem Zug westwärts, landeten in Hagen/Westfalen
 und lebten im Hochbunker.
 Bei einem Bombenangriff wurden
sie dort ausgebombt. 3.000 Tote waren
in dieser Nacht zu zählen. Es waren Phosphorbomben:
 Die Häuserfassaden brannten,
 am Rauch erstickte man, die Schuhe
klebten fest am flüssigen Phosphor! Mit

nassen Decken über dem Kopf rannte
auch sie mit ihrem knapp 1-jährigen Kind
und ihrer Schwester um ihr Leben - und
überlebte das Chaos. Die Stadtverwaltung
 wies ihr ein Zimmer an in einem
beschädigten Haus: ein Raum ohne
Kochgelegenheit und zwei Wände fehlten
 bis in halber Höhe!
Im Lazarett lernte Sie ihren Mann kennen,
 sie pflegte ihn als Schwester des
DRK. Er nahm sie mit, als er „gesund“
entlassen wurde - in sein Heimatdorf in
Hessen, nahe der niedersächsischen
Landesgrenze. Sie heirateten, die Familie
 vergrößerte sich. Sie stand ihm bei in
seiner steten Krankheit und setzte ungebrochen
 all ihre Tatkraft für das Gartengeschäft
 ein. Es wurde ihr Lebensinhalt
und ihr Zuhause - aber Wangnicken
wurde es nicht.
In tiefer Bewunderung für diese Frau,
die ungebrochen ihr Leben meistert, mit
Geduld und sanfter Gelassenheit - eine
Ostpreußin!
Mit ihrer Genehmigung aufgeschrieben von
Astrid von Günther geb. Grübler

— Erinnerungen eines Fahrschülers

-

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ich heutzutage sehe, wie in
kvielen Landgemeinden die
'Schüler mit bequemen Bussen
zu den Schulen befördert werden, denke
ich oft an meine eigene Schulzeit zurück.
Ich wurde 1938 in die Volksschule in
Gailgarben eingeschult. Ein Jahr später
begann der 2. Weltkrieg. Unsere Hauptschulzeit
 fand also mit vielen negativen
Begleiterscheinungen während des Krieges
 statt.

Nachdem ich vier Jahre lang die Grundschule
 in Gallgarben besucht hatte, wechselte
 ich nach bestandener Aufnahmeprüfung
 zur Burgschule nach Königsberg
über. Die Schule befand sich auf den
Hufen Am Landgraben / Ecke Lehndorffstraße.
 Meine Eltern hatten die
Schule für mich ausgewählt, weil ich zu
Verwandten in Lawsken in der Leutweinstraße
 in Pension gehen sollte und
ich die Schule von dort bequem mit dem

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Die Burgschule in Königsberg Foto; priv.

Fahrrad oder auch mit der Straßenbahn
 in etwa 15 Minuten erreichen
konnte. Diese Pensionszeit währte
jedoch nicht lange. Als die Bombenangriffe
 auf Königsberg Zunahmen
 und die Front näher rückte,
holten meine Eltern mich nach
Hause und ich wurde Fahrschüler.
Nun begann für mich eine turbulente
 Zeit. Mit sieben anderen
Fahrschülern aus Gallgarben (Helmut
 und Siegfried Lubitz, Dieter
Stornier, Siegfried Meller, ein Geschwisterpaar
 aus Berlin mit dem
Namen Striebeck, die bei Jekel
wohnten und ein Junge, der bei Frau
Böhm im Posthaus wohnte, dessen Name
mir aber entfallen ist) fuhren wir zunächst
mit dem Bus, der von Postnicken nach
Königsberg eingesetzt war. Er hielt an
der Kreuzung Perwissau - Gallgarben -
Neuendorf. Meistens war er schon voll
besetzt, so dass für die Fahrschüler nur
Stehplätze bzw. Notsitze auf dem eingebauten
 Kühler neben Herrn Wolf, dem
Busfahrer, übrig blieben. Der Bus war
etwa um 6.30 Uhr an der Kreuzung
Gallgarben und nach einer Stunde in
Königsberg am Königstor. Für mich begann
 nun der Wettlauf mit der Zeit. Ich
musste mit der Straßenbahn Linie 6 über
den Nordbahnhof fast durch die ganze
Stadt. Strecken, die ich nicht mit der
Straßenbahn fuhr, legte ich meistens im
Laufschritt zurück. Und trotzdem kam
ich oft zu spät zum Unterricht. Wenn man
dem Schulleiter auf dem Gang begegnete,
 hatte man schon einen Rüffel weg,
bevor man erklären konnte, dass man
Fahrschüler sei. Am Nachmittag war es
zeitlich etwas günstiger, weil der Unterricht
 um 13 Uhr endete und der Bus erst
um 14 Uhr abfuhr.

Um 15.30 Uhr war ich dann in der Regel
 zu Hause. Es war Krieg und überall
konnte man große Propagandaplakate
sehen, an die ich mich noch heute erinnere.
 Z. B. „Räder müssen rollen für den
Sieg“, „Spare Strom und Gas im Krieg,
Sparsamkeit bedeutet Sieg“ oder „Achtung!
 Feind hört mit“ usw.. Im Krieg
wurden Rohstoffe knapp. So wurde an
den Schulen Altmaterial gesammelt
(Buntmetalle, Eisen, Papier und Knochen).
 Ab und zu brachte ich auch ein
Stück Eisen oder eine Tüte mit Knochen
in der Schultasche mit. Man musste sich
ja beteiligen. Aus Sparsamkeitsgründen
wurde nun auch der Bus auf Holzgas
umgestellt. Dann wurde die Busstrecke
verkürzt. Der Bus fuhr nur noch bis
Traussitten, dann musste man in die
Großbahn Labiau - Königsberg umsteigen.

Für mich war es insofern günstig, da
ich kurz nach 7.00 Uhr am Nordbahnhof
war und den Unterrichtsbeginn pünktlich
erreichte. Im letzten Halbjahr 1944 wurde
die Buslinie ganz eingestellt, und wir
mussten mit der Kleinbahn von Sud- 69