Als wir auf der
Rückfahrt von
Berlin an Magdeburg-Haldens
vorbeikamen,
beschlossen
wir spontan
die Abfahrt Haldensleben
der
B AB 2 zu benutzen,
um das
Dorf Born aufzusuchen.
Vor Edjth Neumann/
der angegebenen 20 Jahre jung
Hausnummer
klopfte mir das Herz bis zum Halse vor
Aufregung.
Ich wollte erst allein meiner alten
Freundin gegenüber stehen und da öffnete
sie mir auch schon die Tür. Wir standen
uns erst wortlos gegenüber, bis ich
fragte: „Edith, erkennst Du mich nicht
wieder? Ich bin doch die Herta Schulz,
deine Freundin und Schulkameradin aus
Königlich Sudau!“ Kopfschüttelnd ließ
mich Edith eintreten. Kein Wunder, denn
wir hatten uns fast auf den Tag genau
vor 60 Jahren als 13-Jährige zum letzten
Mal in der Heimat gesehen. Bei unseren
folgenden Gesprächen musste ich auch
feststellen, dass Edith aus den Tagen der
Kindheit und unseres Zuhauses sehr viel
vergessen hatte, sich oft auch dann nicht
erinnern konnte, wenn ich sie an Gemeinsamkeiten
von früher erinnerte.
Vielleicht liegt dieses Nicht-Erinnem-Können
auch daran, dass der Treck, mit
dem ihre Famidie
Flucht
am 27. Januar
1945 antrat,
WL noch in Ost-§
preußen von den
M Russen überpH
rollt wurde.
Unser kleiner
Treck hingefalls
am 27. Ja-Herta
Schulz nuar auf die
mit 17 Jahren Flucht ging,
hatte wohl bessere
Wege gefunden, denn wir fünf Kinder,
von denen ich die Älteste war, sind
mit unserer Mutter heil bis nach Pillau
gekommen. Dort hatten wir das Glück,
dass wir nach einer längeren Wartezeit
auf einem kleineren Dampfer Platz fanden,
der uns über Gotenhafen bis nach
Swinemünde brachte. Dieses Glück hatte
Edith und ihre Familie leider nicht
gehabt.
Wir Freundinnen sind immer noch
dabei, Ediths vergessene Vergangenheit
zumindest etwas zu erhellen, aber es wird
wohl noch etwas dauern. Wir haben ja
auch 60 Jahre warten müssen, um uns
wiederzusehen. Und verantwortlich dafür
war das Deutschlandtreffen der Ostpreußen
in Berlin.
Herta Tuschewitzki geb. Schulz
Marienburgstraße 6
47906 Kempen
Tel.: 02152 - 893 842
Seihlüger als
andere,
wenn du bannst\ aber sag ’s i/men nicht.
öartofCj/iesterßeld
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Winter 1917/18 - im verstiernten Cranz
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uw,
eulend tobt der Schneesturm durch
l^die öden Straßen, alles mit sich
Vayrzerrend, was nicht niet- und nagelrest
ist. Nur hin und wieder hört man
eine Krähe heiser krächzen, als wollte
auch sie sich darüber beklagen, dass die
Nahrungsmittelrationen zu klein bemessen
seien. Nirgends ein Mensch. Ja, wie
sollte man auch jemanden entdecken? -
Die Fenster sind hoch verstiemt, und
wagt man sich hinaus in das Sturmeswüten,
so wird einem das Sehen bald
durch das Floekengewim-
verleidet.
Selbst das Hinauswagen
ist
oft mit unvorhergesehenen
Schwierigkeiten
verbunden,
denn wenn man
mit einem kühnen
Schwung
die Haustür
öffnen will, setzt sie dem einen heftigen
Widerstand entgegen, und man läuft unweigerlich
mit dem Kopf gegen die Bretter,
die meistens mehr Püffe vertragen
wie unser edles Haupt. Erst nach langem
verzweifelten Dagegenstemmen öffnet
sich ein „Ritzchen“, und man sieht, dass
ein Schneeberg vor der Tür liegt.
Doch hinaus muss jeder, wenn er nicht
verhungern will. Ja, früher im Frieden -
da brachte die Semmelfrau uns am Morgen
knuspriges warmes Weißbrot - Leibkuchen
und Butterhömchen. Der Milchmann
stellte jeden Morgen eine Kanne
mit einer Flüssigkeit vor die Küchentür
hin, von der man nur noch in Märchenbüchern
zu lesen findet, dass sie weiß war.
Auch Butter brachte der gute Mann, halbpfimdweise
zu 65 Pfennigen, geformt 70
Pfennige, von der jetzt jeder nur noch
eine Schmeckprobe bekommt, um seine
Sehnsüchte nach ihr immer wach zu halten.
Selbst der Briefträger mit der Zeitung
lässt auf sich warten. „Ja, zum Donnerwetter,
wenn schon die leibliche Nahrung
ausbleibt, so lass ich mir doch nicht
obendrein noch die geistige entziehen.
Also hinaus und dem Ausbleiben auf den
Grund gehen. - Ich zwänge mich also
durch das
besagte „Ritzchen“
der
Haustür, um
nach einem
Schritt von
der Haustreppe
bis an
den Bauch
(Man entschuldige
das
harte Wort)
im Schnee zu
sitzen. Doch „fortes Fortuna adiuvat“.
Drauf und dran.
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Nach einigen Anstrengungen erreiche
ich die Straße. - Keine Menschenseele!
Nichts als Schnee, Schnee und noch
immer mehr Schnee. Ganz langsam bahne
ich mir den Weg nach der Post. Unterwegs
spreche ich einmal bei dem gnädigen
Milchfräulein in der Meierei vor,
um in Erfahrung zu bringen, ob schon
etwas von jenem köstlichen Getränk zu
bekommen wäre. „Jetzt werde ich aber
bald den Laden schließen. Immer kommen
die Menschen und pranzeln nach
Milch. Ich hab’ doch noch nuscht! Weiß
der Deibel, in welchem Schneehaufen die
heute steckt.“ - Ganz klein und hässlich 69