Full text : Unser Schönes Samland

Erinnerungen der Leser...

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Die Beiträge von Willy Fischer über
die Pferdezucht in Ostpreußen weckten
bei mehreren Lesern Erinnerungen an
eigene Erlebnisse in der Kindheit und

die grausame Flucht.
Nachstehend veröffentlichen wir

zwei Berichte:

Remontenmarkt in Kragau
Wir in Kragau hatten das große
Glück, alljährlich den Remontenmarkt
direkt miterleben zu können, Käufer
waren allerdings zur damaligen Zeit die
Kavallerie der Deutschen Wehrmacht.
Die Domäne in Kragau hatte mit
dem großen Hof zwischen den Ställen
und dem Herrenhaus für den Markt
eine gute Voraussetzung, das Geläuf zur
Vorführung der Remonten großzügig
gestalten zu können.

Das Werkstattgebäude neben dem
Herrenhaus, in dem die Schmiede, der
Meister hieß Gottfried Gesien, der
Wagenstall, in dem eine stattliche Limousine
 und zwei Landauer eingestellt
waren, und die Stellmacherei mit
Meister Fritz Hollstein, unter einem
Dach waren, bot sich für alle unberechenbaren
 Fälle an.
Das Rondell von ca. 20 Meter
Durchmesser, in deren Mitte Birken
und Rhododendron wuchsen und von
einem Holzzaun umgeben war, gab den
„grünen i-punkt“ für den großen Hof.
Das Geläuf wurde alljährlich für den
Markt in ca. 80 Meter Länge, begrenzt
von frischgeschälten Baumstämmen, errichtet.
 Frische Sägespäne gaben dem
Geläuf optischen Glanz und einen
wohlriechenden Duft.

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Ein junger Hengst von vielen auf der Koppel hinter den Ställen der Domäne Kragau.
Im Hintergrund der Berg von Possekel und der Powayer Wald

Am Vorabend traf der Stab der
Kavallerie und Gutachter ein, die Soldaten
 rückten am Morgen aus Powayen
kommend in Kragau ein.
Der große Tag konnte beginnen.
Aus den Dörfern Ziegenberg, Ponacken,
 Wischehnen, Mossehnen führten
die Kutscher die Remonten, oft an der
Spitze hoch zu Roß die Gutsbesitzer
Finck, Huuck, Wadehn, Possekel, zumindest
 aber ihre Söhne. Die Kragauer
Gutsherren Wölke und Domänenpächter
 Boetzelen hatten „Heimvorteil“.

Karl Schmilewski, Kutscher, und
Otto Moldehn, Inspektor der Domäne
hatten auf dem heimischen Hof alles im
Griff.
[ Gesagt werden muß an dieser
Stelle auch, daß die Tradition der
Pferdezucht in Kragau mit der Pachtdbernahme
 der Domäne von Herrn
Paul Strüvy im Jahre 1885 intensiviert
md gefördert wurde und von seinem
Schwiegersohn Paul Boethelen nach
.bernahme im Jahre 1938 erfolgreich
fortgesetzt wurde.
Programmgemäß verlief die Begutachtung
 auf dem Geläuf im Schritt, bei
Trapp, Galopp, des Wuchses und der
Eleganz der Remonten ab. Für uns
Pimpfe“ ein Erlebnis, überall zu spanten,
 sehen und hören, nichts zu verassen.
 Es hat mich bis heute beandruckt.
 Die Pferdezüchter und Kutdier,
 ihre Kinder, vor allem die Jung’s
Jen an der Aufzucht und Pflege
roßen Anteil.

f Groß war der Stolz für hohe Be-]
 fertungspunkte, aber dann auch der
! chmerz, wenn die Remonten in das

Zaumzeug der Wehrmacht genommen
und an die Soldaten der Kavallerie
übergeben wurden.
Nach Aufstellung auf dem Hof
führten sie in geordneten Reihen ihre
neuen Lieblinge über die „Eiserne
Brücke“ aus Kragau. Beim Gang über
die „Weiße Brücke“ hörten wir noch
einmal die Hufe der Remonten auf
den hölzernen Bohlen. Den Tross
sahen wir dann am Powayer Wald in
Richtung Bahnhof Powayen ziehen.
Dort standen die Waggons zum weiteren
 Transport bereit.
In Kragau war, was die Pferde betraf,
Ruhe eingezogen.
Die Gutsherren konnten Bilanz ziehen,
 diese war wohl für den Gutsbesitzer
 Finck aus Ziegenberg besonders
gut ausgefallen. Er lud seine Leute vor
dem Geschäft meiner Eltern zum Freibier
 ein und daraus wurde ein feuchtfröhlicher
 Nachmittag.
Hardy Finck, Sohn des Gutsherrn,
war in seinen jungen Jahren so in
Stimmung, daß er seine Leute im
schönen plattdeutschen immer wieder
mit „Suubt, Zeegebarger, suubt“ zum
Trinken aufforderte. So hart wie es
heute klingen mag, es war damals eine
großartige, fröhliche Stimmung, begleitet
 von fröhlichem Gesang aller
die dabei waren. Heute würde man
von einem gelungenen Volksfest sprechen,
 was es in Wirklichkeit auch wieder
 einmal war.
Meine Eltern hatten danach immer
etwas Ärger mit der Gewerbeaufsicht,
von wegen dem Bierausschank über die
Straße, aber das tat der Freude auf dem
Remontenmarkt in Kragau und umlie-22



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