Full text : Unser Schönes Samland

Ostpreußisches Notgeld - auch im Samland

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Dieser Schein wird in allen städtischen Kassen in Zahlung genommen,

Einlösung wird öffentlich bekannt gemacht.'tsxs*^ ,
ftontgsbetfi Jr , ben 12. Dftobet 1923.
, y ©er Wtaßittrat.
S K

Während des Ersten Weltkrieges
und danach trat in Deutschland ein
Mangel an Münzgeld auf. Das hatte
verschiedene Gründe. Einmal wurde
durch die Ausweitung des Kriegsgeschehens
 vermehrt Kleingeld gebraucht,
 zum anderen ließ man vermutlich
 weniger Münzen prägen, weil
Metalle für Kriegszwecke benötigt
wurden. Außerdem hortete die Bevölkerung
 verstärkt Münzen, insbesondere
 Silbermünzen.
Um diesem Mangel an Kleingeld
abzuhelfen, ließen unzählige Städte,
Gemeinden und andere Institutionen
Ersatzgeldscheine - sogenanntes Notgeld
 - drucken. Allein in Ostpreußen
wurden von etwa 60 Städten und Gemeinden

 Notgeldscheine in Umlauf
gebracht, die jedoch eine lokale und
zeitliche Gültigkeit besaßen. In bestimmten
 Phasen spielte das Notgeld für
den Zahlungsverkehr eine nicht unbedeutende
 Rolle. Die Gestaltung der
Scheine blieb den Ausgabestellen überlassen.
 So wurde Notgeld in vielen
Fällen als Werbeträger benutzt. Städte
und Gemeinden stellten oft ihre Sehenswürdigkeiten
 dar. Die Notgeldscheine
wurden im Laufe der Jahre immer bunter.
 Die ostpreußischen Grenzstädte
erinnerten auf ihren Notgeldscheinen in
vielen Fällen an die Volksabstimmung
im Jahre 1920 oder an andere historische
 Ereignisse. Andere Ersatzgeldscheine

 enthielten aber auch
nur technische Zahlungsmerkmale,
 wie Einlösungsort
Geltungsdauer und Strafhinweise
 bei Fälschungen.
Obwohl es auch im
Samland vermutlich die
eine oder andere größere
Gemeinde gab, die Ersatzgeldscheine
 in Umlauf

 gebracht hat, ist in der gängigen
Literatur nur die Gemeinde Rauschen
als Ausgabeort von Notgeld bekannt.
Sie ließ mit dem Ausgabedatum vom
1.5.1922 Scheine zu 1,00, 2,00 und
5.00 Mark drucken. Das war verhältnismäßig
 schon sehr spät, da ein
Reichsgesetz vom 17. Juli 1922 die weitere
 Ausgabe von Notgeld verbot. Der
5.00 Mark-Schein von Rauschen ist
auch nie in den Zahlungsverkehr gelangt.
 Auf der Vorderseite

Kriegs-Notgeld der
Stadt Königsberg Pr.

Notgeldschein der Qemeinde
Rauschen von 1922

Notgeld der Stadt
Königsberg Pr. aus
km Inflationsjahr
1923.
¡Für diesen Schein
jnnte man sich in
Wa 1 Brot kaufen.

ucs iviaiK-owieines ist aas Warnzeichen
 des Ortes - das Warmbad -
abgebildet. Die Rückseite zeigt einen
Blick auf den Mühlenteich. Den
Landsleuten aus Rauschen wird dieses
Bild noch vertraut sein.
Bedingt durch die beginnende Inflation
 wurde das Gesetz von 1922
bald wieder aufgehoben. Es enstand
nun das Inflationsgeld, das bis zu Billionenwerten
 von allen möglichen
Stellen in den Verkehr gebracht
wurde. Die Geldentwertung nahm
einen rasenden Verlauf. Ältere
Landsleute werden sich vielleicht
noch an die Zeit erinnern können.Mit
 dem Ende der Inflation
endete auch die Notgeldzeit.
Notgeldscheine wurden zu begehrten
 Sammelobjekten für
die Geldscheinsammler.

Herbert Paulusch (Gailgarben)