Full text : Unser Schönes Samland

Teilbereichen und mit kleinen Schiffen
eine Binnenschiffahrt ermöglichten.
Es gab weiterhin einige Kanäle, die
moorige Gebiete entwässerten oder
kleinere Flüsse mit den größeren oder
den Haffen verbanden. Zu nennen
sind von Nord nach Süd: der Große
Friedrichsgraben zwischen Gilge und
Deime, der nie fertiggestellte Masurische
 Kanal, der den Mauersee mit
der Alle bei Allenburg verbinden sollte,
 das Kanalsystem zwischen den masurischen
 Seen und der Oberländische
Kanal, der von Osterode nach Elbing
führte, dabei zahlreiche natürliche
Wasserläufe nutzte und zwischen
Pinnausee und Drausensee die 5 bekannten
 „geneigten Ebenen“ hatte, wo
„die Schiffe über Berge“ fuhren.

Als weiterer und für die Wirtschaft
bedeutendster Kanal betraf der Königsberger
 Seekanal das Samländische
Gebiet, wenn auch nur im Wasser. Er
ist eine Schiffahrtsstraße im flachen
Gewässer des Frischen Haffs, der es
den Seeschiffen ermöglicht, den Königsberger
 Hafen anzulaufen.

Der Pregel
Der Pregel ist - neben der Memel -
der wichtigste Fluß in Ostpreußen. Die
Flüsse Angerapp, Pissa und Inster vereinigen
 sich bei Insterburg zum Pregel,
der bis zur Mündung in das Frische
Haff eine Länge von 125 km erreicht.
Der Oberlauf von Insterburg bis
Wehlau war lange nicht schiffbar. Bei
Wehlau mündet die Alle in den Pregel,
bei Tapiau zweigt die Deime zum
Kurischen Haff ab. In Königsberg trafen

 und treffen dann Binnen- und
Seeschiffahrt zusammen.
Der Ausbau des Pregels erfolgte
seit 1817 durch Begradigungen, Buhnen
 und Uferbefestigungen. An vielen
Stellen sorgten Bagger für die nötige
Wassertiefe. Intensiviert wurden diese
Arbeiten nach 1879. Im Stadtbereich
von Königsberg wurden um die
Jahrhundertwende die Gleisanlagen
im Hafenbereich erweitert, die
Uferbefestigungen so hergerichtet, daß
fast überall Schiffe anlegen konnten.

Lange Zeit war der Pregel ein wichtiger
 Verkehrsweg gewesen, da die
Landwege für den Warentransport bis
ins 19. Jahrhundert hinein äußerst
schlecht ausgebaut waren und die
Eisenbahn noch nicht bestand.

Für die Binnenschiffahrt am wichtigsten
 war der Unterlauf des Pregel ab
Tapiau. Hier hatte der Fluß eine Breite
von 47 bis 56 m bei einer Wassertiefe
von 2,2 m.

In Königsberg beträgt die Breite
etwa 70 m, die Ufer sind befestigt und
die Wassertiefe von 6 m reicht auch für

Der Königsberger Hafen (Samml. Klemm)

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viele Seeschiffe aus. Über Memel,
Kurisches Haff und Deime kommen litauische
 Kähne mit Kartoffeln und
Gemüse, im Osten der Stadt breiten
sich die Stapelplätze für Holz und
Kohlen aus, im Westen liegen die
Industriebetriebe am Pregel, ihnen gegenüber
 der Industrie- und der
Freihafen, und am Hundegatt stehen
die zahlreichen Speichergebäude.
Nach Westen hin verbreitert sich
der Pregel bis auf 230 m um dann hinter
 Gr. Holstein bei Wehrdamm in das
Frische Haff zu münden, das dort nur
eine Tiefe von ca. 3 m besitzt.

Das Pillauer Tief und Pillau
Die Verbindung des Frischen Haffs
zum offenen Meer liegt bei Pillau mit
dem Pillauer Tief. Von der Pregelmündung
 bis hierher breitet sich das
flache Wasser des Frischen Haffs mit
nur ca. 2 - 4 m Tiefe aus. Das war für
Seeschiffe zu flach. Das Haff konnte
nur von kleineren Schiffen oder
Ausflugsdampfern mit geringem
Tiefgang genutzt werden. Pillau war
dadurch über Jahrhunderte Vorhafen
von Königsberg und profitierte vom
Warenumschlag und als Stapelplatz.
Die urkundliche Erwähnung Pillaüs
 als Pilen geht-auf 1430 zurück.
Aus dem Fischerdorf wurde 1701 ein
Marktflecken und 1725 erfolgte die
Erhebung zur Stadt.
Die Verbindung zw'schen Ostsee
und Frischem Haff bestand nicht
immer bei Pillau: Um 1004 gab es
einen Durchbruch bei Lochstädt sowie
bei Bodenwinkel am südlichen Ende

der Nehrung, im 14. Jh. bestand ein
Durchbruch bei Kahlberg, im 15. Jh.
lag das Tief „Balge“ gegenüber von
Rosenberg, 1479 entstand ein
Durchbruch in der „Pillaw“, etwas
nördlich des Ortes, und erst 1510 ist
das heute noch bestehende Pillauer
Tief entstanden. Die übrigen genannten
 Tiefs sind versandet oder durch
kriegerische Handlungen zugeschüttet
worden.

Pillauer Tief auf einer Ansichtskarte von 1935
(Samml. Klemm)

Das Pillauer Tief wurde durch die
Strömung tiefer nachdem das Balga’sche
 Tief endgültig geschlossen war.
Bis 1855 hatte es nur eine Tiefe von 3
bis 4,5 m, durch den Bruch des
Weichseldeichs kam es im Frischen
Haff zu einer Flutwelle, die zu einer
Vertiefung auf 7,5 m führte. Später versandete
 es wieder bis auf 5,5 m und
wurde schließlich durch Bagger auf
über 8 m Tiefe gehalten. Dadurch
konnten zur Zeit des „Seedienst
Ostpreußen“ die großen Seedienstdampfer
 im Pillauer Hafen anlegen
und die Seeschiffe durch den
Königsberger Seekanal den Königsberger
 Hafen ansteuern.