Die Erforschung des Vogelzuges
der einzelnen Vogelarten, auf welchen
Wegen und in welchen Schwärmen erfolgte
durch die Beobachtung und
durch die bereits bekannte Beringung.
Bei der Beringung wurden an zahlreichen
Orten die Ringe bereits den dort
geschlüpften Jungvögeln angelegt; im
Jahre 1936 waren das 140 000. Hilfreich
waren dabei auch die Methoden
der „Krachebieter“ beim Einfangen
der Zugvögel. Durch die Rücksendung
der Ringe von verendeten oder abgeschossenen
Tieren konnte somit die
zurückgelegte Entfernung festgestellt
werden. Die weiteste Entfernung hatte
ein in Basutoland/Südafrika
gefundener
Storch mit
9500 km zurückgelegt.
Andere Vögel
wurden in Südspanien
oder in Ägypten
gefunden. Interessant
sind auch
die Erkenntnisse
über die Fluggeschwindigkeit
der
einzelnen Vogelarten.
Beispielsweise
wurde bei Staren eine
Geschwindigkeit
von 75 km/h gemessen.
Zur Errechnung
der Geschwindigkeit
wurde per Fernsprecher die
Ankunft des Vogelzuges von einem
Punkt zum nächsten durchgegeben.
Die Menge an Vögeln in einem
Schwarm konnte wohl nur mit Erfahrungswerten
geschätzt werden.
Von Prof. Thienemann wurde im
Laufe der Jahre in Rossitten eine
Storchenfarm und eine Falknerei angelegt.
Über diese Arbeit und sein Leben
in Rossitten hat er in seinem Buch
„Rossitten - Drei Jahrzehnte auf der
Kurischen Nehrung“ und in anderen
Veröffentlichungen ausführlich berichtet.
Nach dem Krieg wurde die Arbeit
der Vogelwarte Rossitten in Radolfzell
unter der Leitung von Ernst Schüz weitergeführt.
ln Rossitten - heute russisch
Rybachy - wird seit 1956 die Vogelwarte
als Biologische Station der
Prof. Thienemann mit seiner Falkenschule (Samml. Klemm)
Sowjet-Union und jetzt unter finanziell
schwierigen Verhältnissen von den
Russen betrieben. Diese Station ist
heute im früheren Kurhaus von Rossitten
untergebracht und wird von deutscher
Seite von Prof. Sielmann finanzi-12
-
eil unterstützt. Südlich von Rossitten/Rybachy
werden die Vögel zur
Beringung in großen Netzen eingefangen.
Prof. Thienemann's frühere Arbeit
wird von den Russen sehr geschätzt.
Bei den Reisen ins Samland wird
heute stets der sehr lohnende Besuch
der Kurischen Nehrung angeboten,
Das Samland war in seiner frühen
Geschichte stark besiedelt und hatte
seit altersher Handelsbeziehungen in
die damalige Welt. Mit dem Auge
eines erfahrenen Missionars hatte der
heilige Adalbert dieses wichtige Gebiet
Samland ausgespäht und bereist
und sehr wahrscheinlich an vielen Orten
mit Erfolg gepredigt. Er ist deshalb
im Samland umgebracht worden.
Ein alter Handelsweg führte über
die Pruzzenburg im Wald von Twangste1,
also von Königsberg durch das
Samland in unmittelbarer Nachbarschaft
von Rudau vorbei nach Cranz,
von dort über die Nehrung in die baltischen
Länder. Die Cranzer Bucht, die
Mündung der Cranz'er Beek waren
schon in der ältesten Zeit ein sicherer
Hafen, zumal dort das kurische Haff
durch ein Tief mit der Ostsee verbunden
war. Wir sind darüber zwar nicht
durch Karten noch durch schriftliche
Mitteilungen unterrichtet, aber durch
Bodenfunde aus der Steinzeit und der
späteren früh- und vorgeschichtlichen
der auch einen Abstecher zur Vogelwarte
enthält. Fachleute erklären den
Fang und die Beringung. Ebenso steht
den Besuchern das Museum offen.
Hans-Georg Klemm
Die alte Qräberstraße .
Zeit. In der Nachbarschaft von Rudau,
in Mollehnen, Schreitlacken, Trentitten,
Laptau und Schugsten gab es vorund
nachchristliche Gräberfelder. Diese
Begräbnisorte waren Stationen,
Siedlungen an der alten Handelsstraße:
„Der Weg der Toten bezeichnet so
heute noch vielfach die Straße, die die
Lebenden in grauer Vorzeit gegangen
sind“:2 Gerade im Gebiet von Rudau
muß es entlang der alten Handelstraße
eine Kette von Siedlungen gegeben
haben. Die Reit- und Fahrpost von
Königsberg nach Memel, eingerichtet
im 18. Jahrhundert, hat diese Wegführung
eingehalten.3 Königin Luise hat
auf dieser Poststraße ihre beschwerliche
Reise im Unglücksjahr 1807
nach Memel durchgeführt. Die heutige
Chaussee Königsberg - Cranz wurde
im Jahr 1835 fertiggestellt. Sie dürfte
in der Nachbarschaft des Kirchspiels
Rudau der alten Linienführung entsprechen.
Die oben genannten Dorfnamen
stammen aus alter pruzzischer
Zeit 13