Qespräch mit Prof.Dr. Kulakow an der Qrabungsstätte Dollkeim
Foto: Lunau
Da wir gerade am Bahnhof sind: Neuerdings
verkehren neben den normalen
Elektro-Zügen zwischen Königsberg und
Cranz sowie nach Neukuhren/Rauschen
auch Triebwagen als „Schnellzüge“ ohne
Zwischenstop. Ob das nur für den Sommerbetrieb
gilt, konnte ich nicht erfahren.
Auch viele Sonderbusse brachten
Tausende von Besuchern aus Königsberg.
In der Kinderbibliothek (Villa Notar
Dr. Krell) ist eine erweiterte Fotoausstellung
über das alte Cranz anlässlich des
Stadtfestes eröffnet worden. Auch wurde
in der Kreisbibliothek (im Ostseehospiz)
aus Anlass des Festes eine
Dichterlesung mit der Dichterin
Krimhilde Stöver durchgeführt. Frau
Stöver trug auf Einladung unter anderem
ihre Gedichte „Nach Hause“ und
„Was bleibt, ist der Sand“ über ihre Begegnung
mit Cranz/Selenogradsk vor, die
ins russische übersetzt wurden. Frau
Stöver ist in Cranz geboren und hat bei
uns allerdings nur zwei Jahre bis 1939
gelebt. Sie hat - wie sie mir sagte - ihre
Liebe zu Cranz und der
Nehrung entdeckt. Ich
hoffe, dass wir sie bald
in unserem Kreise empfangen
können.
An der Küste nordwestlich
Garbseiden entsteht
als dänisch-russisches
Joint-Venture-Unternehmen
der erste russische
Windpark mit über 20
Windrädern. Hier soll
etwa 1 % des im Oblast
Königsberg benötigten
Stromes gewonnen werden.
Weitere Anlagen
sind für den Raum Fischhausen
geplant. Vor der
Küste der Cranzer-Bucht soll nach Öl gebohrt
werden. Die litauische Regierung
hat Protest eingelegt, weil sie eine Verunreinigung
des jetzt einwandfreien
Badewassers vor der Nehrung befürchtet.
In Sarkau kann man eine - wenn auch
noch sehr kleine, dafür aber sehr schöne -
Uferpromenade bewundern, die den Namen
„Promenade“ verdient hat! Schöne
Geländer an beiden Rändern fassen die
gepflasterte Promenade ein. Bequeme
Bänke (Lästerbänke?) laden zum Verweilen
ein. Von hier aus ist ein freier Blick
auf die Ostsee gewährleistet und nicht,
wie in Cranz, durch eine unschöne Mauer
verwehrt! Wenn das so weiter geht in
Sarkau, was Sauberkeit, Neubauten etc.
betrifft, dann läuft der ehemalige kleine
Fischerort dem alten Weltbad Cranz den
Rang ab! Da muss man sich nicht wundem,
wenn der russische Ministerpräsident
und andere hohe Amtsträger Sarkau
als Erholungsort bevorzugen!
Für heute soll’s genug sein. Viele von Ihnen
haben ja einen Großteil davon schon
bei meinem Vortrag in Pinneberg gehört.
Im nächsten Heft mehr. Dann werde ich
auch sicher schon etwas über die neuen
Ausgrabungsergebnisse berichten können.
Zum Schluss ein „Hilferuf? Wer
hat ein Foto von dem Bild des Kunstmalers
Ewert: „Wikinger nach der Landung
bei Wargenau im Jahre 800, die blonden
Hünengestalten in Lebensgröße hatten
ihre Schwerter zum Schwur gen Himmel
gestreckt, während aus dem Holzstoß
bereits die Flammen, zum Verbrennen
ihrer Schiffe, züngeln. Sie nahmen
sich dadurch die Rückzugsmöglichkeit“,
oder wenigstens eine Teilansicht davon,
das in der Turnhalle auf die Wand hinter
den Barren gemalt war?
Diesen „Report“ können Sie, auf vielfachen
Wunsch, auch weiterhin hier finden,
während ich im vorderen Teil des
Heftes allgemeine Mitteilungen zusammenfassen
werde.
Mit herzlichen Flundergrüßen
Klaus A. Lunau
Bahnhofstr. 14
30853 Langenhagen
Begabte Menschen leben in dieser Qegend
Nicht
nur den Waldauern ist er schon
seit Jahren bekannt, der Künstler
Andrej Barinow aus Waldau. Aparte
Schmuckstücke aus Holz und Bernstein
waren einst ein Geheimtipp bei den deutschen
Besucherinnen, die Broschen, Anhänger
und Armreifen von hohem
kunstgewerblichen Niveau mitbrachten.
Leider sind diese begehrten Teile nicht
mehr zu haben; Andrej Barinow hat diese
Periode in seinem Schaffen zur Vergangenheit
erklärt, ungeachtet des Gewinns,
der ihm sicher wäre.
„Ich brauche stets etwas Neues, eine
Herausforderung!“, erklärt er. „Routine
ist keine künstlerische Arbeit!“ Wir sitzen
in seinem Wohnzimmer in dem Einfamilienhaus
in Waldau. Der Besuch der
Reisegruppe in seinem Atelier oben in
der Waldauer Landwirtschaftsschule,
dem Gebäude, das in deutscher Zeit das
Lehrerseminar beherbergt hat, liegt eine
Woche zurück. Die deutschen Besucher
- manche von ihnen waren schon mehrfach
dort - bekamen seine bisher größten
Arbeiten zu sehen: Holzfiguren, aus
dem Baumstamm herausgemeißelt. Sie
stellen vorwiegend russische Märchenmotive
dar. „Bäume wohnen neben uns.
Sie sind unersetzlich. Sie teilen mit uns
ihre Blätter, ihre Früchte. Wie wir kennen
sie den Wert des Lebens, Jugend und
Alter. Und wir machen uns oft keine
Gedanken, wenn wir sie ausnutzen!“ Holz
ist, nach diesen Worten Barinows, also
kein „Material“, sondern ein lebendiger
Partner.
Eine ostpreußische Naturverbundenheit
spricht aus diesen Überlegungen. Und
Ostpreußen ist auch die Heimat Andrej
Barinows. Er wurde 1950 in Rogahnen
im Kirchspiel Heiligenwalde, ca. 20 km
östlich von Königsberg, geboren. Vater
und Mutter waren Lehrer, der Vater konnte
auf 35 Jahre und die Mutter sogar auf
43 Jahre Lehrtätigkeit zurückblicken.