obere Reihe von links:
Manfred Kaiser, Dieter
Schneidereit, Horst
Renkwitz, Alfred Schlicker,
Siegfried Kloss, Erhard
Schwoll, Horst Kischnick;
untere Reihe von links: Evi
Schneidereit, Bernhild
Schwoll, Käthe Kischnik,
Steffi Kloss, Helga Kaiser,
Tini Schlicker
Foto: priv.
auch noch viel zu sehen und zu klönen
gab. Es wurde unter anderem laut, dass
die Kaliningrader Fluglinie wegen angeblicher
Sicherheitsmangel nicht mehr nach
Hannover darf. Es bietet sich die Litauische
Gesellschaft nach Polanga an, weiter
geht’s dann den langen Weg per Bus
nach Königsberg und Rauschen. Am 3.
Tag besuchten wir das große Geschichtsmuseum
in Bonn (kostenlos). Hier wird
gezeigt, was im 20. Jahrhundert in unserem
Land an Freude und Leid geschah,
anhand von Bildern, Geräten und Maschinen.
Plötzlich steht man vor dem
ehemaligen Dienstwagen Adenauers. ]
Beim Abschied am Sonntag weinte der
Himmel, wir fuhren in alle Winde! Bleibt
die Hoffnung, dass wir uns in 2003 gesund
Wiedersehen. Mit den besten Grüßen
an alle Samländer,
Euer Horst Kischnick
Berliner Str. 12
65760 Eschborn
Heimatort Peyse
Es
war einmal - lange, lange ist es her,
und die Erinnerung ist geblieben.
Letzte Adventsfeier unseres Ostpreußenwerkes
A.G. 1944. Der ostpreußische
Schneewinter war rechtzeitig eingetroffen.
An einem Freitagnachmittag Punkt 4
Uhr versammelte sich die ganze Belegschaft
der Arbeitenden und Angestellten
des Werkes in dem großen, mit Tannen
und einem großen aufgestellten Tannenbaum
ausgeschmückten Kantinensaal, j
Als unser Chef und Abteilungsleiter
Herr Kunde eintrat, wurden sämtliche
Kerzen angezündet. Mit seinen anwesenden
Herren der anderen Firmen nahm er
in einem Nebenraum Platz ein. Zu dieser
weihnachtlichen Feier war eine Militärkapelle
aus Königsberg organisiert worden,
welche uns auch in den Sommermonaten
ab und zu in den Mittagspausen
mit einem Platzkonzert erfreuten! Im
32
feierlichen Saal durften aber keine Kriegsgefangenen
und Zivil-Arbeitsverpflichtete
dran teilnehmen, es waren dort Belgier
und Franzosen beschäftigt. Die kriegsgefangenen
Russen waren hinter Stacheldraht.
Innerlich tat es uns eigentlich ein
bisschen weh, sie waren doch auch arbeitende
Menschen, sie mussten unter sich
Weihnachten feiern!
Als weihnachtliches Festessen gab es
für alle Salzkartoffeln, braunen Schmorkohl
mit gebratener Karbonade, eine
Köstlichkeit damals. Denn unsere Kantinenwerksküche
war vorbildlich. Als
Getränk Bier, Glühwein oder Kaffee
dazu, alles kostenlos! Wir Einheimischen
aßen nicht täglich in der Kantine, nur ab
und zu die einmalige deftige, delikate
Erbsensuppe aus der Gulaschkanone, die
wir dann bezahlen mussten, seitdem habe
ich nie wieder so eine Erbsensuppe gegessen!
Mit Märschen und weihnachtlichen
Weisen begleitete uns die Kapelle
zwei Stunden mit Pausen dazwischen.
Zum Schluss haben wir die bekanntesten
Weihnachtslieder mitgesungen. Vorher
hat Herr Kunde auch eine Ansprache gehalten
und sich bei der arbeitenden Belegschaft
für Einsatz und Pflichtbewusstsein
bedankt.
Irgendwie befiel uns danach denn doch
eine gewisse Traurigkeit, denn wir ahnten
doch schon, dass es für uns die letzte
Weihnacht in unserem geliebten Samland
sein würde - es lagen doch nur Tage und
Wochen bis zu unserem Fluchtaufbruch
dazwischen. Trotzdem waren wir naiv,
wollten es nicht wahr haben, was auf uns
zukommen würde. Die Trecks mit den
Flüchtlingen aus dem Memeler und Tilsiter
Raum kamen schon in Scharen durch
Königsberg ziehend in Richtung unseres
geliebten Fischhausens nach Pillau. Als
General „Lasch“ dann in Königsberg
aufgeben musste, um noch mehr Elend
und Sterben unter der Bevölkerung zu
verhindern, war es dann endgültig das
Ende unseres geliebten Samlandes. Bei
einem späteren Regimentstreffen meines
Mannes, habe ich dann persönlich mit
General „Lasch“ gesprochen und ihm die
Hand gereicht, er hielt dann auch eine
Rede. Er war aber schon von Krankheit
gezeichnet und ist dann bald verstorben.
In der Nähe des Königsberger Nordbahn-hofes
stand auch das Hauptgebäude
unseres Ostpreußenwerkes mit etwa
1.000 Angestellten. Von hier aus erhielten
wir unsere Löhne. Bei unserem
Nebenwerk sollte ein dritter Schornstein
erbaut werden und für sämtliche Arbeiterfamilien
mit Angestellten eine große
Wohnsied-lung entstehen, unser Peyse
wäre dann eine kleine Stadt geworden,
leider wurde daraus nichts mehr, wegen
des unsinnigen Krieges. Und heute stehen
immer nur noch zwei Schornsteine,
aber auch schon einige Neubauten der
dortigen Russenangestellten. Immerhin
schon ein kleiner Fortschritt.
Ich denke, dass unsere Reisegruppe im
Sommer etwas Neues aus dem Ort berichten
wird.
Meinen Peyser Heimatfreunden, welche
nicht zum Heimattreffen kommen
konnten, möchte ich hiermit kurz berichten,
dass wir am Samstag bereits mit 17
Personen und am Sonntag mit 27 Personen
anwesend waren. Wer nicht dabei
war, hat unsere fröhliche Gemeinschaft
vermisst. Vor allem, wo waren denn die
Kieler Peyser, die doch dort in der Nähe
wohnen? Sie sollten sich ein Beispiel
nehmen, an unserem Horst Gerwien, mit
Frau und Schwester Helga aus Thüringen.
Sie sind nachts um 4 Uhr aufge- 33