Damit soll’s mit der christlichen Seefahrt
hier sein Bewenden haben, denn die
schon längst überfällige Frage „Wie war
denn eigentlich das Feuerwerk in Cranz?“
wartet noch auf eine Antwort. „Sehr
schön“, sagten Waltraut und Richard. Olli
und viele mit ihr von den schaulustigen
Seefahrern konnten dies bedauerlicherweise
nicht bestätigen, hatten sie doch
aus verständlichen. Gründen nicht viel
vom Feuerwerk gesehen. Ja, wen soll das
verwundern bei Fischer Karls gefährlichen
„unterirdischen Wellen?“
Dieter Boenke
Waldemarsweg 29
24837 Schleswig
Tel.: 04621 - 312 21
Sprichwörter
„Die dümmsten Bauern haben die dicksten
Kartoffeln In Königsberg-FIardershof
befand sich zwischen der Kuckstraße und
dem Damm des Soldatenweges eine kleine
Senke, in der außer Brennnesseln auch
noch jedes andere Unkraut wuchs. Wegen
der immer prekärer werdenden
Versorgungslage während des Krieges
wurde dieses Land als Grabeland an die
Einwohner vergeben. So hatten auch wir
uns ein Stück dieses herrenlosen Landes
urbar gemacht, Unkraut und auch Schrott
beseitigt und mit Stäben und Band einen
Kartoffelplatz und zwei Gurkenbeete
abgezäunt. „ Wer am Wege baut, hat viele
Geister“ und so ging es uns auch.
Schlauberger und Unken prophezeiten
uns keinen Erfolg und unsere Arbeit
wäre total umsonst. In diese Arbeit hinein
erfolgte eine ganz andere Aktion.
Vom Luftschutz wurde angeordnet, dass
wegen der Brandgefahr unsere Wohnblocks
vom dicken Bewuchs des wilden
Weins zu befreien wären. Also wurde an
einem Sonntag der gesamte grüne Bewuchs
abgerissen und auf einem großen
Scheiterhaufen verbrannt. Nun standen
unsere Fläuser nackt und grau und ohne
jegliche natürliche Tarnung da. Die Wohnungen
waren nun wieder viel heller und
der Luftschutzhauswart konnte viel besser
die Verdunkelung kontrollieren, denn
überall hingen die Plakate „Licht dein Tod“.
Auch gab es
nun kaum noch
Ameisen, die
am Wein hochkrochen
und
durch die
Schlitze in der
Wand im Schrank unter dem Fensterkopf
ihr Unwesen trieben.
Dafür lag nun in jener kleinen Senke
ein Haufen grauer Asche, die beim kleinsten
Windhauch lustig vor sich hin stöverte.
Dieser Asche aus wildem Wein nahmen
wir uns an, gruben sie unter und lockerten
damit den schweren Boden unseres
Grabelandes auf. Es wurden Kartoffeln
gesetzt und zwei Beete mit Gurken besät,
aber nicht Kernchen für Kernchen,
wie man uns riet, sondern mein Vater
schüttete den Samen einfach aus den
Tüten, je mehr je besser: „Denn wer nicht
wagt, der nicht gewinnt“. Dann kam das
große Warten und auf unserem Land
wuchs der reinste Urwald, die Kartoffeln
entwickelten fingerdicke Stängel
und die Gurkenbeete waren gar zwei lange
grüne Berge geworden.
Die Unken sahen nur das Kraut, aber
wir darunter hunderte kleine Gürkchen,
die täglich wuchsen. Bald wurden aus den
Unken Neider, denn mit dem Gelbwerden
der Blätter zeigten sich große, kurze Senfgurken,
die wie fette Schweinchen wild
übereinander lagen. Nun kam die Ernte
und die Steintöpfe reichten nicht mehr aus,
um fast drei Zentner Gurken einzumachen.
Aber Muttchen hütete sich ob der
Arbeit zu murren, denn Senfgurken waren
Vaters Lieblinge! Dass die Kartoffeln
ebenso gut geraten waren, brauche ich
wohl nicht zu betonen, denn der Boden
war total ausgeruht und durch die Asche
stimuliert worden. Das erste Sprichwort
war wahr geworden!
Das Kartoffelngraben
Ende
September bekommen wir in der
Schule Kartoffelferien. Das Kartoffelngraben
hat begonnen. Vater hat vor
ein paar Jahren einen Kartoffelruffer angeschafft.
Die Maschine fährt, von zwei
Pferden gezogen, eine Reihe über dem
Häufel entlang; dabei werden die Kartoffeln
aus dem Häufel mitsamt dem Kraut
seitlich auf das schon abgeerntete Land
geworfen. Am Ende der Reihe wird gewendet
und über dem gegenüber liegenden
Häufel zurück gefahren, sodass die
Kartoffeln wieder auf das abgeerntete
Land geworfen werden. Die Frauen und
Mädchen lesen die Kartoffeln zwischen
dem Kraut und der losen Erde auf. Jeder
Leser bekommt sein Stück, mit einem
übergroßen hölzernen Zirkel, zugemes-„Doch
der Mensch denkt und Gott
lenkt“, und so konnten wir keine zweite
Ernte mehr erleben, denn der Boden
wurde verkauft und eine Firma Edelmann
baute eine Zylinderschleiferei und
ein Wohnhaus darauf. Der größere Teil
des Areals wurde wieder Gemüsegarten
in dem alles prächtig gedieh, bewacht
von einer gutmütigen schwarzbraunen
Bemer Sennenhündin mit Namen „Lore“.
Später habe ich unser Grabeland noch
manches Mal betreten, aber nur wenn
ich ein paar Knochchen für die „Lore““
mitbrachte, denn: „ Geschenke verpflichten
Heinz Bleeck
Erich-Weinert-Str. 37
18059 Rostock
sen. Wenn die Maschine wiederkommt
muss das zugemessene Stück abgelesen
sein! Wir Kinder bekommen noch kein
eigenes Stück zum Lesen; aber wir dürfen
bei den Frauen mit lesen, in unseren
eigenen Korb. Wenn der Korb voll ist,
gehen wir zu Manfreds Vater. Er steht
an den Säcken, und kippt die Körbe, auch
die der Frauen, in die Säcke; dabei zählt
er unsere Körbe und schreibt sie auf. Wir
bekommen pro Korb bezahlt, Vater nennt
das: „Arbeit im Akkord - wer gut sammelt,
bekommt auch gut bezahlt“!
Jeden Abend werden die vollen Säcke
auf Wagen verladen, zum Hof gefahren,
und auf einer leeren Scheunendiele
zum Abtrocknen und Auskühlen
ausgeschüttet. Damit sich die Säcke