leichter auf- und abladen lassen, wird an
den Wagen das rechte hohe Seitenbrett
gegen ein gesäubertes Mistbrett ausgetauscht.
Nach einigen Tagen werden die
Kartoffeln verlesen; dabei werden sie
nach Größen sortiert. Die Kleinen werden
als Schweinskartoffeln verfüttert.
Mittelgroße aus neuer Saat werden bis
zum Frühjahr eingemietet und dann
wiederum als Saatkartoffeln gesetzt.
Auch ein Teil der großen Esskartoffeln
wird zunächst in Mieten gelagert. Der
Rest kommt in den Kartoffelkeller des
Hauses, er liegt unter dem Laden, oder
wird direkt an Stammkunden in Fischhausen
und Pillau, frei Haus und gegen
bar Kasse, wie Vater sagt, verkauft.
Schlechte Kartoffeln, die angefault sind,
werden aussortiert. Sie dürfen auch nicht
auf den Komposthaufen kommen, weil
dadurch die Komposterde verseucht würde,
sagt Vater!
Wenn die Felder abgeemtet sind, wird
zum letzten Mal im Jahr die Hungerharke
angespannt, das Kartoffelkraut zusammen
geharkt, in Haufen aufgeschichtet
und angezündet. Bevor Egge und Kultivator
die letzten, noch im Boden verbliebenen
Kartoffeln an die Oberfläche bringen,
werden zwischendurch alle noch
oben liegenden nachgelesen. Beim Nachlesen
gehen auch wir Kinder mit den
Großen in einer Reihe und lesen mit,
natürlich in unseren eigenen Korb. Ist das
Kraut zu einem Gluthaufen herunter gebrannt,
legen wir gerne einige Kartoffeln
zum Rösten in die Glut. Uns schmecken
die Selbstgerösteten viel besser als
die aus Mutters Kochtopf!
Das Anlegen der Mieten macht bei uns
meist der Vater von Trudchen, er nimmt,
wie auch andere Leute im Dorf um diese
Zeit meist Kartoffelurlaub bei seiner Firma
in Powayen. Für die Miete wird zunächst,
entlang einer gespannten Schnur,
eine Grube von einem Spatenstich Tiefe
ausgehoben. Die ausgehobene Erde wird
an der Seite als kleiner Wall aufgeworfen
und glatt geklopft. Diese Arbeiten
interessieren mich besonders. Ich gucke
gerne dabei zu und versuche auch, beim
Ausschaufeln der Miete zu helfen. Die
Größe der Grube richtet sich danach, wie
viel Kartoffeln eingemietet werden sollen.
In diese Grube werden die sortierten
Kartoffeln mit einem - etwa einen
bis eineinhalb Meter hohen - Hügel aufgeschüttet.
Bei trockenem Wetter bleibt
die Miete noch einige Tage offen. Wenn
Nachtfröste drohen, wird zum Abend
Stroh übergedeckt. Über die Strohschicht
wird später eine etwa zwanzig Zentimeter
dicke Erdschicht gedeckt; dabei bleibt
der Scheitel der Miete zunächst offen,
damit sich die Kartoffeln im Inneren
nicht erhitzen. Erst im November, wenn
mit Dauerfrost zu rechnen ist, wird auch
der Scheitel geschlossen. Dann erhält die
gesamte Miete eine zweite Erddeckung,
die bei starkem Frost nochmals mit einer
Schicht Pferdemist verstärkt wird. So
eingemietet können die Kartoffeln auch
unseren ostpreußischen Winter, mit bis
zu zwanzig Grad Frost, schadlos überstehen.
Horst Buldt
Neddem End 6
24787 Fockbek
Tel.: 04331-608362
ehern. Geidau / Samland
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1 Lebendige Spuren
Mein
Mann und ich wollten einmal
einen Urlaub auf originelle Art und
Weise machen. So packten wir statt der
Koffer die Satteltaschen unserer Fahrräder
und machten uns auf den Weg von
Osterholz-Scharmbeck nach Schleswig-Holstein.
Außer Kaffeekanne und Campingkocher
brauchten wir nicht viel Gepäck.
Bis auf einen Tag, an dem wir so nass
wie noch nie in unserem Leben wurden,
waren die ungewohnten Strapazen auszuhalten
und wir wurden reich dafür belohnt.
Es war wunderbar, den Wind durch
das Haar und um die Nase wehen zu lassen,
zu sehen und die verschiedenen Gerüche
der Landschaften zu genießen. Hier
in Holstein fanden wir viel Sehenswertes,
das wir nicht vermutet hatten. Und
erst die Pferde! Von einem Landsmann,
aus Masuren gebürtig, der in unserem
Ferienort heimisch geworden war, erfuhren
wir, dass in einiger Entfernung ein
Trakehner-Gestüt sei. Also nichts wie
hin! Für die 30 km Entfernung wurden
wir sehr reich belohnt.
Auf der Hauskoppel des Gestütes grasten
einige Stuten mit ihren Fohlen. Wunderschön,
der Kopf dieses Tieres! Und
die schlanken Fesseln! Herrlich der Anblick
der leichten harmonischen Bewegungen!
Noch nie ist mir die Schönheit
dieser Pferde so ans Herzen gegangen wie
bei einem zutraulichen Jährling! Ich
konnte nur stehen und diesen Anblick
genießen. Es machte mich auch ein wenig
stolz zu erfahren, dass diese Tiere
Nachkommen jener Treckpferde waren,
die die Strapazen der Flucht überstanden
hatten. Aber wie viele dieser Tiere
haben die Flucht, ebenso wie die Menschen,
nicht überlebt. Bestimmt wurde
so manchem Pferd das Gnadenbrot versprochen,
wenn es nur bis zu einem sicheren
Ziel durchhielte. Alle diese Gedanken
gingen mir beim Betrachten
durch den Kopf. Beim Betreten des Gutshofes
fanden wir am Rande eines Rasens
zwei Findlinge, in deren flache Seiten
Elchschaufeln, Namen und Daten eingemeißelt
und schwarz nachgezogen waren.
Sollten hier etwa zwei dieser tapferen
Tiere begraben sein? Nach Auskunft
des Futtermeisters sind es aber nur die
Gedenksteine für zwei Trakehnerstuten,
Mutter und Tochter. Die Mutterstute
Polarfahrt (oder Polarstem), 1940 noch
in Trakehnen geboren, wurde nach überstandener
Flucht eine der Stamm-Mütter
der jetzigen Zucht des Gestütes. Wenn
ich mich recht erinnere, hieß die Tochter
Schwalbe.
Glücklich von dem Erlebnis dieses Tages,
kehrten wir in unser Ferienquartier
zurück, hatten wir doch hier oben in
Holstein ein so lebendiges Stückchen Heimat
gefunden.
Erika Wetzel
Am Schafkamp 3
27711 Osterholz-Scharmbeck
Tel.: 04791-57290
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